Ausgabe 
(1.5.1896) 18
 
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päpstlichen Seminarien Geltung besitzen, auch die Nationak-eigenthümlichkeiten der verschiedenen Völker gebührend berück-sichtigen.

Außerdem wurde für die Collegien verordnet, daßdie Zöglinge fleißig zum Gebet angehalten und auf größt-mögliche Einigkeit unter den Angehörigen der einzelnenStämme hingewirkt werden solle, daß sich dieselben inLiebeswerken, Krankenbesuch rc., übten. Ihr Bett sollteeine Strohmatratze bilden, die Kost einfach sein.

Die ökonomische Stellung des Braunsberger Seminarsverbesserte sich nachmals durch eine bedeutende Schankung,da Königin Katharina von Schweden (j-1583) der Lehr-anstalt 10,600 Thaler testamentarisch überwies. Mankaufte für diese Summe Güter in Preußen an, welchejährlich 900 fl. abwarfen. In der Folge wurden hievonmehrere schwedische Studenten unterhalten, (k'and,viss.äs stuäiosis Lveois in söwiuariis llesulturum versusstirem seouli XVI, xag. 2; vergl. Theiner a. a. O.II, S. 19 ff.)

Bezüglich des in Braunsberg eingehaltenen Lehr-ganges kann man sich aus der bei V/ervinZXouungLiZismunä ooli Louung 6ar1 IX. äes Historien" II,S. 191 f. aufgenommenen eigenhändig verfaßten Schil-derung des Johannes Messenius über seine Studien inBraunsberg belehren, wo er im Oktober 1595 als16 jähriger Jüngling Aufnahme fand, nachdem er zuvorin der Heimath sich entsprechend vorbereitet hatte. NachAblauf von sieben Wochen übersiedelte er bereits an daskgl. Seminar, dessen erste Klasse wie in anderen Jssuiten-schulen hierKuäimeutum" hieß. Alljährlich um Michaeliserfolgte Vorrücken in die höheren Klassen: Ornmmatioa,Lzuitnxis, koösis, bis er 1599 in die Rhetorik avancirte.Dort verbrachte er zwei Jahre und begann dann mit demStudium der Philosophie.

Außer den speciell für Nordländer bestimmten ka-tholischen Seminarien zu Braunsberg und Olmütz wurdeauch das 1569 in Wilna gegründete Jesuitencolleg vonmehreren Schweden und Finnen besucht.

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Nach dieser Auseinandersetzung über Entstehung undOrganisation der fraglichen Lehranstalten wollen wir aufGrund der im schwedischen Neichsarchive wie in derUniversitätsbibliothek Upsala vorhandenen Quellen überdie Finnen berichten, welche zeitweilig Jesnitencollegienangehörten.

Einen werthvollen Behelf für diese Schilderungbildeten die von weiland Lektor vr. L. 6. ^.Isthmst demNeichsarchiv überlassenen Notizen und Abschriften mit demTitel:Nancliingai' röruiräs äsn lcatolstca, nensttioireui LvoriZs nnäor llolmmr III.s reger-lir»-." Ein be-trächtlicher Theil dieser Notizen sind übrigens aus Druckenund Handschriften der Bibliothek Upsala entnommen, auwelche König Gustav II. Adolf die ganze Bibliothek deskatholischen Kollegiums in Braunsberg schenkte, als er1626 die Stadt einnahm und die Jesuiten vertrieb.Unter dieser Bücherei verdienen die Matrikeln überBraunsberger Studierende besondere Aufmerksamkeit.

Als zweite Hauptquelle erwies sich das in veuJahren 1838/39 von Augustin Theiner herausgegebene,wiederholt angezogene Werk:Schweden und seineStellung zum heil. Stuhl unter Johann III. , Sigis-mund III. und Karl IX. "

(Fortsetzung folgt.)

') S. über ihn Schück, -Lvensk Interatm-Ilistoria« I.S. 422 ff. u. a. a. O.

Prähistorisches aus Schwaben.

