Ausgabe 
(5.12.1896) 51
 
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herbeizuführen, in welcher dcr ganzen Welt die NblengiinngenFindcl's bekannt gegeben werden sollten, und die VolkSzcitungist wenigstens in diesem Punkt die Mitschuldige der Secrc unddie bewußte Helferin Findel's gewesen."

In Trient hat dann, überwacht von einem Scndling deSfranzösischen Orient, Dr. Gratzfcld, der Vertreter deS.Erz-bischofs von Köln , daö Weitere besorgt, Dr. Graizield,vondein mir meine sämmtlichen Gewährsmänner versichern, daß ereine höchst nnshmvathische Physiognomie besitzt". Er brach dieFrage nach der Existenz der Mist Vanghan vom Zann, und inseinem Auftrage erkundigte sich Aisgr. Baumgarten nachdem Geburtsschein dcr Miß, nach dein Kloster, in dem sie ge-tauft worden sei, und nach dem Bischof, der die Erlaubniß zuihrer ersten bl. Kommunion gegeben habe. Mit schlauer Be-rechnung ließ die Loge gerade diese Fragen stellen, weil siewußte, daß sie nicht beantwortet werden könnten; denn einenGeburtsschein besitzt die amerikanische Miß nun einmal nicht,obwohl sie in Paris geboren wurde, und den Namen deSBischofs nennen, das hieße der Freimaurerei den Faden in dieHand geben.

Auf der in Trient gelegten Grundlage arbeitete dann dieVolkszeitnng tückisch weiter: Am 13. Oktober erschien ihr Sen-sationsartikelMiß Diana Vanghan in ihrer wirklichen Gestalt",voll von dcir gewaltigsten, aber geschickten Lügen", und schonam 16. Oktober konnte sie den verabredeten Brief ver-öffentlichen, in welchem HackS-Bataille sich als Freigeist bekennt.Wer da nicht die Hand der Freimaurerei erkennt, dem ist nichtzu helfen.

So der neueste Noman derMiß Vanghan". Alsfrci-luaurerischeö" Blatt wir sind ja nach Ansicht der Miß nebstMsgr. Gratzfcld im Complot mitDr. Bataille" und dem GroßenOrient gewesen können wir eigentlich nicht verlangen, daßman uns noch ein Wort glaubt, aber wir wollen'S einmalriskiren und stellen deßhalb fest:

1. Es ist vollkommen richtig, daß Dr. Hacks kurzvor dem Tricnter Congrcß, wie schon häufiger er ist be-kanntlich ein geborener Rheinländer sich einige Tage in Köln aushielt, diesmal in GeschäflSanzelegenheiten, und bei dieserGelegenheit mehr geplaudert hat, als Herrn Leo Taxi!lieb war. Msgr. Gratzfcld hat ihn mit keinem Auge gesehen,ebensowenig unser als Zeuge angerufener Hanptredacteur;letzterer war damals im Ausland, wo er den Spuren derMißVanghan" folgte,

2. Es ist eine blanke Erfindung derMiß Vanghan",das heißt Leo Taxil's , daß Herr Hacks der Volkszeitnngin irgend welcher Form ein schriftliches Geständniß versprochenhat. Unsere Redaction war vielmehr angenehm überrascht, alser nachträglich durch die bekannte Zuschrift den wesentlichenInhalt unseres Enthüllungs-Artikels schriftlich als richtig be-stätigte. Vor dem Congreß konnten wir unmöglich einenBrief veröffentlichen, den wir erst nach dem Congreß erhielten.

3. Als wir den Enthüllungs-Artikcl vom 13. Oktober ver-öffentlichten, waren uns die Plaudereien des Herrn Hacks längstbekannt. Oeffentlichen Gebrauch haben wir von denselbennicht gemacht, weil Herr Hacks seine unter vier Augen ge-machten Andeutungen zweifellos abgeleugnet haben würde; an-gesichts dessen haben wir unser Beweismaterial lediglich ausallgemein zugänglichen gedruckten Quellen entnommen, und zwarmit dem besten Erfolg. Herr Taxil ist nicht grün genug, umnicht zu wissen, wie wenig man in der Öffentlichkeit mitUnterhaltungen unter vier Augen anfangen kann; er sollte auchuns nicht für so grün halten.

Wie man siebt, gleicht die Beweisführung der unauffind-baren Miß der früher mitgetheilten Beweisführung Leo Taxil's wie ein Ei dem andern. Neu ist die Kölner Reise deS Dr. Hacks,aber seineBestechung" begegnet hier wie dort, die Summe istsie gleiche, und auch die Taxil'sche Frage kehrt wieder, ob HerrDr. Hacks immer bei Trost gewesen sei. Der Beweis für dieBestechung" wird natürlich vergessen. Gewundert hat uns nur,daß jede Mittheilung fehlt, wie viel von dem Mammon deSGroßen Orients an den Fingern des Msgr. Gratzfcld und anunsern Fingern kleben geblieben ist.

