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Ettenbeuren.
(Mit Bild.)
Nachdruck verboten.
In dem 475 Seelen zählenden, an der Kammlach gelegenen Ettenbeuren finden wir schon in früher ZeitBesitzungen der bischöflichen Kirche von Augsburg , diewohl noch aus karolingischen Stiftungen herstammenmögen. Die Kirche von Ettenbeuren schenkte, wahr-scheinlich noch im 11. Jahrhundert, ein nicht näher be-kannter Diakonus Udalrich an das Domstift, welches die-selbe zu seinem Prä-benden bezog. Spätererscheint sie der Prä-bende des Dom-propstes beigegeben.
Einer der Dompröpsteüberließ dieselbe zurZeit des BtschofsUdal-skalk (1184—1202)an sein Kapitel. Hie-rnach einverleibteBischof Stfried am6. Juni 1220 dieKirche dem Dom-kapitel. Demselbenblieb von alter Zeither auch einiges welt-liche Gut in Etten-beuren; den bei weitemgrößten Theil desOrtes aber erwarbim Laufe der Jahr-hunderte das naheKloster Wettenhausen .
Der Ort Ettenbeurenselbst stand unter der^Landeshoheit undhohen Gerichtsbarkeitder MarkgrafschaftBurgau , welcher auchdas Grundeigenthumder meisten Güter imOrte zustand, die vonden Markgrafen anverschiedene Lehen-träger verliehen wur-den. Die bedeutend-sten derselben findenwir in Gliedern desweitverzweigten Ge-schlechtsvonRoth,aus
Ettenbeuren.
kapitel 14, die Markgrafschaft Burgau 3 Behausungen,alles übrige gehörte nach Wettenhausen .
Die Pfarrkirche unter dem Titel L. Llurias V.in oosIoL Lssumxtae liegt, vom Gottesacker umgeben,an der Westseite des Dorfes, hart an der Kammlach . Diefrühere Kirche war ein gothischer Bau. Am 1. Mai1672 Abends 8 Uhr stürzte der Thurm dieser Kirchezusammen, zerschmetterte den Chor, schlug einen Theil
des Langhauses ein und machte an Altären und Glocken
großen Schaden. Die Kirche wurde wieder hergestellt,
der Thurm von Grundaus neu aufgeführt.Die Vollendung desBaueS verzögerte sichjedoch bis zum Jahre1684. Vom altenBaue find noch dieChormauern mit 7gothischen Strebernübrig, das Langhauswurde im Jahre 1776verlängert, erhöht undausgeziert, wie es jetztnoch steht.
Unter dem gegen-wärtigen Pfarrer I.Ritter wurden großeVeränderungen vor-genommen. Im Jahre1892 bekam derThurm ein sehrschönes melodischesGeläute mit4Glocken,L, I'is, 2, her-gestellt von dem be-kannten MeisterHamm in Augsburg .In den Jahren 1893und 1894 wurde dieKirche sowohl außenals auch im Innerneiner gründlichen Re-stauration unterzogen,welche von HerrnArchitekten I. A.Müller in München sehr glücklich und herr-lich ausgeführt wurde,so daß die Kirche jetzteine der schönstenLandkirchen des Bis-
deren Händen Wet- Ongm-l-Aupahmk von Gustav «Lader, Photograph in «rumbach. IV-rviklsSMgui,g«rk>ht vorbehalten 1 Hums ist Der hiezu
tenhausen allmählichfast den ganzen Ort erwarb. Die von Roth bewohntenwahrscheinlich eine Burg in der Nähe von Ettenbeuren,die vielleicht bei der Belagerung Burgau's im Jahre1324 durch Ludwig den Bayer zerstört wurde, wenigstensist im Jahre 1339 nur mehr die Rede von einem Burg-stalle zu Ettenbeuren. Am 4. Juni 1437 gestatteteHerzog Friedrich (mit der leeren Tasche) dem KlosterWettenhausen auch das Dorfgericht zu Ettenbeuren,während er sein „Hochgericht und Herrlichkeit", von derMarkgrafschaft Burgau rührend, sich vorbehielt. Zur Zeitder Säkularisation 1803 besaß in Ettenbeuren das Dom-
erforderliche Kosten-aufwand betrug mehr als 35,000M., welcheSumme größten-theils aus dem Nachlaß eines verstorbenen Wohlthäters,dann aber auch durch große freiwillige Beiträge derPfarrangehörigen bis auf eine unbedeutende Restschuldaufgebracht wurde.
In die Pfarrei Ettenbeuren sind noch folgende Orteeingepfarrt: Egenhofen mit 109 Seelen, Goldbach (174S.),Hartberg (84 S.), Kleinbeuren (131 S.), Ried (205 S.),Unterrohr (193 S.), Retfertsweiler (50 S.) und Grün-höfe (21 S.), sodaß die ganze Pfarrei zusammen circa1442 Seelen umfaßt.