Ausgabe 
(18.9.1896) 78
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in Folge seiner eigenen Schwere, fort. Wohin rollt es?In die Central-Office, hier wird Gegenstand und Betraggebucht, die Rechnung gestempelt und vermittelst einesanderen Drahtes zurückgesandt zum Ausgangspunkt. In-zwischen sind die Handschuhe verpackt worden, und derKäufer begibt sich zur Kasse des Departements, begleitetvon einem kleinen Jungen oder Mädchen (damit er nichtentwischt), hier zeigt er die Rechnung,berappt" undgeht seiner Wege. Am Abend ober müssen die Notirungender Central-Office mit den Einnahmen aller Kassenstimmen. Eine doppelte Buchführung, Lamms il kaut!In manchen Geschäften wird mit der Rechnung zugleichder gekaufte Gegenstand mitsammt dem Gelde in dieCentral-Office geschickt, so daß die Kassen in Wegfallkommen. Jedenfalls ist auf diese Weise die Controlleauf die einfachste Manier zu handhaben.

Die Räume im Allgemeinen gleichen einem einzigenungeheuren Schaukasten. Der allgemeinen Sitte ent-sprechend, wird nichts in geschlossenen Kästen verwahrt,sondern alles offen zur Schau gestellt, womöglich mitweithin sichtbaren Preisen versehen. Von der Decke hängenriesige Schilder mit der Bezeichnung des' betreffendenDepartements herab, an drei Stellen erhebt sich vomBoden bis zum Dach ein breiter, viereckiger Lichtschacht,um welchen sich die Stockwerke, ebenfalls mit gigantischenSchildern versehen, gallerieartig gruppiren. Hwr sindauch die Eingänge zu den Elevatoren, die mit einemCondukteur und einem Führer ausgestattet sind. Beijedem Stockwerk hält das Gefährt still, und die ver-schiedenen Departements werden laut abgerufen. Eineneigenen Eindruck macht es auf den Besucher, wenn ernach stundenlanger Wanderung durch alle möglichen Waarenplötzlich in eine weite Kaffeehalle hineinsieht, in welcherHunderte von Damen ihren Mokka schlürfen, um nachdieser Erholung auf's Neue an's Kaufen zu gehen. DieOffice des Arztes, des Zahnarztes, die Barbierstube, dieApotheke, die Fleischerei und Gemüsekrämerei, alle natür-lich hochnobel eingerichtet und nach denselben Principiengeleitet wie die Verkaufsläden, interessiren uns weiternicht es genügt, daß sie da sind.

Nur noch einen verstohlenen Blick in die Central-Office, bevor wir aus dem Gewühl der Käufer undVerkäufer scheiden. Die Central-Office, die Office inAmerika überhaupt, ist der Ort, wo man es stets eilighat. Höflichkeit ist hier nicht zu Hause. Die Buchhalter,Correspondenten, Principale sitzen da mit den Hüten aufihren gesegneten Köpfen und in Hemdärmeln. Auch derBesucher behält den Hut auf dem Kopfe. Man sagtnichtGuten Tag!*, sondernHallo!" oder noch bessergar nichts. Geschwätz, Unterhaltung gibt es hier nicht.Man hat zu viel zu thun. Die Geschäftsstunden gehörendem Geschäft. Man schiebt keine Arbeit, die diesem Tagegehört, bis morgen auf, aber man arbeitet auch keineSekunde über die Geschäftszeit. Um 6 Uhr Abendswerden alle Offices, alle Läden, alle Geschäfte von Ranggeschlossen. Das Schild, welches den Besucher von allenfänden grüßt und etwa bedeutet:Heute habe ich meineneiligen Tag*, sagt ihm, wie er sich zu benehmen hat:Lstis is wzr bnszr äaz?! t

-" -

Goldkörrier.

.Durch Eile treibet dich des Satans List rur Schuld;

Der Schlüssel wahren Glücks, mein Freund, ist die Geduld.

Ju l. Hammer.

ALAsVksr.

Vom Alkohol. Folgendes Gedicht in BecherforAfindet sich in denMittheilungen des deutschen VereinSgegen den Mißbrauch geistigen Getränke":

Der Alkohol spricht:

Wollt ihr Wunder und Zeichen (Lauen,

Kommt zu mir, ihr Männer und Frauen,

Laßt mich nach meinem Willen nur handeln,

So kann ich die ganze Welt euch verwandeln.

Arm mach' iL die Reichen, krank die Gesunden,

Aus Arbeitern schaff' ich euch Vagabunden,

Aus Frommen Spötter, aus Weisen Verirrte,

Aus Fleißigen Faule, aus Guten Verwirrle,

AuS züchtigen Jungfrauen schamlose Weiber,

NnS tüchtigen Männern Diebe und RäuberAuS häuslichem Glücke Elend und Noth,

AuS Nahrung Gift, aus Leben Tod.

Wie ich das kann?

Folgt mir heranlDas NaßIm FaßThut dasJn's Glas,

Dann an die LippenZum Kosten und Nippen,

Dann nur munterHinunter!

Nur mehrlGebt her!

Und wiederHernieder

Und immer wieder!

So nähr' ich das Feuer, ihr trinket und trinkt,

BIS euch der Abgrund der Hölle verschlingt!

---SWMS---

Aus derNachfolge Eßristr"?)

Jedem Wort und jedem EinfallSollst du nicht zu hastig trauen;

Jedes Ding mit UckerlegungMutzt du erst vor Gott beschauen.

Sich im Handeln überstürzenIst die Weisheit eines Narren;

Gleicherweise, starren TrutzesAuf dem eig'nen Sinn beharren.

Allen Reden aller MenschenBlind zu glauben zeigt den Thoren;

Ebenso, das kaum GehörteEinzublasen fremden Ohren.

Mit gewissenhaftem MannePflege Rath erst und Verbindung!

Folge bess'rer UnterweisungStatt der eigenen Erfindung!

*) SieheDes gottseligen Thomas von Kempen Nach-folge Christi in deutschen Reimen" von Hermann Jseke.Verlag von F. W Cordier, Heiligenstadt (Eichöfeld). Preisbrosch. M. 3.-. Salonband M. 4.50.

Arithmogriph.

1 2 3 4 5 6 7 ein Ort

Für Jung und Alt zum frohen Sport.

2 7 7 ein kleiner Fluß,

Den man im Süden suchen muß.

3 5 6 7 1 wird abgesetzt,

Und von der Hausfrau sehr geschätzt.

4 5 7 7, verderblicher Strahl,

Wen's traf, der trug des Sünders Mal.

5 3 2 1 7 such' in der Ferne,

Wo blinken der Märchen schönste Sterne.

6 5 6 7 streitbarer GesellMit einer Stimme kräftig hell.

7 5 3 1 bekommt man nicht gern,

Hoch wird's gehalten von stolzen Herrn.

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