ein Verächter der Kirche, der die heiligen Sakramentenicht mehr empfing und ein recht ungebundenes Lebenführte. Mittlerweile kam er zum Militär; er hatte sehrgute Talente und wurde bald befördert. Von der Kirchesprach er nie anders als mit Spott und Hohn, und dekla-niirte stets Waizmanns wüste Possen zum allgemeinenAergerniß. Ich hatte deshalb manchen Verdruß undvielen heftigen Streit mit ihm.
In der Christnacht des Jahres 1864 war er Com-mandant der Kasernwache zu Stuttgart . Nachts 12 Uhrweckte er die Frau des Profosen mit einem solch frivolenSpott über das hochgebenedeite Christkind, daß mich jetztnoch ein Schauer durchrieselt, wenn ich daran denke.Jedoch die Gerechtigkeit Gottes gebot ihm Halt! Bishierher und nicht weiter!
Als er von der Kasernenwache abkam, war er leidendund mußte bald darauf als gefährlich krank in dasSpital gebracht werde». Auch hier witzelte und spöttelteer fortwährend und wies den Empfang der hl. Sakra-mente höhnisch von sich. Doch auf einmal besann ersich eines andern, eines bessern. Er verlangte aus freienStücken die hl. Sakramente und legte unter lautemSchluchzen eine zweistündige Beichte ab. Es war hoheZeit. Kaum hatte er die hl. Sakramente empfangen, >so trat eine Erstarrung bei ihm ein. Er öffnete schauer-lich und weit den Mund, die Zunge, die Gott , seineKirche und Priester so oft gelästert hatte, hing entsetzen-erregend über das Kinn herab. Vollständig, das sahman ihm an, war er bei Bewußtsein; so oft manzu ihm kam, sah er einen mit Thränen in den Augenan und wollte sich mit dem Kreuzeszeichen bezeichnen,was er aber nicht mehr konnte. Endlich nach acht Tagenerlöste ihn der Tod von seinen entsetzlichen Leiden. DiesenAnblick, aber auch die Leichenrede, die ihm der nun-mehrige hochwürdige Herr Domkapitular Zimmerle hielt,der damals Kaplan in Stuttgart war, werde ich niewieder vergessen. —
Es war im Jahre 1869, als ich Forstgehilfe war.Eine halbe Stunde von meinem ständigen Posten warein Dorf, das ich bei meinen Gängen im Walde passirenmußte. In diesem wohnte ein vermögender und weitbekannter Frucht- und Viehhändler, der viel Geschick fürHandel und Wandel, aber auch eine ebenso große Feind-seligkeit gegen die Kirche und die Geistlichkeit zeigte, überwelche er öfter in der unfläthigsten und unsittlichstenWeise spottete, besonders wenn er zufällig in ihre Gesell-schaft kam. Er war ein eifriger Leser der damals inUlm erscheinenden kirchenseindlichen Zeitungen „Kirchen-fackel" und der „Ulmer Schnellpost' . Aus diesen schöpfteer seine eingebildete Weisheit und seine Kirchenfeindlich-keit. Er handelte genau nach dem Grundsatz, der aufdem Begräbnißplatz der „Freireligiösen" in Berlin amThore angebracht ist: „Macht hier das Leben gut undschön, kein Jenseits gibt's, kein Wiederseh'n."
Ich verbat mir öfter seine Gesellschaft und Zu-dringlichkeit; denn seine einzige Unterhaltung war, Gott,seine Kirche und die Priester zu beschimpfen und zulästern.
Eines Abends, als ich vom Walde heimkehrte,hungrig, durstig und sehr erschöpft war, es war an einemsehr heißen Tage des Monats August, kehrte ich in demGarten einer an der Straße gelegenen Wirthschaft ein.,Ich saß allein an einem Tische in der Ecke des Gartens.'Zu meinem größten Acrger sah ich aus einmal den Ge-nannten am obere» Ende des Tisches sitzen, denn ich
wußte mit Bestimmtheit, baß er sich wieder an michmachen werde. Ich nahm mir deshalb fest vor, gegenseine gewöhnlichen Provokationen mich ganz still zu ver-halten und ihn mit Verachtung zu strafen. Richtig,meine Vermuthungen täuschten mich nicht. Kaum saher mich, so rückte er in nieine Nähe. In der frivolstenWeise suchte er mich durch seine kirchenseindlichen Redenzu reizen. Zuerst ließ ich seine faden Reden zu einemOhr herein und zum andern hinaus.. Allein schließlichwurde mir die Sache zu bunt, und ich verbat mir allenErnstes jeden weiteren Discurs. Dies machte ihn nurnoch zudringlicher. Ich erzählte ihm nun die vorerwähnteGeschichte meines Hauptmannes, um ihm nahe zu legen,wie Gott oft plötzlich die Kirchen- und Priesterfeindestrafe. Er sagte, dies sei bloßer Zufall, worauf icherwiderte, es könne ihm vielleicht auch noch so ergehen,daß er vergeblich nach einem Priester verlangen werde;er jedoch brach auf meine Erwiderung in die schrecklichen
Worte aus: „Eher soll mir der T.. wenn es einen
gibt, als ein Pfaff an mein Sterbebett kommen!"
Die Haare standen mir bei diesen Worten vorEntsetzen zu Berge, ich schrak zusammen und ging fortmit den Worten: „Herr E., es ist schrecklich, in diel Hände des lebendigen Gottes zu fallen! Was der Menschsäet, das wird er ernten!"
Er rief mir noch höhnisch nach: „Es ist nur gut,daß Sie kein Pfaff geworden sind, Sie haben eine be-sondere Gabe, die Leute fanatisch, dumm und abergläubischzu machen!" Tief in der Seele schmerzte mich diehöhnische Verblendung dieses alten Mannes, und ich warjenen Abend so aufgeregt, daß trotz der großen Ermüdungkein Schlaf in meine Augen kam. Immer und immerwieder kamen mir die entsetzlichen Aeußerungen desFrucht- und Viehhändlers in's Gedächtniß. Aber diesemging es nicht so gut, und er mußte bald erfahren, daßGott seine unbefleckte Braut, die hl. Kirche, nicht unge-straft beleidigen läßt. Ihm ging es weniger gut alsmeinem Hauptmaune, der doch noch einen Priester ver-langen konnte. Noch in derselben Nacht, kaum einigeStunden nach obigem Auftritt, fiel er in ein Delirium,
> aus welchem er nicht mehr kam. In seinen Phantasiernsah er nur schreckliche und schwarze Kobolde, auch denPriester, der ihm die hl. Oelung spendete, sah er alseinen solchen an. In diesem Zustande starb er nach
> wenigen Tagen, ohne mehr zum Bewußtsein gekommenzu sein. Als man ihn beerdigte, war ich gerade imWalde und hörte das Grabgeläute. Ich muß es ge-stehen, es überkam mich ein großer Schauer, und ichmußte unwillkürlich an das denken, was zwölf Jahrevorher die Soldaten beim Tode meines Hauptmannessagten. Doch hoffen wir noch das Beste für seine armeSeele; vielleicht ist er, unsichtbar der Umgebung, dochzu lichten Augenblicken gekommen und hat die Gnadeeiner vollkommenen übernatürlichen Reue erhalten; vielederartige Beispiele erzählt ja die Geschichte des Reichesder Gnade.
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Goldkörner.
Ein neuer Rock und ein neues HauS,
Gar stattlich nehmen sich beide aus,
Doch sollen sie uns behagen,
Dann müssen wir unter Lust und LeidIm Hause erst wohnen längere ZeitUnd den Rock eine Weile tragen.