Nicht.gewundert dagegen haben wir uns über die kleinerenErfindungen, welcheDiana Vanghan" sich auf unsereKosten gestattet, indem sie zum Beweis dcrVerlogenheit" derKölnischen Volkszeitung Dinge daraus citirt, die nicht daringestanden haben. Nun, auf ein bischen mehr oder wenigerkommt es bei dem noch activen Rest der Fälscher-Firma LeoTaxil nicht an, und wir haben der Miß auch diese kleinenLiebenswürdigkeiten nicht übel genommen. Wirklich nicht schönaber ist die Manier, wie sie ihren ZwillingsbruderDr. Bataille"hehandelt. Daß sie ihm seinenerschütternden Verrath" vor-

wirft, ist ja erklärlich, aber daß sie jetzt die Glaubwürdigkeitseines -Diadls an XIX. moelo- bestreiket, das ist ein starkesStück. Das verblüffendste in den, ganzen Lügengewebe waruns der Satz:Ich halte mir vorbehalten, seine Uebertreibungenaus das richtige Maß zurückzuführen und einigen seiner Teufeldie Hörner abzuschneiden. Zusammenhanglos rafft er allerleiin den Triangeln verbreitete Legenden zusammen, geht ohnegründliche Prüfung vor, bat auch vielleicht zuweilen Wahn-vorstellungen gehabt" (LlSmoirsa 433) derselbeDr. Ba-taille", der einbedeutendes Werk" geschrieben (blsmoiras 50),den die Miß unzählige Male (Llömoiros 52, 93, tirispi 291,311, 328 u. s. w.) anerkennend und bestätigend citirt hat.Dieser Undank vom Hause Vaugban ist um so schwärzer, alsDr. Bataille" doch, in seinembedeutenden Werk" die ganzeVangban-Komödie inscenirt und das unschätzbare Verdienst sicherworben hat, den scharfsinnigen Herrn Lautier bei dem famosenFrühstück im Hotel Mirabeau von ihrer Existenz so bombenfestzu überzeugen, daß er noch in jüngster Zeit seine Ehre dafürzum Pfande setzte. Und waö sagt derMandatar" Leo Taxil dazu, der doch seinem BusenfreundBataille" so fleißig geholtenbat? Indessen, unter Kameraden ist das ganz egal:Dr. Ba-taille"lackt sich krumm", wennDiana Vaughan" ihm Ver-rath und Bestechung vorwirft, und wenn sie auch jetzt noch(S. 417) hofft, er werde sich zum wievielten Mal? be-kehren, so kennt sein Entzücken keine Grenzen.

Aus weitere Einzelheiten einzugeben, ist uns nicht der Mühewerth. Wir überlassen getrost dem Publikum die Entscheidung,ob cS der unauffindbaren Miß oder vielmehr ihremMandatar",einem gewerbsmäßigen Fälscher und Pornographen, glaubenwill, daß der Vertreter des Erzbischofs von Köln in Trient unddie Redaction der Kölnischen Volkszeitnng dem Großen Orientvon Frankreich und dem Dr. Hacks geholfen haben, ihr schauer-liches Complot durchzuführen. Wer überhaupt belehrt werdenwollte, ist längst belehrt und bekehrt worden, und den kleinenNest müssen wir seinem Schicksal überlassen. Er wird ihmnicht entgehen, dennDiana Vanghan" setzt ihre Memoirenfort: sie dürsten zunächst Briefe der Düpirtcn zu Tage sördern;der famose Trosibries des Prälaten Billard (S. 440) machtschon den Anfang. Das wird das traurige Nachspiel dieserlächerlichen und anderseits so-empörenden und geradezu blas-phemischcn Komödie sein; möge die bittere Lection wenigstensnicht ohne Früchte für die Zukunft bleiben!

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Inzwischen ist die Vanghan-Asfaire in Frankreich nun auchim Zusammenhange behandelt worden, und zwar durch eineeben erschienene Schrift von Gaston Merh: IIu eomxlobNatzviinigns. Da vsrits snr Diana Vanghan. (Paris , LibrairicBlSriot.) Die Schrift stellt sich die Aufgabe, den Taxil-Hacks-schen Entbüllungsschwindel zu entlarven und löst diese Aufgabeaur Grund des bisher zu Tage geförderten Materials in vor-trefflicher, den nrtheilSfähigen Leser überzeugender Weise. Fürdiejenigen, welche die Artikel der Kölnischen Volkszeitnng ver-folgt haben, bringt die Schrift allerdings kaun, etwas Neues,wenn sie auch die zahlreichen Beweis-Momente, die sich imLaufe der Erörterung ergeben haben, einheitlich und übersichtlichin lebendiger Darstellung zusammenfaßt. Von Interesse ist dieFeststellung Merp's, daß ein Redacteur des katholischenPariscrTageblattes Da Verito, Herr Georges Bois, schon am30. Oktober 1893 eine sehr eindringliche Warnung vor demBuche desDr. Bataille":Der Teufel im 19. Jahrhundert",dem Ausgangspunkte des ganzen HumbugS, veröffentlichte. Umdieselbe Zeit warnte CanonicuS Delassus in der LeunuuerkIiZieuss äs Damdrai vor dem Buche desDr. Bataille", vonwelchem er sagte, dasselbe fei keine geschichtliche Arbeit, sondernein Roman, dcr mit Hülse einiger Reisehandbücher, einigerKenntniß des FreimaurerwesenS sowie mit Einbildungskraftund Kühnheit fabricirt sei.

Recensionen und Notizen.

Fünfundvierzig Betrachtungen über dasHoheLied" von Maria Anna Zaubzer. München,1896 .Brosch. 1,30 M., Ganzleinw. 1,50 M. Qldcnbourg'fcheVerlagsbuchhandlung. 150 S.

§. Aehnlich, wie St. Alphons am Schluß seiner Besuch-ungen eine kurze Betrachtung über die eine oder andere Stelledes CanticnmS beifügt, hat hier eine fromme Seele einen Straußinniger Gedanken und liebender Anmuthungen gebunden, zudenen die Stellen des Hohen Liedes Anregung gegeben. ES istein zartes, duftiges Büchlein ohne süßliche Ueberschwenglichkeit,das namentlich jenen Personen, die das kleine Osficinm U. L. Fr.,