Unterkaktungsökatt
zur
„Ailgsünrger Postzeitmig."
Nr. 1. Donnerstag, 1. Juli 1880.
Der Derr Daran.
Verfasser der Romane: „Auf der Grenze," „Der rechte Erbe" «.
(Nachdruck verboten.)
Erster Theil.
I.
Auf der Straße zwischen Castellamare und Sorrent , die das Entzücken jedes Rei-senden ist, der einmal das Glück hatte, hier umherzuschweifen, schlenderten langsam imeifrigen Gespräch zwei Wanderer dahin. Ihre Kleidung schon verrieth, daß sie Künstlerwaren. Der Mond stand bereits am Himmel und goß sein Zauberlicht über die Land-schaft, um alles in noch wunderbarere Farben zu kleiden.
Bon Zeit zu 'Zeit blieben die Maler stehen, ganz im Schauen versunken, und dannsprachen Beide kein Wort. Der Größere von ihnen brach jetzt wieder zuerst das Schweigenund in deutscher Sprache, die durch ihre Lispellaute den Dänen bekundete, sagte er leiseund tief ergriffen: Ach,-wer das auf die Leinwand bringen könnte! Sehen Sie, Hedort das Meer wieder vor uns aufblitzt. Ist eck Silber? ist es Gold? Es sind ebenmärchenhafte Farben, die kein Pinsel wiederzugeben vermag.
Und dieser Frieden ringsum! bemerkte der Andere, der in seiner Aussprache denSüddeutschen nicht verleugnen konnte: Hier ist ein Stück von dem verlorenen Paradies.
Die große Dogge des Dünen war vorausgesprungen, jetzt vor einem dicht an derStraße liegenden C^pressengcbüsch stehen geblieben und stieß ein klägliches Geheul aus.
Was hat die Bestie? rief der Deutsche verdrießlich. Wie gern ich auch sonst IhrenCagliosiro habe, aber an diesem wundervollen Abende könnte er uns wirklich mit seinemLärm verschonen.
Cagliostro »ruß irgend etwas ausgespürt haben, entgegnete der Däne. Ach wirk-lich, dort liegt ein Mensch, und er zeigte aus das Gebüsch.
Die scharfen Maleraugen des Anderen wandten sich der bezeichneten Stelle zu.Es scheinen zwei zu sein, sagte der Deutsche , und nun eilten Beide mit raschen Schrittenvorwärts, um den Platz zu erreichen, von dem Cagliostro noch nicht gewichen war, son-dern sein klägliches Geheul verdoppelte, als wolle er Hilfe herbeirufen.
Ein entsetzlicher Anblick bot sich den erschreckten Künstlern dar. Am Fuße einerCeder lag ein Mann in seinem Blute, mit zerschlagenem Schädel; er mußte todt sein,denn er gab kein Lebenszeichen von sich, obwohl die Dogge ihm jetzt das Blut von derStirn leckte. Nur wenige Schritte davon, der Landstraße näher, lag noch ein Menscham Boden, vielleicht ebenfalls ermordet, denn er regte sich ebensowenig, als die beiden