Ausgabe 
(22.9.1896) 79
Seite
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sich zu ihrer Bedienung genähert, antwortete nicht, sieblickte auf und erkannte Rudolf Stuart.

(Schluß folgt.)

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Wacht in Uom

Das Abendroth ist still verglühet,

Verklungen längst der Glockenton,

Der Römerherzen aufgefordert

Zum Gruß der Mutter mit dem Sohn.

Und leise nun hat sich gesenketDie Nacht herab auf's ew'ge Rom ,

Ich stehe sinnend hier am FensterUnd schaue nach St. Peters Dom .

Da steht der hohe Riesenwächter,

Die Hallen meines Gott und Herrn,

In gold'nem Schimmer ihn beleuchtetVom Himmel friedlich Stern bei Stern.

Nun schau' ich hin zum Vatikane,

Dort strahlet noch ein kleines Licht

Der Völkerhirt der große Leo

Er wachet noch er schlummert nicht.

O vor Mariens reinem BildeEr kniet jetzt noch vielleicht und fleht,

Und himmelwärts die Engel tragenFür Christi Heerdc sein Gebet.

Wir schlummern friedlich, und in MübenDer Hirte betend für uns wachr,

Gruß dir, du treubesorgter Hirte,

O heil'ger Vater, gute Nacht!

Rom . Robertus, 8. v. 8.

--vSSiSOVS-

Grönenbach.

(Mit Illustration.)

' -^Nachdruck verboten.)

Die erste geschichtlich bekannte Erwähnung vonGrönenbach , welches an einem subalpinen Hügel anmuthigerbaut ist, geht ins 8. Jahrhundert zurück, indem eingewisser Gottschalk von Grönenbach im KampfederSchwaben gegen die Franken anno 727 gefallen ist. Dieerste freiherrliche Familie in Grönenbach nannte sich baldnach Wolfertschwenden, Ochsenhausen und Grönen-bach. Länger blühte die Linie von Grönenbach . Zuihren letzten noch bekannten Gliedern gehören Volpertund Hatto; dieser bezeugte die Stiftung des KlostersOchsenhausen 1099 und war auch Zeuge der bischöflichenBestätigung des Klosters Ursberg 1130. Noch 1152schenkte Ruppert von Grönenbach dieJttelsburg" beiGrönenbach an Ottobeuren und gleichzeitig 1150 der edleBertholt» von Grönenbach als Pfarrer daselbst ein Gutmit 9 Huben in Niederdorf an dasselbe Kloster.

Das die Schicksale Grönenbachs bestimmende Ge-schlecht waren aber die Herrn von Rotenstein undihre Erben, die Marschälle von Pappenheim , indemdieselben die bedeutendste Herrschaft innerhalb der Graf-schaft Kemplen, die gegen Kempten lehnbare BurgRotenstein, innehatten. Schon frühe kamen nämlichauf unbekanntem Wege die Gemeinden Grönenbach ,Zell und Woringen , welch letzteres 1414 für immerden Rotensteinern verloren ging, an dieses Rittergeschlecht.

Auch Grönenbach war denselben einige Zeit ent-fremdet, denn es fiel erblich an Hans Rizner von Mem-

hölz und kam von diesem an Hans Sürgen, geboren zuVöhringen, welcher das Schloß und die Herrschaft Grönen-bach an Conrad und Ulrich von Rotenstein verkaufte.1460 besaßen Rotenstein Thomas und dessen Gemahlinvon Crivelly, Grönenbach aber Ludwig von Roten-stein und dessen Gemahlin Utta von Hirnheim; beidewaren ohne Leibes-Erben. Umsomehr aber lebten die-selben durch ihren frommen Sinn in Grönenbach fort.

Nachdem nämlich vom Bischof Walther von Augs-burg 1136 die herrlich auf einem Berge gelegene Pfarr-kirche zu Ehren der hl. Apostel Philippus und Jacobusgeweiht worden, wurde dieselbe von Ludwig v. Roten-stein 1479 zum Stiftscollegium mit reicher Dotationerhoben.Ich, Ludwig v. Rotenstein, zu Leostein Ritter,will nach reifer Bedenkung, daß nichts gewisser als derTod und daß nach demselben nichts folgt als die gutenWerke, daß die genannte Pfarrkirche mit allen Nutzen,Gilden und Renten zu einem Stift und Collegtat ge-macht werde. Der Decan soll mit den 12 Chorherrnbei einander in dem aufgebauten Stifte wohnen, beteinander essen, in einer Stube, an einem Tische, einerTafel und aus einem Hafen, während der Lector vorliest.

Sie sollen aus ihnen einen Schaffner wählen, derihnen über Einnahmen und Ausgaben Rechnung thut;sie mögen einen Heiligpfleger setzen, der ihnen jährlichtreulich Rechnung macht, die Kirch mit Glocken und allemNothdürftigen und Zierde hält. . . Im Spital und indem Schloß, wenn in demselben eine Kapelle ist, soll alleTage Messe gelesen werden. . . Ich habe an ObgenanntePfarrer gegeben: Gilden, Zehnten u. Renten rc., so meineHausfrau Utta von Hirnheim gereicht und gestiftet. Ichgib an das Stift das Panholz mit all seiner Weide unddas Holz im Hirschstall ..."

An diese hochherzige Stiftung erinnert noch daSDoppelwappen an der Nordseite des großen Pfarr-hauses. Desgleichen verdankt das frühere Spital sammtKirche zum hl. Geiste, sowie das Frühmeßbenefizium inAltusried den genannten frommen Edelleuten ihre Ent-stehung, deren Andenken in dem schönen Grabsteine inder Pfarrkirche mit der Inschrift erhalten wird: ,,^rmoävvaini 1482 am 8. Tag Mai starb der edle Herr Ludwigv. Rotenstein und Leostein Ritter, Stifter dieses würdigenStiftes, Unno äonainl 1501 am 15. Tag April starbdie edle Frau Utta von Hürnheim, sein Hausfrau. DenGott gnad."

Bon der einzigen Schwester Ludwigs, nämlich Corona ,die letzte dieses Stammes, kam nun durch Heirath mit Hauptvon Pappenheim und Erbeinsetzung die Herrschaft an diepappenheimische Linie. Aus dieser Ehe entsproß ihreinziger Sohn Alexander, unter dessen Befehle dieschwäbischen Reichsstädte ihre Truppen nach Flandernsandten, um den 1488 in die Gefangenschaft seiner un-treuen Bürger in Brügge gerathenen Kaiser Maximilian zu befreien. Einer seiner vier Söhne, nämlich Wilhelm,vergröberte den pappenheimischen Besitz durch Ankauf vonJttelsburg. Dieses Dorf bildete nämlich mit dergleichnamigen Burg eine eigene, vom Stifte Kempten lehn-bare Herrschaft, die den Herren von Jttelsburg gehörte,von diesen an das Kloster Ottobeuren kam, 1354 vonBerchtold von Jttelsburg wieder ausgelöst wurde, 1400an Franz v. Wauler fiel, sodann 1406 wieder an Otto-beuren verkauft und 1410 an Hug Gerwig von Roten-stein zu Albrechts veräußert wurde. Die Rotensteiner ver-kauften aber bald Jttelsburg an Conrad Leulkircher von