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rognanto — geführt glaubte, ihren Theil dazu beitragen,das Dasein des Vaterlandes zu sichern, das ihre Vor-fahren zu sehr geliebt haben?"
Es ist doch merkwürdig: bei der mit so großemPomp in Nizza vollzogenen Denkmalsenthülluug am4. März dieses Jahres sprach Präsident Faure dasgroße Wort gelassen aus: „Die Daten der französischen Geschichte sind die der Menschheit!" Glaubt man sichhier nicht in die Tage des „Sonnenkönigs" zurückversetzt?Und doch, welch ein Jammerbild in Wirklichkeit! JulesSimon hat, mit den Tröstungen der Religion gestärkt,„das Chaos" verlassen. Jedenfalls war er zu bessererEinsicht gekommen, als sein im November vorigen Jahresverstorbener Freund Barthölemy St.-Hilaire, der dasvage Princip vertheidigte: „Ich glaube an das Gute!"Möge man in Paris recht oft das Siegel der altenSorbonne beschauen, das ein vom Himmel auf die Erdeherabgereichtes Buch darstellt!
Z«r neuesten Calderon -Literatnr.*)
Von K. L.
Wie wir früher schon in diesen Blättern mittheilten,hat Herr Ghmuasialprofessor Konrad Pasch in Salzburg es sich zur Aufgabe gestellt, eine Reihe solcher Dramendes spanischen Dichterfürsten in's Deutsche zu übersetzen,welche bisher einer Uebertragung in unsere Sprache ent-behrten. Die ganze Collection wird sieben Bündchen mitje zwei Stücken umfassen. Im vorigen Jahre er-schienen das vierte und fünfte Bündchen mit zusammenvier Dramen.
Das erste derselben führt den Titel: Glaube Dunicht stets das Schlimmere! (dlo siowxra lo xsor eseisrto). Dem pessimistischen spanischen Sprichworts„Llomxro es vierto ei peor," „Immer ist dasSchlimmere sicher" stellt Calderon obigen vertrauens-vollen Gedanken entgegen. Dieses Drama wurde bereitszweimal in's Französische übersetzt, von Damas Hinard und von Latour, in's Englische von Digby, und noch beiLebzeiten Calderons kam es in einer Nachahmung vomLustspieldichter Scarron auf die französische Bühne. Eszeigt einige Verwandtschaft mit Calderons Navanus äsLbril ^ Llaxo (Morgen des April und Mai), doch stehtder sittliche Gehalt der Hauptpersonen in M siaruxrsu. s. w. höher. Die Handlung hat einen raschen Ver-lauf; nirgends Stillstand, nirgends unnöthige Unter-brechung. Das Stück stammt aus der besten Zeit desDichters; gedruckt wurde es zuerst im Jahre 1652.
Das nächste Drama: „Morgen kommt einanderer Tag" (lilaüana, sarg, otro äia), nennt derso strenge Beurtheiler der Calderon'schen Dichtungen,Moriz Napp, das zweitbeste Konversationsstück, *) und denSchluß desselben hält er geradezu für genial. Ebensorühmend urtheilt über dieses Stück ein anderer hervor-ragender, angesehener Calderonforscher, Valentin Schmidt ?)
*) Ausgewählte Schauspiele des Don Pedro Calderon bejla Barca. Zum ersten Mal aus dem Spanischen übersetzt undmit Erläuterungen versehen von Professor K. Pasch. Freiburg im Breisgau, 1895. Herder'sche Verlagshandlung. Viertes undfünftes Bündchen ü 1 M. 80 Pf. Beide Bündchen vereinigtals II. Band 3 M. 60 Pf. Gebunden in Leinwand mit Gold-pressung 5 M. 20 Pf.
Das erste ist anerkanntermaßen „Die Dame Kobold"(la äama cluouüo).
