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einandergeschobene Reihe zu gewähren. Keine mensch-liche Wohnstätte, so weit das Auge reicht, nur Berge undThäler und Wald und Wiesen, bis endlich die gesegneteRhein -Ebene am fernen Horizont wieder erscheint.
Trotz des zweistündigen Marsches däucht es uns fastzu früh, als der Pfad sich langsam abwärts wendet, dasheitere Rauschen eines Baches an unser Ohr schlägt unddie Trümmer des Klosters Allerheiligen mit ihremwirksamen Tannen-Htutergrund vor uns aufsteigen.
(Schluß folgt.)
-«-SNWS—--
A L S e s? L e r.
Eine „Brüsewitz "-Erinnerung. ES war imAnfang der vierziger Jahre, als in dem sogen. Club-lokal des hannöverschen Fleckens N. a. d. O., wo all-abendlich die Honoratioren des OrteS, Civilisten wieOffiziere, sich zum L'Hombre- und Whistspiel zusammenzu finden pflegten, zwischen dem Dr. weä. G. und demLieutenant v. d. D. ein Wortwechsel entstand, der vonbeiden Seiten zu heftigen Aeußerungen führte, in Folgederen der Offizier sich gemäßigt hielt, den Doktor auf Pistolenzu fordern. Allein Dr. G. verweigerte das Duell ein-mal aus dem Grunde, weil er Familienvater sei, erseine Aeußerungen auch nicht für so beleidigend hielt, daßdarauf ein Duell verlangt werden könne, andererseitsweil er bei einem unglücklichen Ausgang gerade dieserArt von Duell, d. h. im Falle der Tödtung seines Gegners,dem Gesetz gegenüber eine schlimme Stellung hätte. Nacheinem hannöverschen Militär-Strafgesetz erlitt nämlich einOffizier bei einem Duell, welches daS Offizierskorps,als jedesmal vorher darüber entscheidendes Ehrengericht,für seine StandeSehre nothwendig erkannt hatte, sobalder in einem solchen seinen Gegner tödtete, nachherdurchaus gar keine Strafe, wogegen der Civilist,der seinen Gegner im Duell tödtete, nach dem hannö-verschen Civilstrafgesetz eine Gefängniß st rase vonvier bis fünf Jahren zu erwarten hatte. Ausdiesen Gründen verweigerte G. das Pistolenduell, auchgegen eines Tags darauf nochmals zu ihm entsandtenCartellträger des Offiziers. WaS geschah s Einige Tagespäter trat eines Morgens früh der Lieutenant v. d. D.,begleitet von zweien seiner Dragoner, unangemeldet beidem in seinem Studirzimmer sich allein befindenden G.ein und fragte denselben in entschiedenem Tone, ob ersich zu dem verlangten Pistolenduell bereit erklären wolle.G. verweigerte auch jetzt auS denselben Gründen wiefrüher das Duell. „Nun, so greift und haltet mir denKerl!" rief der wüthende Lieutenant v. d. D. Es ge-schah, und der Offizier schlug nun auf den dergestaltwehrlosen Arzt mit seiner Hetzpeitsche in brutalster Weise.Nachdem er so eine, wie er meinte, ihm gebührendeSatisfaktion sich verschafft, verließ der Offizier mit seinenBegleitern den Gemißhandelten und dessen Haus. Selbst-verständlich erhob Dr. G., nachdem er einigermaßen vonden Folgen dieses gemeinen Ueberfalls sich erholt hatte,Klage bei dem zuständigen Militärgericht. Die Familiev. d. D. war die bedeutendste Adelsfamilte des hannöverschenLandes; die Anverwandten des Lieutenants v. d. D.hofften deshalb auch mit Zuversicht, daß der König einvielleicht sehr strenges Urtheil des Militärgerichts durchStrasumwandlnng mildern werde. Allein sie hatten sichsehr getauscht, alle ihre Bemühungen halfen nichts.König Ernst August von Hannover wollte hier
„ein- für allemal ein Exempel staiuirt sehen, daß seineOffiziere und Militärs sich keine Vergewaltigungen imDünkel von Standesbevorrechtungen herausnehmen" sollten.Der Dragoner-Lieutenant wurde wegen seiner an demDr. G. in besagter Weise verübten Mißhandlung nichtnur als Offizier „infam kassirt", sondern er wurdeauch „seines Adels verlustig" erklärt. In un-erbittlicher Strenge mußte dieses Urtheil nach des KönigsWillen vollzogen werden. Der Lieutenant v. d. D. gingspäter nach Texas und ist dort verschollen.
Kimmeisschau im Monat Januar.
—X. Merkur 8 erreicht am 6. seine größte öst-liche Entfernung von der Sonne und ist am Abendhimmelkurze Zeit im Steinbocke zu sehen, da er etwa D/x Stdn.nach der Sonne untergeht.
Venus - im Wassermann ist Heller Abendstern,geht gegen 3 U. nachm. auf und zwischen 7^ und 9 U.abds. unter. Am 31. durchschneidet sie die Erdbahn.
Mars F anfangs im Stier steht 9 U. abds. hochim S. und geht zwischen 7U. u. 5U. früh in NW. unter.
Jupiter sz rückläufig im Löwen geht gegen 9 U.abds. in O. als sehr Helles Gestirn auf und scheint bisTagesanbruch am Himmel.
Saturn H geht von der Wage zum Skorpion underhebt sich um 4U. mgs. über den südöstlichen Horizont.Er zeigt sich bis Tagesanbruch rechts von Antares undsteht um 8 U. mgS. niedrig im S.
Sternschnuppen fallen am 2. u. 3. in langen Bahnenmit oem Radianten im Herkules am Nordwest-Himmel.
In der Nähe des Mondes befinden sich am 4. und31. Merkur; am 6. Venus; am 14. Mars; am 21.Jupiter; am 27. Saturn.
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Der KßrijMurlr.
Mäuschenstill die Kleinen lauschenAuf das Christkind hosfnungSbang,
EngelSflügcl sie umranschcn,
WeihnachtSwehcn wochenlang.
Um der Gaben zu gedenken,
Die daS Christkind uns gebracht.
Schmückt die Liebe mit GeschenkenEinen Baum zur Christesnacht.
Denn vom Baume kam die Sünde,
Und am Baum ward uns das LebenDon dcm holden WeihnachtSkmdeAllen einst zurückgegeben.
Willst auch du ein Kind beschenkenUnd ihm einen Christbaum schmücken,
Dann vergiß nicht, zu bedenken:
Nur die Liebe kann beglücken.
Liebs muß den Christbaum schmückenUnd beleuchten ihn der Glaube,
Sonst ist'ö nur ein kalt' Entzücken,
Rasch verweht, wie Staub im Staube.
Ach, wie ist er rasch entschwunden,
Uns'rer KIftdheit WeihnachtötraumlKreuzcsbalkcu, dorimmwunden,
Wurden aus dcm WeihnachtSbaum.
Könnten wir doch wieder lausche»
Auf das Christkind, wie ein Kind,
Hörten wir doch wieder rauschenEngelsflügel weich und lind!
M. Gerhauser.
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