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seris Beschützer sein. ES war der seit einigen Tagen indem oberen WirthShause nächst dem kurfürstl. Mauth -amte wohnende französische Emigrant Fran^oiS deBouchs. Auf einer Reise durch Bayern mit seiner derNiederkunft nahen Gattin begriffen, war er durch dasrasche Vordringen der Franzosen veranlaßt worden, inLechhausen Quartier zu nehmen. Bouchs, aus einerlothringischen Adelsfamtlte stammend, deren Besitzthumdurch die Revolution zerstört war. trat in das Regiment,welches Ludwig Fürst v. Hohenlohe-Waldenburg , Mar-schall und Pair von Frankreich, für das Emigrantenheerorganisirte und gegen die Republik führte. Nach demsiegreichen Sturm der Verbündeten unter Wurmser aufdie Weißenburger Linien, 13. Okt. 1793, wurde BouchsLieutenant. Als das Kriegsglück sich wendete und schonam 16. Dezember Ptchegru die Oesterreichs und Preußenbei Weißenburg schlug und zum Rückzug über den Rhein zwang, folgte Bouchs dem Fürsten Hohenlohe nach demKriegsschauplatz in den Niederlanden. Als Lieutenantim Hohenlohe 'schen Regiment focht derselbe in den Käm-pfen bei Nimwegen, Tiel und wurde bei Bommel Ober-lieutenant. Aber die Sache der Oesterreichs stand auchhier schlecht. Im Januar 1795 zog Ptchegru, von denHolländern mit Jubel empfangen, in Amsterdam ein.Nachdem Erzherzog Carl das Oberkommando der Reichs»armee am Rhein übernommen und Fürst Hohenlohe indessen Dienste trat, nahm auch Bouchs, als das Regi-ment sich auflöste, seinen Abschied. In diese Zeit fälltseine Verheiratung und ein längerer Aufenthalt in derPfalz . Sein erwähntes Verweilen in Lechhausen solltediesem Orte zum großen Glück gereichen. WaS BouchSalles zum Wähle dieser ihm gänzlich fremden Gemeindemit steter Lebensgefahr aus purer Nächstenliebe unter-nahm, ist aus verschiedenen Zeugnissen zu ersehen, welchesich in höchstem Maße anerkennend über sein Vorgehenaussprechen. So heißt eS u. a. am Schluß eines Zeug-nisses der Theresia von Stubenrauch, verwittw. Grenz-Mauthnerin von Lechhausen, ä. ä. 1V. Oktober 1796:»Ich und eine alte 60jährige Magd waren einzig undallein, die wir in unserm versperrten Hause schon sicherund alles überstanden zu haben glaubten, da ich ebenim obern Zimmer die zerstreuten Geräthe wieder zu sam-meln beschäftigt wax , als zum zweitenmal 5 robuste Kerlemit schrecklichen Drohungen zu den Fenstern hereinfliegen.Von aller Welt verlassen, tu einer unbeschreiblichen Be-täubung wie von Sinnen rannte ich auf die Straße.Die Vorsehung führte mich zu Herrn Bouchs, den ichallen Leuten beibringen sah. Mit gen Himmel gerun-genen Händen sprach ich ihn um seine Hilfe an. Aberer ließ sich nicht lange bitten. Die Kerle zwang er aufder Stelle, ihres heftigen Widerspruches ungehindert, dahinaus zu steigen, wo sie hereingestiegen waren; siedurften nicht ein Stück mehr berühren, und von dieserStunde an widerfuhr mir unter seinem unablässigen Bei-stand kein Leid mehr. Er versah mich mit dem bestenRath, wie ich das Gerettete gegen fernere Nachstellungenin Sicherheit bringen solle und wirklich brachte; obgleicheine Horde von wenigstens 100 Köpfen dasselbe anzu-fallen drohte, unter die er sich aber mit eigener Lebens-gefahr wagte und durch seinen entschlossenen Muth, durchseine geistvollen Vorstellungen, durch seine eigenthümlicheWürde und Ansehen, wofür der tollste Pöbel zurückbebt,siegreich bewirkte, daß sie von ihrem verruchten Beginnenabstund. So vertrieb er eine andere Räuberbande, die
