Ausgabe 
(21.8.1896) 69
Seite
531
 
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Edith beobachtete Alles. Hätte sie je ihre Machtüber ihn bezweifelt, jetzt war sie derselben gewiß. Sielächelte und hatte nur Aufmerksamkeit und freundlicheWorte für den Baron.

Wenn wir England erreicht haben werden, sprecheich", dachte dieser erleichtert, »Edith Darrell soll meinWeib werden." (Fortsetzung folgt.)

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Das internationale Schachmeisterturnierzu Nürnberg .

G Das große Ringen auf den 64 Feldern um denschachlichen Siegespreis hat am Montag den 10. Augustspät Nachts mit der Partie Win - Tarrasch seinen Ab-schluß gefunden. Der Kamps in Bezug auf den erstenPreis (3000 Mark und ein werthvoller Pokal) war in-deß schon am Samstag den 8. August entschieden, alsLasker über Or. Tarrasch in einer von letzterem überausmatt geführten Partie schon am Vormittage siegte. Mitoiesem Siege hatte es Lasker nämlich auf 13'/z Gewinn-partieen gebracht, ein Stand, den keiner seiner Mitbewerbermehr erreichen konnte. Die unerwartete Niederlage gegenCharousek in der letzten Runde war daher für Lasker be-langlos. Lasker hat mit dem Gewinn des ersten PreisesIn diesem so bedeutungsvollen Turnier einen neuen Triumphzu verzeichnen, und zwar einen Triumph, nach welchemer schon lange geizte, da der Gewinn des ersten Preisesin einem großen Turnier ihm bisher versagt war, so großsonst seine Erfolge im Einzelkampse gegen die erstenSpieler seiner Zeit waren. Ganz ungetrübt blieb aller-dings auch diesmal ihm der Sieg nicht, da er drei Par-tien gegen Charousek , Janowski und Pillsbury verlorenhat. Namentlich der Verlust gegen Pillsbury wird Lasker nicht glcichgiltig gewesen sein, da dieser junge Amerikanersich mehr und mehr als der einzige Schachmeister zeigt,der dem ersten Sieger gewachsen zu sein scheint. DiePartie, welche Pillsbury in diesem Turnier dem Championabrang, war wiederum ein Meisterstück feiner und eleganterStrategie und zählt zweifellos zu den besten Leistungendes Turniers. Einen gewiß ziemlich unerwarteten Erfolghat der junge Ungar Geza Maroczy aus Budapest zuverzeichnen, der zum ersten Mal an einem Meisterturniermitspielt und mit 12'/ Gewinnpartien den zweiten Preis(2000 M.) gewann. Sein Erfolg ist namentlich auchdeßhalb bedeutsam, weil er der einzige Theilnehmer ist,der nur eine Partie (gegen Steinitz) verloren hat. Aller-dings weist sein Turnierstand eine große Zahl von Remis-partien auf, ein Ergebniß der großen Vorsicht, die er beiseinen Kombinationen walten ließ. Von seinen Gewinn-partien sind namentlich jene gegen Janowski und Pills-bury zu verzeichnen. Den dritten und vierten Preis (1500und 1000 M.) theilten Pillsbury und Dr. Tarrasch mitje 12 Gewinnpartien. Der junge Amerikaner hat zu An-fang des Turniers etwas lässig gespielt, dann aber einegroßartige Spielweise entfaltet, die namentlich in derüberaus feinen Gewinnpartie gegen Lasker ihren Ausdruckfindet. Pillsbury hat in diesem Turnier zweifellos einenmoralischen Erfolg ersten Ranges errungen, indem er alledie großen Matadore Lasker , Dr. Tarrasch, Steinitz undTschigorin in überlegener Weise aus dem Felde schlug.Mit etwas mehr Aufmerksamkeit am Anfang hätte erleicht den ersten Preis erstreiten können. An Dr. Tarraschwurde allseits die frühere Festigkeit und Energie, die seine

