Ausgabe 
(7.8.1896) 32
 
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vereinzelt dastehen. Juristen, Medizinern und Philologenpolnischer Nationalität (Katholiken) wird es übrigens beider Jrnmatrikulation an der Warschauer Universität neuer-dings regelmäßig mitgetheilt, daß sie niemals auf einestaatliche Anstellung innerhalb der polnischen Gouverne-ments zu rechnen haben. Neflektiren sie nach Absolvirungihrer Studien auf derartige Posten, so können ihnendiese nur im Innern oder im Osten Rußlands ver-liehen werden.

An den russischen Hochschulen gibt es keine Semester,sondern nur Jahreskurse, wofür in allen Fakultäten undan allen Universitäten je 100 Rubel Collegiengelder zuzahlen sind. Für die Immatrikulation hat man nur25 Kopeken (52 Pf.) zu entrichten. Juristen, Philologen,Mathematiker und Naturwissenschaftler haben je vierJahreskurse zu absolviren, also vier Jahre zu studiren.Mediziner jedoch müssen 5*/z Jahre studiren. Bei Schlußjedes Jnhreskurscs finden Prüfungen statt. Länger alszwei Jahre wird kein Student in einem Kurse geduldet.Hat er die Prüfung bei Jahresschluß dann nicht bestanden,so erfolgt seine Verweisung von der Universität. JederKursus hat seine bestimmten Vorlesungen, an diesen mußder Student theilnehmen. Eine Wahl hinsichtlich derVorlesungen, wie beispielsweise in Deutschland , Oester-reich usw., gibt es auf den russischen Universitäten nicht.Natürlich kann ein Student auch ganz ruhig einmal einpaar Kollegienschwänzen", danach fragt niemand. Erkann auch eine Viertel- oder halbe Stunde zu spät inLColleg kommen, deßwegen wird er nicht zur Rede ge-stellt. Die Hauptsache ist nur, daß er bei Jahresschlußdie Prüfung besteht, wobei allerdings auf manchen Uni-versitäten die Polen (Katholiken) gegenüber den National-russen insofern benachtheiligt sind, als man den eigent-lichen Russen die mündlichen Examina wesentlich er-leichtert und den Katholiken erschwert. Vereinzelt kommenauch hier Bestechungen vor, wie sie an manchen Gym-nasien leider nichts seltenes sind, wo die Vater die Auf-nahme ihrer Söhne von den Gymnasialdirektoren um300500 Rubel erkaufen müssen.

Juristen und Philologen, welche der russischen SaatS-kirche angehören, erhalten nach bestandener Prüfung sofortStaatsanstellungen, Katholiken seltener. Es vergeht immereine Reihe von Jahren, ehe man Katholiken staatliche Stell-ungen gibt. In Petersburg werden Katholiken immernoch am ersten angestellt. Die polnischen Gelehrten,welche die akademische Laufbahn einschlagen, haben immernur Aussicht auf Anstellung bezw. Beförderung, wennsie sich nach dem äußersten Osten versetzen lassen. Ander Universität in Tomsk in Sibirien sind zwei polnischeProfessoren angestellt.

Die russischen Studenten müssen, sobald sie dasUniversitätsgebäude betreten, in Uniform erscheinen. Aufder Straße zeigen sie sich gelegentlich auch in Civil. Beifeierlichen Anlässen kommt zu der Uniform noch der Degen.Die Universitätsprofessoren sind ebenfalls an ihrer Kleidungkenntlich: einem dunkelblauen Frack mit gelben Knöpfen,auf denen der russische Adler angebracht ist. In eorxorserscheinen die Studenten niemals auf der Straße oderim Universitätsgebäude. Rotten sie sich einmal zusammen,so werden sie gewöhnlich sehr rasch durch Kosaken mitder Kugelpeitsche auseinandergetrieben, sofort relegirt undder Polizei oder den Gerichten zur Bestrafung überwiesen.Meist erfolgen die studentischen Zusammenrottungen, umgegen mißliebige Professoren und Rektoren zu demonstriren.

^Schluß folgt.)

Recensionen und Notizen.

Cattaneo C. Ambr. (s. 1.), Geistliche Vertrages freinach dem Italienischen von Höhl er. 8°. '3 Bde.(S. VIII -t- 603; 568; 592). Ncgensbnrg. Fr. Pustet1896. M. 9,20.

