eS wurde geplündert. Der 24. August, St. Bartholomäus-tag, ist dieser Schreckenstag. Die Wogen der großenfranzösischen, welterschütternden Revolution gingen damalssehr hoch. Der Convent sandte seine 14 stehenden Heerenach allen Richtungen aus. Auch Bayern und die damaligefreie Reichsstadt Augsburg bekamen den Besuch dieserungebetenen Gäste. General Moreau leitete vom Ulrichs-thurme aus den Lech -Uebergang, den der General Van-Lamme befehligte. Die Franzosen durchschwammen den Lech,das Gewehr und den Säbel, welcher an einem Strickbefestigt war, hochhaltend, um 10 Uhr. Der damaligeBürgermeister Andreas Strixer und noch einige Raths-Witglieder gingen denselben bis an den Fuß des Bergesentgegen, dem General eine werthvolle goldene Uhr an-bietend, welche derselbe zurückwies mit den Worten: „Esnützt Alles nichts, Ihr werdet geplündert!" Darauf be-gann die Plünderung und dauerte von 12 bis 4 Uhr.Dabei kamen viele Kleidungsstücke, auch Pelzhauben derFrauen, in das Bivouac, das die Krieger bezogen hatten. iEs war ein fürchterlicher Schreckenstag. Die Thurmuhr ,wurde gestellt. Die Leute hielten ihr Mittagsmahl, be-stehend in einer Wassersuppe, in den Kellern. Hieraufdrohten die Franzosen die Stadt an den vier Ecken an-zuzünden. Es mußte eine große Brandschatzung erlegtwerden. Deßwegen gelobte man, einen Dankgottesdienst >am Sonntag vor dem Feste des heil. Bartholomäus inUnseres Herrn Ruhe abzuhalten. Der Dankgottesdienst.am 16. August in der prächtigen Wallfahrtskirche war.sehr schön und erbauend, der Kanzelvortrag des hochw.Herrn Stadtpredigers Alberstötter ausgezeichnet.
(Nach dem Frdb. Gmdeb.)
Der Finger Gottes.
Ludwig Riebt erzählt in seinen interessanten „Lebens- ^erfahrungen eines Convertiten aus dein Volke" folgende !Gottesgerichte:
Mein Hauptmann und Compagniechef, ein sonstsehr gemüthlicher, heiterer und namentlich auch bei seinenUntergebenen wegen seiner Milde beliebter Officier, ledigUnd katholisch getauft, der von der Pike auf gedientHatte, war ein erbitterter Feind seiner Kirche und derPriester. Er bildete sich nicht wenig darauf ein, schoneine sehr lange Reihe von Jahren, ich glaube seit seinerersten hl. Commnnion, die hl. Sakramente nicht mehrempfangen zu haben. Derselbe wurde auf einen öffent-lich ausgesprochenen, wahrhaft entsetzlichen Priesterhaßplötzlich und auf die schauderhafteste Weise von einemGottesgericht betroffen.
