M i s e e l l e n.
(Oesterreichisch.) Als Kaiser Franz von Oesterreich bei seinem Hinübergangein die andere Welt im Paradiese wieder ankam, stand der selige Kaiser Joseph an derPforte, um seinen Nachkommen zu bewillkommnen. Zu seinem Schrecken bemerkte er,daß Franz voller Staub und Schmutz war. „Um Gotteswillen Franzel," redete er ihnan, „wie siehst d'aus, so kannst halt nit vor'm lieben Herrgott erscheinen." — „Ja, lieberSeppel," erwiderte Franz, „da haben sie mich halt in dem Wien nach meinem Tod nocheine ganzi Zeit lang auf einem Paradebett aufgestellt, und da sein halt all' die gutenWiener kommen und haben mi no einmal besehe, und da haben sie einen solchen Staubgemacht, daß i bald erstickt bin." — „Na, weißt was Franzel," sagte Kaiser Joseph,„da geh' halt durch die Allee an der linken Seit', da wirst Napoleon finden, der wirdwohl so gut sein, und di halt mal wieder ausklopfen."
(Auch ein Toast.) Ein Graf beging das Wiegenfest seiner Tochter auf seinemGute. Der Schulmeister war mit seiner Schuljugend unten im Zimmer aufgestellt, mitder Weisung, daß er, so wie er die Glaser klingen hörte, mit seiner Jugend ausrufensollte: Und unsern gnädigen Herrn auch! und unsere gnädige Frau auch! und unsernHerrn Gerichtshalter auch! Die Tafel war zu Ende, und der Bediente kam mit denChampagnergläsern, stolperte, die Gläser sielen zu Boden, und der Graf donnerte ihnan: „Hol' ihn der Teufel!" Der Schulmeister, welcher die Gläser klingen hörte, riefnun mit seiner Schuljugend aus voller Kehle: „Und unsern gnädigen Herrn auch! undunsere gnädige Frau auch! und unsern Herrn Gerichtshaltcr auch.
Ein Bettler besitzt im Grunde genommen recht viel. An Immobilien: alle Heer-straßen der Erde; an Mobilien : seinen Bcttelsack und seinen weißen Stab; an Garderobe-stücken: eine Menge zusammengeflickter Löcher; an Pretiosen: helle Perlen in den Augen-höhlen; an Aktivkapitalien: gerechte Forderungen an Jeden, der mehr hat als er,Forderungen, die durch die besten Hypotheken, die es gibt, Menschenherzen nemlich, ver-sichert sind; Forderungen, die in dem großen Buche, das dort oben geführt wird, ein-getragen stehen, und von denen ihm mancher Heller eingeht zur Befriedigung seineseinzigen Gläubigers, seines Magens. Was will ein Bettler mehr!
(Schöne Ehre.) Ein Fremder kam in ein Städtchen und frug einen Bürger,wo der Schultheiß wohne. „Dort oben," sagte der Bürger, „steht der Spitzbub auf derStraße." — Nachdem der Fremde mit dem Schultheiß alles Nöthige abgesprochen hatte,frug er ihn zuletzt auch, was ihm denn sein Amt einbringe. „O weiter Nichts, als diebloße Ehre," antwortete dieser. „Das habe ich schon dort unten gehört," meinte derFremde, „als ich nach Euch fragte."
(Eine alte Flasche.) Der berühmte englische Dichter und Schauspieler Sootswar einst bei einem Adeligen zu Gaste. Gegen Ende der Mahlzeit ließ derselbe einssehr kleine Flasche Wein auftragen, deren Alter er nicht genug rühmen konnte. „Wasdenken Sie davon?" fragte er Soote. „Wahrhaftig," antwortete dieser, „sie ist fürihr Alter verzweifelt klein."
(Beruhigung.) „Können Sie uns über den See fahren?" „Ja." — „Ist dieUeberfahrt nicht gefährlich?" „Na." — „Man sagt unL doch im Dorfe, daß erst voracht Tagen vier Reisende ertrunken sind?" „Dös is a wahr, di sin' aber net überge-fahr'n, sondern unterwegs umg'schlag'n.
(Vielversprechend.) Die kleine Elly hat vom Onkel ein Gläschen Wein er-halten, das sie gleich an die Lippen führt. Aber sie soll doch erst ihr „Ich danke" sagen.Drum fällt der Onkel ihr in den Arm mit der freundlichen Frage: „Elly, wie sagt man?"Elly (verständnißvoll zu ihm aufblickend); „Prost!"
(Bedenkliche Aufforderung.) Präsident: „Die ungezogenen Geschworenenkönnen gehen."
Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag deslitterarischen Instituts von vr. M. tzutttcr.