Ausgabe 
(18.12.1896) 104
Seite
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ALLe^Lei.

Der Türkis, jener geschätzte Edelstein, der na-mentlich im Orient so sehr beliebt ist, wird in größererMenge eigentlich nur in der Nähe von Nischapur imnördlichen Persten gefunden, wo auf denselben regelrechtbergmännisch gegraben wird, allerdings in der denkbarprimitivsten, orientalisch-lässigen Weise. Ein schräger Stollenführt in einen den Edelstein führenden Hügel, welcheraber so eng ist, daß ihn nur ein Mann kriechend befahrenkann. Der Stollen mündet in einen weiteren Raum, vonwelchem aus nach Gutdünken mehrere Gänge angeschlagensind; von dem mittleren Raum geht ein Schacht nachoben, wo zwei Männer mittelst eines Handhaspels dasunten von den Bergleuten losgebrochene Gestein zu Tagefördern, wobei als Förderwagen ein Sack aus Schaffelldient. DaS Gestein wird sodann sortirt und die ge-fundenen Türkise im rohen Zustande nach Meschhed ge-schickt, wo sie geschnitten und verarbeitet werden. Leiderhaben die Nischapur-Türkise die üble Eigenschaft, sich sehrbald zu entfärben, weßhalb dieselben im Orient stetsmißtrauisch betrachtet werden und keine hohen Preise er-zielen, so daß die persischen Händler mit Vorliebe euro-päische, die üble Eigenschaft dieser Steine nicht kennendeKaufleute damit zu übervortheilen suchen; große, pracht-volle, tadellos erscheinende derartige Steine sind daheroft für einige Mark nach unserem Gelde in Persten zuerstehen, die aber ihren geringen Werth bald durch dieerwähnte üble Eigenschaft docnmentiren. Mitgetheilt vomInternationalen Patentbureau Carl Fr. Reichelt, Berlin NÜV. 6.^

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Wie der Großvater zur Großmutter kam,ersteht man aus folgendem HeirathSantrag, der denLeip-ziger N. N." auS einem sächsischen Familienarchiv zurVerfügung gestellt wird.Einer hochverehrten vswoi-oslls sb oustsM", beginnt das jetzt gerade 100 Jahrealte Schriftstück,habe ich andurch nicht verhalten zuwollen geglaubt, waS maßen sich meine zu Ihnentragende Liebe dermalen ohnmöglich länger zurücke haltenläßt, sondern tagtäglich sich vermehrend mich unaus-setzlich andrängt, daß wiederholt darob schon thun wollendeBekenntniß endlich einmal zu bewerkthätigen, wobei ichjedoch meiner ltebwerthesten Demoiselle nicht unnngezeigtlassen kann, daß wenn es hierunter auf die selbstredendeBilligung ankommen sollte, solche daher um desto platz-greiflicher sein würde, als zuverlässig es ist, daß ichmännigltcherObliegenheit nach mich angelegentlichstenFleißesbestrebt habe, hochderoselben die untertbänigsten und nach-drucksamsten Versicherungen meiner Unterbereitwilligkeitwerkthätig und gefühlig zu erproben. Ich lasse es aufDero allenfalsiger Geneigtheit und Zutragenheit beruhen,alldieweil wir nach der reiflichsten Ueberleguug nicht bei-fällig ist, mich der quästionirten Demoiselle jemals ver-unwürdtgt zu haben, noch auch dabei derlei zu thunmir jemals und irgendwie in den Sinn zu kommenunter obwaltenden Umständen überhaupt möglich undangemessen wäre. So lebe ich des abhelflichen Vertrauens,respcctive zunächstiger ErwartungBesagte Demoisellemöchten mit Ihrem Allerwerthesten hochgeneigtest be-messene Befehle ertheilen, damit alle zu einer gesetz-mäßigen Verehelichung erforderlichen Anstalten vorge-kehret und zu deren nächstigem glücklichen Ende Be-wölkung einer nach meiner äußersten Liebe lediglich ab-zumessenden Tagefahrt anberaumt werde", als worüber

unv was ich sonst noch des Weiteren hätte beantragenmögen, dürfen, können und sollen in tiefster Ehrfurchtund allem Respect um Resolution bitte, als der quästionirtenhochschätzbaren Demoiselle Dtenstergebener Johann GottlobR...r, Negistrator und Sporteleinnehmer."

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Ein Necord in der Grobheit. Im humor-istischen Theile der Schweizerischen Wochenzeitung deSHerrn Jean Frey in Zürich stand kürzlich zu lesen:Saßen da jüngst einige Journalisten beisammen undbesprachen die Personalien der schweizerischen Journalisten.Man meinte, die ältesten im Beruf find Condrau(L-asotts, Romnnsolm) und Stephan Born (BasierNachrichten), die reichsten Micheli (Journal äs Ksnsvo)und Zellweger (Allgemeine Schweizerische Zeitung), diegröbsten Dürrenmatt (Bnchsizeitung) und Attenh ofer(Stadtbote), die jüngsten Wett stein und Schurier (vonder Züricher Post), aber die liebenswürdigsten seienBaumberger (von der Ostschweiz ) und der ewig ledigeBühler (vom Bund)." Darauf antwortete Attenhoferim Stadtboten dem Redakteur der Schweizerischen Wochen-zeitung (Jean Frey) folgendermaßen:Dein Registerhat ein Loch, großer Verflcherungshauptmann. Du hastunter den schweizerischen Journalisten den dümmstenweggelassen aber ich kann es Dir nicht ver-argen."

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Salve Wegina!

Horch! Die Vesperglccke läutetDurch des Klosters stille Hallen,

Aus den Zellen leise betendZum Altar die Mönche wallen.

Bleich von Opfer und Entsagung,

Ernste, schweigende Gestalten:

Auf's Gewand, das dunkle, fließenSchneeig weiß des Mantels Falten.

Magisch in den bch'en HallenStrahlt der Kerzen sanst Geflimmer,

Mild der Jungfrau Bild erle> ehrendIn des Zwielichts mattem Schimmer.

Und sie neigen sich in DemuthVor der Hochgebenedeiten,

Und es zieht ihr Gruß wie WeihrauchAuf zu ihr, der Gottgewcihten:

Salve, hehre Königinne,

Mutter der Barmherziakeit,

Unj'res Lebens süße Minne,

Unser Hoffen allezeit.

Sieh', der Evaskindcr SehnenGebt, Fürsprecherin, zu dir:

Eya in dem Thal der Tbränen,

Nach dir seufzend trauern wir.

Ach, auf uns'res Elends FlehenMit barmherzigen Augen fwau',

Lass' uns deinen Jesum scheu,

Güt'ge, füge, milde Frau!"

Heimwehbang der Hymnus schwebet,

Ueber'm lauten Stadtgetriebe,

Deckt mit seinen SilberfchwingenErdenhaß und Erdeuliebe.

Uebcrtönt mit sanftem KlängeFromm der Meltlust eitle L eder,

Unv der Jungfrau Segen senkt sichMckd auf Stadt und Kloster nieder.

Würzburg -AugSburg. lt. v.

--k-V-Z'-«--