Ausgabe 
(1.5.1896) 18
 
Einzelbild herunterladen

143

Morawsky S., Echo der russischen Umgangssprache, mit

Specialwörterbuch von H. Sack. 8°. 120 -tz- 72 SS.

Leipzig, Rud. Giegler. M. 3,60.

Noch haben wir die Zeit nicht ganz überwunden, daman geneigt ist, einen Jeden, der Russisch studirt, mit theil-nehmendem Achselzucken als Sonderling zu betrachten. Jaselbstgebildet" sein wollende Leute sind vielfach so unver-ständig. die russische Sprache für das rohe Idiom eines halbbarbarischen Volkes zu halten, nicht werth Zeit und Mühedarauf zu verschwenden. Das ist ein großer Irrthum. Istschon die Literatur dieses Volkes weit reicher, alö mancher west-europäische Hochträber nur ahnt, so zeigt besonders die Spracheeinen edlen, krystallenen Bau und einen Formenreichtbum, dersich getrost neben den klassischen und germanischen Sprachensehen lassen kann, abgesehen davon, daß das Studium desRussischen auch von Tag zu Tag an praktischer Bedeutung ge-winnt. Sind die Elemente der Grammatik, etwa nach demvortrefflichen Lehrbuch von Moser (Hannover . Habn, M. 5,50mit Schlüssel) überwunden, so eignet sich zur Einführung in dieUmgangssprache kaum ein anderes HilsSmittel besser, als obigesEcho", daS eine Reihe von wirklich dem Leben entnommenenGesprächen in zusammenhängender Unterhaltung bietet. DerText ist mit Acccntzeichcn versehen, was bei der schwierigen,beweglichen Betonung im Russischen für Anfänger absolut noth-wendig ist, aber in vielen Büchern (z. B. in dem dickleibigenConversationsbuch von Fuchs-Stuttgart, Reff) unbegreiflicherWeise vernachlässigt wird. Gieglers Echo-Ausgaben ziehen wirallen ähnlichen Arbeiten vor, da sie durch den Mangel einernebenstehenden Uebcrsetzung den Schüler zur Selbstthätigkeitzwingen und ihm doch durch das genaue Wörterbuch alleetwaigen Schwierigkeiten lösen. Allen Sprachbcflissenen em-pfehlen wir also dieses russischeEcho" ebenso nachdrücklich, wiedie früher erschienenen, darunter besonders das neugriechische,spanische, italienische und französische. Die Ausstattung ist sehrsauber und der Preis nicht zu hoch.

Unterweisungen über die christliche Verkommen-heit. Von ?. Bürger. Priester der Gesellschaft Jesu .Freibnrg, Herder. Ungcb. 4 M. 60 Ps., geb. 6 M.

I-. An aScetischen Schriften, Büchern, wie Traktätlein vonminderer Qualität ist unsere Zeit wahrhaftig nicht arm; umso freudiger begrüßen wir ein Werk, wie vorgenanntes, das aufeiner gesunden Dogmatik süßt. Eine AScetik, der nicht daSchristliche Dogma zu Grunde gelegt ist, hat keine Bedeutung.Verfasser schließt sich wohl in seiner Darstellung der christlichenVollkommenbeir au die Lebre des hl. Thomas an; aber er be-folgt auch dabei die Unterweisungen sind hervorgegangen ausVerträgen, die er bei verschiedenen Gelegenheiten hielt dasWort des göttlichen Heilands, daß jeder Lehrer einem Hans-vater gleichen soll, der aus seinem Schatze altes und neueshervorbringt. (Matth. 13,52.) Nach der Darstellung des über-natürlichen Lebens und seiner Vollkommenheit in der Weltwie im Ordensstande werden die beiden Grundbedingungen undHauptmittel für die christliche Vollkommenheit, Gnade undWille einerseits, Gebet und Selbstverleugnung andererseits, be-handelt, und hieran reibt sich der Unterricht über die göttlichenTugenden und die sogenannten Kardinaltugenden. Die Früchtedes Strebens nach Vollkommenheit, Gerechtigkeit, Friede, Freude,bilden den Schluß der Unterweisungen. Wir zweifeln nicht, daßdaS Werk gar manchen Priestern und Ordensleutcn, welchendie Leitung geistlicher Personen obliegt, sehr willkommensein wird. _

Das soeben erschienene Maiheft vonAlte und NeueWelt" beginnt einen neuen in England spielenden Original-NsomanAls die Rosen wieder blühten" von der bestbekanntenSchriftstellerin Josephiue Flach; enthält eine ausgezeichnete No-velleLetzte Bilanz" von Ad. Jos. Küppers, dem Dichter derEdeltrude"; eine reizende ErzählungOberon u. Titania"von Fr. v. Minra; und eine ergreifende kleine novellistischeSkizzeAbendläuten" von A. Wcnk. Der unterhaltendeTheil ist also so reich und dabei so gediegen, wie es der an-spruchsvollste Leser nicht besser wünschen mag. An Studienund Schilderungen begegnen wir einem Aufsatz überDaSMahdireich im Sudan . Seine Entstehung und sein Fort-bestand," von Karl Muth ; einer in den Kreisen der Vogel-freunde sicher gut aufgenommenen Abhandlung über die Ab-lichtung der Stubcnvögel von Walter Kleeberg; und einem mitOrtginal-Tuschzeichnungen geschmückten Aufsatz über das kaiser-liche Lustschloß Schönbrunn von E. v. Dombrowski. Demherrlichen Bildniß der edlen Vittoria Colouna von demfranzösischen Maler Lefövre ist ein Charakterbild der Freundin