2 ) Schmidt, Friedr. Wilhelm Valentin , die SchauspieleCalderons u. s. w. Elbcrfeld, N. L. Friderichs, 1857. ImmerMch zu den besten Werken über Calderon gehörig.
Glanzstellen in diesem Drama sind der herrliche Monologdes zweiten Aktes, wo Beatriz ihrem gepreßten HerzenLuft macht:
V abora, gus mi kortuus.vs tau äoabooda, borrasea l ! .
Da nun nach so großem SturmeGlücklich ich erreicht den Hafen usw.
Ferner die Scene, in welcher Fernando das HauSder Beatriz betritt, sie ihn als Lebensretter und schließ-lich als Bräutigam erkennt. Endlich die herrlichen Gleich-nisse im dritten Akt, da Beatriz den Fernando über seinenIrrthum aufzuklären sucht. Es ist eine jener reizendenStellen, wie sie bei Calderon öfter vorkommen und seinegroße Kunst wie seine vortreffliche Beobachtung der Naturzeigen. Drei Gleichnisse, Naturbilder, werden in dreiDecimen uns vorgeführt. Die vierte Decime faßt zu-sammen. Zur Probe möge diese Stelle hier folgen:
Ist doch nichts so hell und klarAIS des Wassers holder Schein;
Dennoch täuscht die Fluth so reinIn dem feuchten Grund fürwahr!
Manches Beispiel beut sich dar;
Seht ein Ruder: wenn sicb's brichtIn der Woge klar und licht.
Wird entstellt cS durch die Welle.
Trügt nun der Krystall, der helle,
Sagt mir, was betrügt dann nicht?
Strahlt doch nichts in solchem SchimmerWie die Sonne klar nnd rein;
Dennoch täuscht ihr goldner Schein,Mns mit ihrem Funkeln immer:
Bald erscheint wie Schnee ihr Flimmer,
Bald wie Purpur, da ihr Licht/Sich in bunte Farben brichtiJn den Strahlen, die sie sendet.
Trügt der Lichtglanz, den sie spendet,
Sagt mir, was betrügt dann nicht?
Ist doch nichts so wohlbekannt,
Als der Himmel, der dort blaut:
Er ist nur ein GegenstandFür das Auge: niemand fand.
Daß die Farbe dem entspricht,
WaS dort schimmert blau und licht.
!Jst die Wahrheit da entstellt, --Und betrügt das Himmelszelt,
Sagt mir, was betrügt dann nicht?
Nun so seid auf Eurer Hut:
Und bevor Ihr glaubt die Kunde,
Dien' als Beispiel Euch zur Stunde:
Himmel, Sonne. Wasserfluth.
Drum prüft, ob auf Wahrheit ruhtDieser Anschein,- macht Euch PeinJetzt der trügerische Schein,
Wollet heute ihn verschmähen;
Denn um klarer es zu sehen,
Wird ein Tag auch morgen seilst
Die Abfassungszeit dieser Dichtung, welche sonst nochin keine andere Sprache übersetzt wurde, fällt in dasJahr 1634, wie man schließt aus der Erwähnung desTodes des Herzogs von Lerma.
Den Titel des dritten Dramas Ll aleaiäs ätsi naisrao übersetzt Herr Pasch: „Sein eigener Kerker-meister", nach dem Vorgänge des französischen Ueber-fetzers Damas Hinard (l/,o geolier äo soi-mains) unddes italienischen Uebersetzsrs Monti (I! oaraoriors c!i scstssso), wenn auch diese Uebersetzung nicht ganz zu-,treffend ist; denn alaa-icls, ein arabisches Wort, bedeute!eigentlich Festungscommandant, Kastellan oder BurgvogstAllerdings liegt auch einem solchen die Aufsicht ob überdie Staatsgefangenen. Der Inhalt des Stückes ließindessen keinen andern Titel zu, schon wegen der metrischenUebechtzung.^ Daß. das DrgUa seiner gaWN Ansage.