Fritz Ludw. (s. 6arm.), Daö Okkioinm LIarinnnmkarvum oder die kleinen Marianischen Tag-zeiten in homiletischen Vortragen erläutert. 8", 2 Bde.1S. IV -j- 503; 644). Ncgensbnrg, Fr. Pustet 1895.M. 6,00.

s Unsere asketische Literatur leidet an bedenklicher Hyper-trophie; daß da in jedem neuen Buche so ziemlich dasselbe zufinden ist, was der Leser bereits aus früheren Werken kennt,kann nicht Wunder nehmen. Die beiden obigen Erscheinungenbieten eine auerkennenswcrthe Ausnahme. Cattaneo illustrirtdie moralischen Ermahnungen durch eine große Menge vonHistörchen, deren Glaubwürdigkeit freilich dahingestellt sein mag,die aber immerhin dem Buche den Stempel einer kurzweiligenUnterhaltung aufdrücken. Auch ist die genaue Anführung derverwendeten Bibelstellen zu loben. Sicherlich hatte der Ueüer-setzer, der seine Ausgabe vortrefflich gelöst bat, die wohlmeinendsteAbsicht, die Erbauungsliteratur nicht bloß zu vermehren, sondernauch zu bereichern. Ein Buch tieferer Art ist deS k. FritzErklärung des Oküeiuw LIarianum, schätzbarer schon deßhalb,weil es den liturgischen Text zum Grunde hat, mit dem dievom bl. Geist geleitete Kirche die Gottesmutter preist; freilichist heut zu Tage leider vielfach Uebung, sich am allerwenigstenan die kirchlichen GebetSsormulare zu halten und lieber zu allenanderen selbstersundencn Surrogaten zu greifen. AuS diesemGrunde ist das Unternehmen des L. Fritz, dem wir bereits eineähnliche Bearbeitung des Todtcn-Officium verdanken, schon imvorhinein mit Genugthuung zu begrüßen, besonders aber ver-dient die Art und Weise, wie er es durchgeführt hat, unservolles Lob. Hier herrscht die verständige Nüchternheit der Kirche,ohne daß jenes undefinirbare und den Meisten unentbehrlicheDingGefühl" ganz verdrängt wäre. Schrift- und Väterstellenfinden ausgiebige Verwendung, mit frommen Anekdoten undunglaublichen Wundergcschichtcn, womit man so oft etwasBesseres ersetzen will, sind wir glücklich verschont. Möchte daSsinnige und schöne Buch allen, die freiwillig eher Standeswegen sich mit dem Oküoium xarvum L. Ll. V. beschäftigen»ein Begleiter und Führer werden, um immer tiefer in denSinn der hl. Texte einzudringen. Auch derMarien-Prediger"oder, wie es das höchst geschmackvoll auch gibt, derHcrz-Maria-Prediger" wird bei ?. Fritz sehr brauchbare Gedankenfinden, wie das Buch ja auch dem Bedürfniß des Predigerssein Entstehen verdankt. Der Verfasse: des Werkes, Senior derbayerischen Carmeliten, ein unermüdlicher Prediger, ist leideram 22. Juni d.. im Kloster zu Straubing , 84 Jahre alt,gestorben.

ck. Der auf dem Gebiete der schwedischen Literatur undGeschichte wohl bewanderte 1. Rath am k. allgemeinen Neichs-archive Dr. Pins Wittmann bietet in seiner neuesten Publi-kation:Kurzer Abriß der schwedischen Geschichte.BreSlau , Köbner 1896," dem gebildeten deutschen Publikum eineauf den neuesten Forschungen beruhende Geschichte Schwedens .Dieselbe, in ihrem ersten Theil zwar übersichtlich, aber etwasknapp gehalten, wird vom 17. Jahrhundert an eingehender be-handelt, unter besonderer Berücksichtigung der WittelSbacher aufdem schwedischen Throne. Zahlreiche Litcraturangaben gebenauch demjenigen, der sich mit dem einen oder andern Abschnitteder Geschichte jenes Landes näher befassen will, praktische Winke.Wer die Wohlthat eines gut angelegten Registers zu würdigenversteht, wird dem Autor Dank wissen, daß er auch diese Mühenicht gescheut. Der Verfasser erhielt für die Vorlage deSSchriftchens aus der Geheimkanzlei S. K. H. des Prinz-Regenten und von S. K. H. Herzog Karl Theodor aner-kennende Dankschreiben.

Die heil. Schrift im Predigtamt von I. Sigmunb.

* DieseMonatsschrift für Priester" von Jos. Sigmund,Pfarrer in St. Jodok (Tirol), verfolgt den Zweck 1) zu zeigen,wie die hl. Schrift besonders von alten Meistern auf derKanzel behandelt wurde, und deren Verwendung im Predigt-amte zu fördern; 2) das Volk an der Hand des Kirchenjahresgründlich zu unterrichten, auch in apologetischen Materien;3) die Wahl des Themas zu erleichtern und die Predigten nacheinem bestimmten Plan einzurichten. Die Schrift erscheintcirca am 20. eines jeden Monats und enthält jedesmal jezwei Predigt-Skizzen für jeden Sonn- und Festtag des