Michelangelos von Ncdeatis beigegeben. Dein neuerwähltenStistsabte von Maria Einsiedeln, ?. Kolumban Brugger,0. 8. v., widmet k. Raymuud Netzhammer einen biographischenArtikel, der von dem wissenschaftlichen Streben unserer Ordens-leute lautes Zeugniß gibt und speciell in der Person des neuenAbtes uns mit einer Mönchsgestalt des ausgehenden Jahr-hunderts bekannt macht, der gegenüber das dumme Geschwätzunserer Gegner von derscholastischen Nückständigkeit" derwissenschaftlichen Bestrebungen der Ordenöleute wie wesenloserRauch aufgeht. Kurz dies Machest, in dem selbstverständlichzur Freude jedes katholischen Herzens auch der Maieuköuiginin Wort und Bild der schuldige Tribut gezollt wird, bietetwiederum eine Fülle sittenreiner Unterhaltung, gediegener Be-lehrung und wirklicher Erbauung, so daß wir nur wünschenmögen, jeder christliche, für das Wohl seiner ihm anvertrautenFamilienglieder bedachte Vater würde die kleine monatlicheAusgabe von 50 Pfg. (25 Kreuzern, 60 Cts.) nicht scheuen unddie stattlichen Hefte zur Familienlektüre halten.

Die Kunst aus unsern Fehlern Nutzen zu ziehen.Nach dem heil. Franz von Sales . Von I?. JosephTissot, Gencraloberer der Missionäre vom heil. Franzv. Sales. Mit vielen Empfehlungen kirchlicher Würden-träger. Mainz . Kirchheim, 1896. 8. (XV u. 18? S.)M. 1,-. geb. M. 1,50.

k. Tissot , der Verfasser dieses Büchleins, hat sich treulichan die Lehren des unvergleichlichen ascetischcu Führers, des hl.Franz v. Sales gehalten. Der Verfasser lenkt die Aufmerksam-keit hin auf einen höchst wichtigen und leider allzuwcnig be-achteten Punkt des christlichen Lebens. Wer nach einem be-gangenen Fehler nur einige Zeilen dieses WerkchenS betrachtet,der findet darin mit Gottes Gnade eine Stütze, sich wiederzu erheben. _

Archiv für christliche Kunst. Jahrg. 1896,'Nr. 14.

Dctzel, Die alten Wandgemälde im Chöre der Pfarrkirchezu Ehestesten. Frühgoihischer Bildercyklus aus oem LebenMariens und der Passion Christi. Schön Th., Zur Ban-geschichte der Karthause Güterstein.Bach M., Ueber Künstler-inschriften an Altarwerken. Hält gegenüber BuSl die Existenzeines Bildhauers Schramm für uuerwiesen und die Inschrift,auf welche sich die gcgcntheilige Ansicht stützt, für apokryph ,weil sie gegen die spatmitlelaltcrlichc Sitte die Namen zweierverschiedener Künstler (eines Bildschnitzers und eines Malers)mittheile. Nueß. Die Baugeschichte der Klosterkirche vonSchusscnried. Romanische Anlage, gothische Zubauten, Aus-schmückung in Rokoko durch Joh. Zick, Hofmaler in München ,1745. Pfeiffer Dr. B ein berühmter Niederländer inWürttemberg. Die von Caspar de Crayer genialten Altarbilderzu Wolfegg, Uutercsscndorf und Amberg (i. d. Oberpfalz ) sindzurückzuführen auf Bestellung durch Max Willib. Truchseß vonWalbburg und seine Gemahlin, eine geborne von Arenberg,deren Haus in Brüssel rcsidirte. Die neue Kirche inLauterbach. Ein dreischiffigcr romanischer Bau mit Raumfür 2500 Personen; Kosten 109.000 M. Die kirchliche Kunstin ihren Beziehungen zum geistlichen Schauspiel. Beachtcns-werthe Besprechung über vr. P. Webers bekannte Studie:Geistliches Schauspiel und kirchliche Kunst in ihrem Verhältnißerläutert au einer Ikonographie der Kirche und Synagoge.Bach M., Mittelalterliche Holzskulpturcn anö Oberschwaben imbayerischen Nationalmuseum. Besprechung von drei gothischenFiguren. _

6 aoremoniale für Priester, Leviten u. Ministrantenzu den gewöhnlichen liturgischen Diensten von vr. Andr.Schmid, Direktor des Gcorgianums in München , o. ö.Uuiversitätsprosessor, erzbischöfl. geistl. Rath. Kempte»,Kösel 1896.

V. Schon vor vielen Jahren ließ der Verfasser für seineAlumnen ein autographirtes Büchlein erscheinen, welches dieDienste der wiuistri saeri ziemlich eingehend behandelt. Hierhaben wir nun dieses bescheidene Schristchen bedeutend erweitertund mit Illustrationen versehen vor uns. Schon der Namedes Verfassers bürgt dafür, daß wir mit diesem Buche einenverlässigcn Wegweiser im bl. Dienste am Altare erhalten, derjedem jüngeren und älteren Priester aufS Wärmste empfohlenwerden kann. Abgesehen von der Genauigkeit, mit welcher dieRubriken der hl. Kirche dargestellt werden, gibt der Veiiassersoviele praktische Winke, selbst für scheinbar unbedeutende Dinge(z. B. x. 240), daß jeder Liturge ihm nur dankbar sein kann.Auffallend finden wir, daß der Verfasser das Tragen desBirrets bei Exorcismen als unstatthaft hinstellt, während doch