schon mitten in der Nacht ins Haus eingedrungen war.Ich würde die Grenzen eines gewöhnlichen Attestats weitüberschreiten müssen, wenn ich alle seine preiswürdige»Handlungen sollte erzählen wollen. Eine dankbare Thräneentquillt mir, und ein unerklärbarer Schmerz durchgingtmeine Seele, daß mir meine Glücks-Umstände nicht er-lauben, seine unaussprechlichen Wohlthaten anders alsnur mit dieser vergelten zu können. Der Himmel seisein Belohnn." Josef Graf von Königsfeld, Propst zuAltenötting, und Max Graf von Seinsheim bezeugen, daßBürger von Lechhausen zu ihnen gekommen seien und er-zählten, daß sie die ihnen, den Bürgern, durch HerrnBouchs beim Durchmarsch der Franzosen erwiesenen,öfters sogar unter Lebensgefahr bezeugten außerordentlichguten und beträchtlichen Dienste nicht genug rühme«konnten, ja dieselben bekräftigten sogar, daß sie ihreund ihres Wohnortes Erhaltung nach Gott HerrnBouchs zu verdanken haben und nur bedauern, daß"ihre Vermögensumstände nicht zureichen, um demselbendeßhalb dankbar genug sein zu können. Daß Lechhausenin der That zur damaligen Zeit enorme Ausgaben machenmußte, möge aus einer Spezifikation vom 10. September1796 hervorgehen, laut welcher die Gemeinde Lechhausenin einem Zeitraum von vierzehn Tagen für Brod, Wein,Branntwein, Haber, Heu, Stroh, Bier und Fletsch andie Kaiserlichen und Franzosen 3109 Gulden 40 Kreuzerverausgabte. Diese Summe erscheint natürlich viel be-deutender, wenn man die billigen Preise der Lebensmittelvon damals bedenkt; denn es kosteten: 1 Laib Brod 3Kreuzer, 1 Maß Bier 4 Kreuzer, 1 Pfund Fleisch 3Kreuzer, und sind 12,000 Pfund Brod mit 498 Guldenberechnet worden. An Quartierlast hat Lechhausen ge-tragen Kaiserliche und Franzosen 23,568 Mann und; 12,831 Pferde. Der Verlust an Vieh betrug 1200 Stück.
! Nachdem Bayern einen für dasselbe höchst ungünstige»
! Frieden mit Moreau zu Pfaffenhofen , 7. September 1796,k zu Stande gebracht, räumten die republikanischen Trup-pen das Land, und Bayern athmete, allerdings nur fürkurze Zeit, wieder freier. Bouchs verließ, nachdem sichseiner Reise kein Hinderniß mehr bot, mit seiner GattinLechhausen. Die ganze Gemeinde gab ihm mit Dankes-thränen das Geleite. Familienverhältnisse bewogen den-selben später, in München sein Domizil zu nehmen. AISbald darauf auch Pfalzgraf Maximilian als Kurfürst vonBayern, vom Volke jubelnd begrüßt, in München einzog,erfolgte die Ernennung des Oberlieutenants v. Bouchßzur kurfürstlichen Suite. Die kommende höchst kriegerischeZeit hätte dem tapferen Offizier eine glänzende Zukunfteröffnet, hätte ihn nicht nur zu bald ein gar traurigerTod im schönsten Mannesalter erreicht. Von einer Soirseder Kurfürstin heimkehrend, erkrankte er in derselbe»Nacht und starb nach wenigen Wochen an einer Gehirn-krankheit. — Hundert Jahre sind nun seit diesen Ereig-nissen verflossen. Der einzig noch lebende Enkel des Ober-lieutenants Frangois de Bouchs, der kgl. bayerische Hof-glasmaler und Commercienrath Herr Carl deBouchäin München , will der Feier anwohnen, welche, wieEingangs erwähnt, am 100jährigen Gedenktage der rühm-lichen That seines Großvaters, am 30. August dS. Js.,begangen werden soll.
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Auch Friedberg hat vor 100 Jahren vor den Fran-zosen gezittert, ist aber nicht so glimpflich weggekommen,