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Gesellschaft Jesu mit Koth beweisen, den Klosterzcdanken undseine Vertreter frivol verhöhnen, die Wcltpricstcr als sittlichVerkommene brandmarken. Und während er solche stetige Ver-letzung der Elementar-Negeln deö WohlanstandeS, der Sitte undder Schamhaitigkcit aufdeckt, bewahrt der edel- und feinsinnigeVerfasser stets die ihm eigene vornehme Objectivitäk, kennzeichneter unentwegt den hohen sittlichen Standpunkt, von dem anöjeder, der Gott , die hl. Kirche und die Bruder liebt, dem Irr-thum Einhalt gebieten soll, je nach den ihm verliehenen Gaben.
Dreimal hoch die Eisenbahn! Eine Erzählung für diereifere Jugend und das Volk von Florian Wengeu-mayr. Katholische Jugcndbibliothek. 11. Vändche».Kempten , Kösel 1886.
c. Der durch seine Erzählungen für die Jugend und dasVolk bereits in weiteren Kreisen bekannte Verfasser beschenktuns in vorliegender Schrift mit einem neuen Produkte seinerfruchtbaren Muse. Er stellt sich in der Vorrede alö ein großerFreund des Reifens vor, der der Eisenbahn und allen, die zumsicheren und schnellen Betrieb derselben mitwirken, großen Dankschulde. In der Erzählung selbst schildert er das Leben, Sorgenund Mühen eines pflichttreuen, kernbraven Bahnwärters, dersich mit seinem fleißigen Weibe und seinen zahlreichen Kindernrecht und schlecht durchkämpft und schließlich das Opfer seinesDiensteifers wird. in liebender Hingabe sür den Sohn seinesVorgesetzten, des Expeditorö, dessen zänkische, neiderfüllte Frauihm wie ihrem Manne schon sovicle bittere Stunden bereitethat. Obwohl durch den frühen Verlust des Gatten und Vatersaufs schmerzlichste heimgesucht, arbeitet sich die wackere Wittwemit ihrer Familie dennoch durch, ihr Nettester ist als Technikerbeim Bau der Gotthardbahn angestellt, was dem Verfasser Ge-legenheit gibt, nnS in anschaulicher Weise mit dem Betriebe einesso gewaltigen Unternehmens bekannt zu machen. Die Erzählungist in warmem Tone gehalten, und ihr Grundgedanke: wer ge-wissenhaft das Seine thut, den wird Gott nicht verlassen, kannnamentlich in unseren Tagen nur aufmunternd und scgcnstistendauf Volk und Jugend wirken.
Krick L. H., Handbuch der Verwaltung des kathol.Pfarramtes i. e. S.. mit Rücksicht aus die im König-reiche Bayern geltenden kirchlichen und staatlichen Be-stimmungen. Passau , N. Abt 1895. 735 S.i>. Die beste Empfehlung, die diesem Werke mit auf denWeg gegeben werden kann, ist wohl die, daß man in Wahrheitvon ihm sagen kann: eS ist aus der Praxis sür die Praxis ge-schrieben. Wenn der Herr Verfasser in der Vorrede die Hoff-nung anSspricht, daß er seinen Herren AmtSbrüdern, besondersden jüngern, durch Herausgabe eines solchen Handbuches einenerwünschten Dienst leisten werde, so sind wir überzeugt, daßsich dieselbe vollauf erfüllen und das Buch den Herren Seel-sorgern bald ein geradezu unentbehrlicher Berather gewordensein wird für alle jene pfarrnmtlichcn Geschäfte, welche eineschriftliche und akienmäßige Behandlung erfordern. VorliegendesWerk macht uns in seinem ersten Theile mit der formellen Be-handlung der pfarramtlichen Geschäfte vertraur, den: GeschäftS-siil, den verschiedenen Arten der amtlichen Geschäftsaufsätze, derForm des Geschäftsverkehrs mit den verschiedenen Behörden,Behandlung der Akten, Post-, Telegraphen- und Gebühren-ordnung, sodann mit den vorzüglichsten Rechtsgeschäften, denVcrwaltungS- und VcrwaltungSrechtssachcn, der hypothekarischenSicherung der Forderungen, Verfolgung privatrechtlicher Forder-ungen, Amortisation verlorener Wcrtbpapicre. Der zweite Theilist der materiellen Behandlung der pfarramtlichen Geschäfte ge-widmet und bespricht u. a. die Handhabung der Kirchenzucktund -Polizei, Verwaltung des Gottesdienstes, Lehramtes,Spendunz der hl. Sakramente, wobei insbesondere die religiöseKindererziehung zu eingehender Darstellung kommt. TrefflicheDienste dürfte der dritte Theil namentlich der jüngeren Geist-lichkeit leisten durch die reichhaltige Sammlung von Formularienund Mustern für den schriftlichen Verkehr in allen nur erdenk-lichen amtlichen und Rechtsgeschäften. Ein sorgfältig gearbeitetesRegister erleichtert den praktischen Gebrauch des dankenswerthcnBuchcS.
1. Notizen zur Geschichte von Eberfing . 16 Seiten.2. Der Weiler Dictclhofcn. 21 S. 3. Altcr-tbnmliches von Oderding . 12 Seiten. 4. St.Jörgen und St. IaiS am Peißcnbcrg. 11 S.5. Das Kirchlein in Graslä. 10 S.
