Ausgabe 
(18.8.1880) 14
 
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einem andern Welttheil so nahe zu sein?! Die Sehnsucht, die nahen Ruinen von Kar-thago zu sehen, auf jenen Trümmern gleich Marius sitzen zu können, hat auch uns über-kommen und nur mit Mühe entschlagen wir uns derselben, um unsern Blick sowohl alsunsere Gedanken den uns ja zu Füßen liegenden Ruinen und Resten einer einst nichtminder mächtigen Stadt zuzuwenden. Im Geiste führen wir uns die Geschichte des einstso glücklichen Akragas vor, und in Gedanken versetzen wir uns in jene Zeit zurück, wohier, wie in allen Städten Siciliens, Tyrannen die Herrschaft an sich rissen. Als erstenAlleinherrscher zu Akragas , das, vom nahen Gela gegründet, erst 582 hellenisch gewordenwar, nennt die Geschichte Phalaris , von dessen unter den Griechen sprichwörtlich ge-wordener Grausamkeit die 'Sage vom broncenen Stier zeugt. Nach Phalaris wirdTheron genannt, unter dessen Herrschaft die Stadt zu ihrer Glanzperiode emporstieg.Es war zu jenen Zeiten, als Pindar und Aeschylus ab und zu Akragas besuchten. DerErstere war es, welcher in seinen isthmischen Lobgesängen Herrscher und Stadt pries.Unter Empedokles , von dem die Sage erzählt, er habe sich selbst für einen Gott gehaltenund sein Leben dadurch beendet, daß er sich in den Krater des Aetna stürzte, befandsich der Staat auf dem Gipfelpunkt seiner Macht, aber zugleich hatte die Weichlichkeitder Bürger, deren abnormer Reichthum zu den merkwürdigsten und vielfach citirten Ex-cessen Anlaß gab, einen solchen Höhepunkt erreicht, daß der bald darauf und plötzlicherfolgende Sturz als natürliche Folge erscheint. Im Jahre 406 vor Christi Geburtnach achtmonatlicher Belagerung karthagisch geworden, spielte Agrigent als Waffenplatzin den punischen Kriegen eine Rolle. Durch einen rachsüchtigen Feldherrn, NamensMutines, wurde es an die Römer unter dem Consul Lävinus verrathen. Mit Agrigent fiel im Jahre 221 auch ganz Sicilien in die Hände der Römer . Von der unseligenStadt war in Folge der vielen Plünderungen und Brände wenig übrig geblieben; diezahlreichen Kunstschätze waren theils nach Karthago, theils nach Rom gebracht wordenund nur die Tempel trotzten der langen Zeit und jenem barbarischen Vorgehen. Gre-gorovius vergleicht in seinen trefflichenSiciliana" (Wanderjahre in Italien ", 3. Band)den jähen Fall Agrigents mit dem plötzlichen Tode eines Menschen, der mitten in derFülle seiner Herrlichkeit dahingestreckt wird. Seit jenem so verhängnißvollen Zeitpunktewar die Stadt fast ganz verschollen. Unter der Herrschaft der Sarazenen sowohl alsunter den Normanen sank sie immer tiefer, ihre Einwohnerzahl fiel von den fabelhaften400,000 auf 15,000 herab und aus der Geschichte verschwand der Name gänzlich. . . .

Die Sonne war untergegangen, über das Meer, das eben erst in allen Farben-tönen gespielt hatte, breitete sich Dunkel und die Contouren der ferner gelegenen Ob-jecte verschwammen mehr und mehr. Die Erde strahlte die tagsüber aufgenommeneHitze aus und ein lauer Südwind wehte von der afrikanischen Küste herüber. Es warNacht geworden, als wir, durch die empfangenen Eindrücke fast traurig gestimmt, nachdemmodernen" Girgenti , in dessen Straßen, gleichwie im Orient, das eigentliche Lebenund Treiben erst begonnen hatte, zurückkehrten.

Miseelke«.

(Oelmalerei.) In Wien wollte jüngst ein reicher, aber sehr magerer Knopfmachersich malen lassen. Der Maler fragte ihn nun, ob er in Wasserfarbe oder in Oel gemaltsein wollte.In Oel, dacht i," erwiderte der Knopfmacher,damit i halt a bisse! fetterausschau."

(Die Börse.) Ein Witzkopf erklärte:Die Börse komme ihm vor wie einsKinderstube." Als man nach der Ähnlichkeit fragte, antwortete er:Die Großen ziehendie Kleinen aus."

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von vr. M. Huttlcr.