Spielweise auszeichnete, vermißt. Er spielte sich sichtlichschwer, und seine Partie gegen Lasker zeigt geradezu eintbedauerliche Unsicherheit der Kombination. Fast scheint es,als habe er den Höhepunkt seines Glanzes bereits über-schritten. Nur in wenigen Partien, wie gegen Charousek ,Tschigorin und Steinitz, machte sich sein früherer Geniusbemerkbar. Den 5. Preis (600 M.) hat sich Janowski,der Vertreter Frankreichs , erstritten, dessen ideenreichesAngriffsspiel die allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Mitkühn forcirten Angriffen überwand er den schlauen Laskerund den bedächtigen Steinitz, und selbst Pillsbury entgingnur mit Mühe der sicheren Niederlage durch ein momen-tanes Nachlassen seiner Aufmerksamkeit. Steinitz, derruhmreiche Altmeister, muß sich mit dem 6. Preis (400 M.)begnügen. Wohl gab er auch diesmal glänzende Probentiefdurchdachter Strategie, aber seine frühere Spannkrafthat ihn sichtlich verlassen, was übrigens bei dem 60jähr.Manne Niemand Wunder nehmen kann.

^ Den letzten Preis (200 M.) theilten Karl Schlechter aus Wien und August Walbrodt aus Berlin mit je 10'/,Gewinnpartien. Beide noch jung an Jahren, befleißigensich einer überaus vorsichtigen Spielweise, welche die großeZahl Remispartien erklärlich macht, die sie auch diesmalwieder erzielten. Schlechter ist noch vorsichtiger gestorben,als er sich letztes Jahr in Hastings zeigte, woselbst ermanches hübsche Angriffsspiel durchführte. Seiner zähen,jeglichen Risikos sich enthaltenden Spielweise verdankt eres, daß er nur zwei Verlustpartien gegen Janowski undSteinitz auszuweisen hat. Walbrodt hatte lange Zeit hin-durch einen guten Stand in dem Turnier, bis schließlichseine Spannkraft nachließ. Die rasch sich folgenden Ver«lustparticn gegen Charousek , Teichmann und Blackburnedrängten ihn dann in den Hintergrund. An die Preis-träger reihen sich zunächst die beiden Russen MichaelTschigorin und Emanuel Schiffers mit je 9'/, Gewinn-partien. Nichts spricht wohl beredter für den geringenStärkeunterschied der Turniertheilnehmer, als die That-sache, daß ein so genialer Spieler wie Tschigorin außer-halb der Reihe der eigentlichen Preisträger zu stehen kommt.Es ist daher begreiflich, daß das Comits es nicht überdas Herz bringen konnte, Meister seines Schlages ohnejedes Andenken von sich ziehen zu lassen, und daher denbeiden Russen noch zwei weitere Preise stiftete. Das ge-ringe Resultat Tschigorins ist übrigens ein erneuter Be-weis für die mehr und mehr hervortretende Thatsache,daß gcgm die heranwachsende moderne Schachjugend undihr nüchternes, berechnendes Spiel mit kühnen Angrisfs-wendungen nicht mehr viel auszurichten ist. Der sprach-gewandte, feingebildcte Schiffers hat etwas zäher als seinLandsmann gekämpst, aber seine vielen Remispartien ver-hinderten auch ihn, einen besseren Stand zu erzielen.Den Preis für das beste Resultat gegen die Preisträger(100 M.) erhielt Harry Blackburne, der den britischenSchachruhm wie gewöhnlich mit Energie und in geistvollerSpielweise vertreten hat. Einen Beweis der ihm nochimmer innewohnenden Kraft hat er durch seine Siegeüber Pillsbury, Tarrasch und Walbrodt gegeben; gleich-wohl konnte er nur 9 Gewinnpartien erreichen. Auch fürihn bietet, gleichwie für Tschigorin, der moderne Spiel-typus kein Feld mehr für das liebgewonnene, aber riskanteAngriffsspiel. Als hauptsächlicher Vertreter der mächtigemporstrebenden Schachjugend ist in diesem TurnierCharousek , ein junger Ungar voll kühner Kombinationen,zu betrachten, der sich nebenbei ebenso als gewandter