Ausgabe 
(29.8.1896) 72
Seite
549
 
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Nugsburger PotzMmg".

« 72. Samstag, den L9. August 1898.

Für die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Borbefitzer vr. Max Huttler ).

Ein furchtbares Geheimniß.

Dem amerikanischen Originale der Mrs. Mary AgnesFlemmtng nacherzählt von LinaFreifrau v.Berlepsch.

(Fortsetzung.)

13. Kapitel.

Wie Rudolf eS aufnahm.

Für Beatrlce Stuart verstrichen indessen die Stun-den öde und traurig. Sie hatte ihrer Mutter die Kundevon Sir Victor's Werbung um Edith'L Hand mitgetheilt.Tante Charlotte riß die matten Augen wett auf.

Sir Victor will unsere Edith Heiratheu? Ach,und ich dachte, er interessirte sich für Dich."

Mehr wußte Mrs. Stuart darüber nicht zu sagen.

Ob wohl ein Erdbeben Mama'S Gleichmuth er-schüttern könnte", dachte Trixy empört,will doch sehen,wie Rudolf eL aufnimmt."

Rudolf war mit Hauptmann Hammond ausgelitten,und die Sonne senkte sich bereits als die beiden Männerheimkehrten.

Wie geht's, Trixy", sprach Rudolf, sich gemüthlichauf dem Sopha ausstreckend,ist Dein Fuß bald wiederhergestellt?"

Danke, es geht besser, aber ich habe Dir vielWichtigeres zu sagen. Du erräthst eS gewiß nicht."

Ich versuche eS auch nicht, mein Kind. WennDir etwas auf der Seele lastet, heraus damit! Unge-wißheit ist peinlich."

Er schloß die Augen und wartete.

Sir Victor hat um Edith geworben, und sie hatihn angenommen."

Rudolf öffnete die Augen und sah sie an, ohneStaunen oder eine Bewegung kund zu geben.

Ist das eine wichtige Neuigkeit? Armes Kind,nach all' der Mühe, die Du Dir gabst, ist es hart fürDich. Wenn Du aber glaubst, wich dadurch in Staunenzu versetzen, kennst Du mich schlecht. Mir war die Sach-lage längst sonnenklar. Habe ich auch selbst jeder zartenRegung entsagt, so betrachte ich sie doch bei Anderen mitväterlichem Interesse. Und so wollen sie sich heirathen?Gott segne Euch, meine Kinder", sprach er, die Händeerhebend,und seid glücklich."

Das war Alles, und Beatrice hatte geglaubt, erliebe Edith.

Rudolf schloß wieder die Augen, als wolle er ein-schlafen.

Rudolf, Du bist ein Dummkopf"

Ueberwältigt von der unwillkürlichen Anerkennungseitens der Versammlung erhebe ich mich-"

Ja, Du bist ein Dummkopf, Du hättest Edith ge-winnen können, wenn Du gewollt hättest, sie liebt Dichmehr als Sir Victor. Aber nein, Du mußtest herum-bummeln und"

Umherbummeln? Guter Gott! Trixy, ich frageDich wie ein Mann den andern, sahst Du mich je her-umbummeln?"

Geh' fort, ich habe keine Geduld mit Dir."

Der alte Mr. Stuart allein nahm die Nachrichtnicht so ruhig auf.

Also Freds bettelarme Tochter", brummte er,sohast Du Dir doch den Baron lächerlicherweise durch dieFinger gleiten lassen."

Trixy weinte beinahe.

Ich ließ ihn nicht gleiten, ich hatte ihn ja nie inder Hand. Zudem ist Edith schöner als ich. Ich thatmein Bestes und halte es nicht für recht, noch obendreingezankt zu werden."

Weine nicht, es gibt noch andere gute Partien.Hauptmann Hammond ist der Sohn eines reichen Lords,und das ist mir schließlich lieber als ein Baron. Komm',zieh' Dich an, geh' in den Salon und mache Dich demOffizier interessant."

Trixy befolgte den väterlichen Rath und erreichtemit Hilfe ihres Bruders und einer Krücke das Speise-zimmer, wo sie Lady Helena bleich und zerstreut fand.

Bei Tische ruhte auf allen sichtlicher Zwang.

Der Tante ist's nicht recht", kicherte der alteStuart,nun, kann mir's denken, wäre mir auch so,wenn es Rudolf wäre. Uebrigens will ich diesen nachTische auf Lady Arabella aufmerksam machen. LadyArabella Stuart würde sehr vornehm klingen."

Und so brachte er in nächster Gelegenheit auch dieSprache darauf.

Nimm Dir ein Beispiel an Edith, Junge", beganner,sieh, was sie ohne einen Heller für eine Partiemacht. Du bist reich und hübsch, warum sollst Du nichtauch in die englische Aristokratie Heiratheu? Lady Ara-bella , zum Beispiel, ist zwar unbegütert, aber sie ist einesGrafen Tochter. WaS hindert Dich, ihr zu nahen?"

Rudolf blickte auf.

In allen Heirathsangelegenhetten betrachte ich michals nicht existirend und thue vollkommen nach Deinem