Die Compagnie marschirte nämlich zum Scheiben-schießen, es war, soviel ich mich noch erinnere, der 16.August 1857, auf den großen Epercierplatz. Bei dieserGelegenheit passirten wir die Hintere Schlohstraße zuLudwigsburg. Der jetzige Pfarrherr in Hundertsingen,der hochw. Herr Professor Nestle, war damals Vicar inLudwigsbnrg. Dieser ging, mit der Sutane bekleidetund dem Cingnlum umgürtet, die Straße hinab zurkatholischen Kirche im königlichen Schlosse, um dort dasheilige Meßopfer darzubringen. Der Anblick diesesPriesters in seiner Kleidung versetzte den Hauptmannsin eine wahre Wuth. Er schimpfte darüber, daß mandie katholischen Geistlichen in einer protestantischen Stadtin einer solchen Kleidung auf der Straße passiven lasse;dies sollte von der Polizei verboten und gesetzlich nicht
geduldet werben, weil es eine „freche Herausforderung" (!)sei; ihm sei heute der ganze Tag verdorben. Der Ober-feldwebel Hofmann, ein gut katholisch gesinnter württem-bergischer Franke, bat den Hauptmann, er möchte dochnicht vor der Mannschaft in solcher Weise über diePriester seiner Kirche sprechen und das religiöseGefühl der katholischen Soldaten so tief verletzen. DerOberfeldwebel sprach dies ganz ruhig. Auf diese be-rechtigte Bemerkung hin kam eine Fluth von Schimpf-wörtern über die Lippen des Hauptmanns, ja er vergaßsich in seinem Toben so weit, daß er den fürchterlichstenAusdruck gebrauchte, er möchte dem nächsten Priestermit seinem Säbel im Gedärme herumbohren, und be-zeichnete an seinem Leibe eine Stelle, wo er dies thunwollte. Jetzt sagte der Oberfeldwebel mit erregter undfeierlicher Stimme: „Herr Hauptmann, He wären viel-leicht noch froh, wenn ein Priester in Ihrer letztenStunde zu Ihnen käme!"
' .,So etwas wird bei mir nie vorkommen, vor soetwas will ich behütet bleiben", entgegnete der unglück-liche Officier.
Wir marschirten in die große Allee ein. Kaum150 Schritte von der Stelle, wo der Hauptmann dieentsetzlichen Worte gebrauchte, fühlte er ein entsetzliches' Stechen in seinen Eingeweiden, gerade an der Stelle,die er zum Durchbohren der Priester bezeichnet hatte.Fürchterliche Schmerzen nöthigten ihn, die Compagniezu verlassen. Er gab dem Oberfeldwebel den Befehl,da er die Compagnie-Officiere vom Ausrücken dispensirthatte, nach dem Scheibenschießen ihm den Schießrapportzu bringen. Das war nun nicht mehr möglich und nöthig,wie wir weiter hören werden.
Der Hauptmann eilte, wie von Furien gegeißelt,von den gräßlichsten Schmerzen getrieben, nach Hans,wo sein alter, protestantischer Diener mit Entsetzen seinen^ Herrn kommen sah. Diesem rief er schon von Weitem! zu: „Johann, ich bitte Dich, eile, so schnell Du kannst,und hole den katholischen Stadtpfarrer, er möge gleichAlles mitnehmen, was zum Versehen nothwendig sei,aber ja recht eilen." Der Bediente wollte schleunigst den' Befehl des Herrn vollziehen, allein der Hauptmann fielmit einem entsetzlichen Aufschrei auf den Boden feinesZimmers und war sofort eine Leiche. Sein Aussehensei alsbald ein entsetzenerregendes geworden. Man kaunsich den Schrecken und das Staunen der Compagniedenken, als dieselbe vom Scheibenschießen nach Hausekam und den schauerlichen Tod des Hauptmanns erfuhr.Mehrere Protestanten der Compagnie, Katholiken gab esnicht viele, meinten: „Den hat unser Herrgott gleich beimWort gepackt."-
Lei meinem Regiment, in meiner zweiten Kapitu-lation, nachdem ich schon zur katholischen Kirche über-getreten war, war ein Feldwebel (Sergeant) NamensFidelis Müller, aus Hochdorf, O.-A. Waldsee, gebürtig.Derselbe hatte sehr fromme Eltern und war streng inkirchlichen und sittlichen Grundsätzen erzogen. Er er-lernte das Schreinerhandwerk und kam in die Fremde.Wie er mir selbst gestand, war er rein und unverdorben,voll kindlichen Glaubens in die Fremde gegangen, habelange Zeit die kirchlichen Gebräuche und Gebots auf'sgewissenhafteste beobachtet, bis ihm einmal zufällig Waiz-manns Gedichte in die Hände gefallen seien, diese hättenihn sehr angesprochen, besonders hätte ihm der ober-schwäbische Dialekt seiner Heimath gefallen. Schließlichwurde er ein begeisterter Verehrer Waizmanns, aber auch