-ö- Der historische Verein für Schwaben nndNeuburg hat jüngst ein sehr wcrtbvolles Stück seinen Samm-lungen einverleibt, nämlich ein vollständig erhaltenes Bronze-schwert von 75 am Länge mit gegossenem Griffe und breiter,wulstartiger Klingenrippe, aufgefunden im Februar 1895 beiStcckheim in der Wertach von Bürgermeister Schöner in Stock-heim. Es scheint nicht zweifelhaft zu sein, daß dieses SchwertauS einem der Grabhügel stamme, welche sich in großer Zahlzu beiden Seiten der Wertach von Pforzen abwärts hinziehen.Da jedoch diese Gruppen von Hügelgräbern noch nicht systematischdurchforscht und daher hinsichtlich der Zeit ihrer Anlage der-malen nicht bestimmbar sind, so ist man bei Beurtheilung desbeiläufigen Alters dieses Schwertes lediglich aus die Formendesselben angewiesen. Diese Formen nun sind so charakteristisch,daß sich das Schwert sofort als Vertreter jenes in Süddeutsch-land, besonders in Bayern relativ häufig nachweisbaren Typuszu erkennen gibt, welchen der bekannte Prähistoriker Dr. Jul.Nane in München alö Typus L bezeichnet. In der Gestaltungdes Griffes und der Klinge nnd selbst in den Ornamenten zeigtdas Stcckheimer Schwert die größte Ähnlichkeit mit den vonNane in St. Andrä und am Nicgsee (Oberbayer») gefundenenund in dem WerkeDie Bronzezeit in Oberbaycrn" S. 9294und Tafel XV eingehend beschriebenen nnd im Detail abge-bildeten Schwertern. Da nun die beiden cbcngenanntcilSchwerter aus Gräbern erhoben wurden, welche sich durchihren übrigen Inhalt als dem Ende der jüngeren Bronzezeitangehörig erwiesen, so ist damit auch für den Stockheimer Fundeine beiläufige Zeltgrenze gegeben, unter welche er nicht herab-gerückt werden darf, nämlich die zweite Periode der jüngerenBronzezeit, welche nach Naue's Berechnung um 1050-900 oder950 vor Christus anzusetzen ist. In den Sammlungen deshistorischen Vereins für Schwaben und Neuburg war die fürBayern typische Form des BronzeschwcrtcS bisher nur durchein bei Gablingen gefundenes Bruchstück vertreten. Mit leb-hafter Freude und Dankbarkeit wurde es daher von Seite deSVereins aufgenommen, daß eine hohe Ministerialentschlicßungvom 1. März d. I. die Ucberlassnng deS Stockheimer FundcSan den Verein genehmigte. Um den ansehnlichen, aus Grundfachmännischer Schätzung festgestellten Preis von 509 Markkaufte nun der Verein das Schwert vom Finder für dieprähistorische Sammlung, deren hervorragende Zierde es jetztbildet.

Recensionen und Notizen.

Consessionelle Brunnen Vergiftung. Die wahreSchmach des Jahrhunderts- Von HeinrichKciter, Redacteur des Hausschatzes. Ncgcnsburg undLeipzig , Verlag von Heiur. Keitcr. Preis M. 1,20.

III. Der originelle Titel dieses in seiner Art wohl einzigdastehenden Buches deckt sich völlig mit dessen Inhalt; dieserselbst aber dürste epochemachend wirken, sallS er den weitenund allgemeinen Leserkreis findet, den er verdient. Der vondem rühmlich bekannten Autor inS Auge gefaßte und -- deinStoff gegenüber mit Heroismus durchgeführte Zweck ist einresormatorisch idealer: die in der scbönwissenschastlicheuLiteratur, diesem Haupikanal des geistigen VcrkehrSzcbictcs, vonprotestantischer und israelitischer Seite ausgekramten Begriffs-verwirrungen nnd Böswilligkeiten bcz. der kathol.Kirche festzunageln; die daselbst systematisch ins Werk gesetzteund als unter dem Deckmantel der Dichtung besonderseindrucksvolle con fessionclle Verhetzung bloßzulegcn; denbraven Katholiken vor Hypertoleranz. den ehrlichen Gegnervor ungerechtem Urtheil zu warnen; durch dies alles aberden confcssionellen Frieden, dieses hohe und heiligeGut, anzubahnen und zu wahren. AuS guten Gründen hatder Verfasser nur aus solchen Werken, die nach 1880 erschienensind, sein überwältigendes BeweiSmatcrial zusammengestellt;dieses aber gruppirt sich hauptsächlich um Namen allererstenRanges. In den sechs Kapiteln des BnchcS (1. Standpunktund Zweck; 2. Wesen und Geschichte der Kirche; 3. Papstthumund Papst, Cardinälc und Bischöfe; 4. Der Orden der Gesell-schaft Jesu ; 5. Mönche und Nonnen; 6. Die Seclforg-Gcistlich-kcit) beweist Keiter, wie die Hunderte protestantischer nndisraelitischer Tcndenzschriftstcstcr, denen nur der eine Konradvon Bolandcn gegenübersteht, aus Unwissenheit, Voreinge-nommenheit nnd Haß daS hehre Bild der katholischen Kircheverunglimpfen, die Geschichte verzerren, das Papstthum unddessen Träger nach den berühmten Mustern der Magdeburger Ceuturiatcren verdächtigen und verläumden, den Orden der