6r. So lauten die Titel der 5 historischen Abhandlungen,tyslche mit Ausnahme von Nr. 2 im Jahre 1885 im Weilhcimcr
Tagblatt erschienen und nun hübsch brofchirt in Separatabzügenvorliegen. Sie haben sämmtliche den bochw. Herrn gcistl. RathSchmidtner in Weilheim zum Verfasser und damit auch An-spruch auf historischen Werth. Geradezu stauncuSwerth ist derFleiß deö um die Geschichte des Kapitels Weilheim so hoch ver-dienten Jubilarpricsters, der, hochbctagt und in erster LinieSeelsorger, jedes Jahr nnS mit einer Anzahl neuer Studienerfreut. ES wäre gewiß nur eine Ehrenschuld, wenn der mitdem Ehrenkreuz geschmückte Herr Verfasser zur Anerkennungseiner großen Verdienste um die vaterländische Geschichte zumvootor I,. o. promovirt würde. Freilich mag er unbekannt seinin der hohen Gelehrtenwclt, da er seine Studien nur im Weil-hcimer Tagblatte und nicht in wissenschaftlichen Zeitschriftenveröffentlichte. Und doch beruht die ganze Geschichtswissenschaftauf lokalgcschichtlichcn Arbeiten, wie der stolze Palast aus ein-zelnen Ziegelsteinen besteht.
Martin Greifs Gesammelte Werke. II. Bd.: DramenErster Theil. Leipzig , C. F. Amclangs Verlag.
Wir haben bereits dem ersten Band dieser trefflichen Gc-sammtansgabe das Zeugniß mitgegeben, daö unser Empfindendem großen nationalen Dichter ausstellt. Nun löst den voll-werthigen Lyriker Greif der vollwcrthige Dramatiker,zunächst mit seinem älteren Schaffen, mit den DramenCcrsiz Ulseldt, Nero, Marine» Falieri, Prinz Eugen,Franccsca da Nimini und Liebe über Altes, ab, diealle auch in der billigen Lieferungsausgabe zu be-ziehen find. Es wäre die Pflicht unserer deutschen Bühnen,eine Ehrenpflicht vorab der bayerischen, einem so lange ver-kannten edlen Dichter wie Martin Greif endlich ausgiebigeGenugthuung zu gewahren; das ist die einzige entsprechendeKritik von Dramen, die tief im Menschheitswcscn schöpfen unddie Probe auf ihre Wirksamkeit zum Theil schon glänzendbestanden habe». Greif erweist sich auch in den Dramen stets alseinen Dichter, der auf dem Boden christlicher Weltanschauungsteht: sein gewaltiger „Nero", auch geschichtlich und archäologischbetrachtet ein Meisterwerk, endigt aus in den begeisterten undbegeisternden Glauben: „Erbarme Gott sich Dein: die Liebeherrscht!" Wir freuen nnS auf den dritten Band, der dienationalen Dramen bringen wird.
Dr. 6. L. ÜI.
Tbumb Alb.. Handbuch der neugriechischen Volkssprache:
Grammatik, Texte, Glossar. 8". XVI-s-2-40 SS.
Straßburg, K. I. Trübncr 1895. M. 6.00.ll. An neugriechischen Grammatiken ist kein Mangel; meistaber behandeln sie nur die Litcratursprache, welche mit der alt-griechischen fast zusammenfällt, und wenn die Volkssprache Be-rücksichtigung findet, geschieht eö nicht in sclbststäudigcr Weise,sondern nur nebenbei als Anhang oder in dürftigen Bemerk-ungen. Beide Sprachgestalkcn gleichmäßig zu behandeln ist nocham besten dein Buche von Miiiotakis, sowie der neuesten Gram-matik von PetrariS (Heidelberg , Groos) gelungen. Für den-jenigen, der nur ein biScbcn Sprachsinn hat, ist es meist un-erträglich. die unbeholfenen Redewendungen, die geschwätzige Un-zulänglichkeit der philologisch ungeschickten Verfasser von soge-nannten „praktischen" Grammatiken zu kosten. Da ist ThumbsBuch eine wahre Wohlthat. Er hat zum ersten Mal die neu-griechische Volkssprache systematisch und wissenschaftlich zu sclbst-ständigcr Darstellung gebracht, also von der künstlichen Literatur-sprache losgetrennt und in ihrer eigenen Beleuchtung, nack ihreneigenen Gesetzen betrachtet und das ist eine höchst VerdienstreicheThat. Vieles, waß man da und dort in Lehrbüchern zerstreutund am unrechten Platze lesen kann, hat der Verfasser wohl-geordnet zusammengestellt. Daö ganze Buch durchzieht der Ge-danke, gleichartige Spracherschcinungcn in Gcsammtrcgeln zu-sammenzubringen und die Ucbersichtlichkeit, die dadurch entsteht,sticht überaus vorthcilhaft ab von der Zerfahrenheit der „prak-tischen" Lehrbücher, die meist darin eine große Virtuosität be-sitzen, Zusammengehöriges auseinander zu reißen. ThumbS Lehr-buch darf sich der Beachtung jedes denkenden Sprachbcflissenenversichert halten. Dem theoretischen Theile folgt eine reichhaltigeAuswahl aus der griechischen Nolkslitcratur und ein genauesWörterverzeichnis;. Die Ausstattung ist ganz vorzüglich. Wennder Sinn für solide, philologische Behandlung der Grammatikgleichen Schritt hält mit dem Interesse, das man gegenwärtigdem Gricchenvolk und seiner Sprache entgegenbringt, dann wirddem vorzüglichen, in seiner Art einzigen Lehrbuch von Thnmbbald eine neue Auslage nöthig werden. Wir zweifeln nicht, daßJedem, der dies Buch durchstudirt, derselbe freudige Genuß er-wächst, den uuö die Durchsicht dieses ausgezeichneten Werkesgewährte.