Ausgabe 
(21.8.1880) 15
 
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^ Es wirb mir ein großes Vergnügen sein, entgegnete die Baronin> und sie schenkte4hm zum Abschiede noch einmal ein reizendes Lächeln, dann sah sie sich schon wieder nachihrem Kammerdiener um, der eben zum Kutscher auf den Bock steigen wollte. Habenwir auch alles Gepäck? fragte sie ihn besorgt?

Ja wohl, Frau Baronin, bestätigte der Diener

Ich danke Dir, Iwan, sagte Sie, und Baron Greiffenthal bemerkte mtt blassem.Neid, daß sie auch für diesen Menschen ein freundliches Lächeln hatte.

Nochmals leben Sie wohl, Frau Baronin! und der alte Herr verbeugte sich zumletzten Mal, während die Wittwe zum Gruß nur mit dem Taschentuch winkte, und dannfuhr der Wagen davon.

Schon nach wenigen Wochen war die schöne Wittwe ein Stern, der nicht nur denWeisen, sondern auch vielen Narren den Weg nach Bloomhaus zeigte. Die Frau Baroninwar gegen Alle gleich freundlich, gleich liebenswürdig, aber auch gleich kühl und triebdamit ihre zahlreichen Anbeter zur Verzweiflung. Man nannte sie eine Kokette, ver-wünschte ihre Herzlosigkeit und betete dennoch um so leidenschaftlicher die schöne Fran-zösin an.

Unter ihren Verehrern nahm Baron Bloomhaus-Rosenberg den ersten Platz ein.Er trug der Wittwe seines Verwandten nicht einmal nach, daß sie ihn um die glänzendeErbschaft gebracht, denn ohne ihr Vorhandensein wäre ihm jetzt das Glück zugefallen,wie Baron Greiffenthal meinte, auch diese große Herrschaft zu verjubeln.

Baron Bloomhaus-Rosenberg hatte die Dreißig noch nicht erreicht aber schon ein sehrbewegtes Leben hinter sich, trotzdem sah er noch ungewöhnlich frisch und jugendlich aus.Eine geniale Sorglosigkeit, die schon an Liederlichkeit streifte, bekundete sein ganzesWesen und hatte ihm über alle Klippen und Fährlichkeiten immer wieder hinweggeholfen.Der schlank gewachsene, hübsche, blonde Edelmann mit den gewinnenden, einnehmendenManieren, war in allen Kreisen beliebt und galt bei den Damen als unwiderstehlich.Trotzdem er durch seine Verschwendungssucht zu einem verarmten Edelmann herabgesunkenwar, hätte er in manchem adligen, reichen Hause ruhig anklopfen können und man würdedem prächtigen Kavalier gern eine der Töchter gegeben haben, aber Baron Nosenberg lebtenun schon seit Jahresfrist von der kleinen Rente, die ihm eine alte Tante ausgeworfen,ohne daran zu denken, sich durch eine reiche Heirath wieder flott zu machen. SeinenFreunden erklärte er, daß er nicht so leicht seine Freiheit verkaufen wolle.

Da erschien die Wittwe seines Vetters, und die Unabhängigkeitsgedanken, mitdenen sich der Baron so lange getragen, gingen plötzlich in die Brüche. Und es warnicht einmal die Besitzerin der großen Herrschaft, nach der er die Hand ausstreckte,es war wirklich nur die schöne geistreiche Frau, um deren Gunst er eifrig warb. Zumersten Mal in seinem Leben empfand er für ein weibliches Wesen eine tiefe ehrlicheLiebe und glühende Leidenschaft.

Die Baronin dagegen schien durchaus nicht geneigt, An eifriges Werben zu er-chören, sie behandelte ihn wohl wie ihren lieben Verwandten und schenkte ihm eine ArtZutrauen, aber sie wußte doch immer wieder ihn in den gehörigen Schranken zu halten.

Baron Bloomhaus-Rosenberg hatte einen Freund, den Grafen Brückenburg, mit4>em er ein Herz und eine Seele war. Man nannte den Grafen nur den bösen DämonRosenberg's, und doch mit Unrecht. Der Schein war freilich gegen Brückenburg; erstammte aus einer verarmten gräflichen Familie Westpreußens, besaß keinen PfennigVermögen und hielt sich größtentheils bei Verwandten, die in den Ostseeprovinzen be-gütert waren, auf. Er hatte auf diese Weise den mehrere Jahre älteren Baron kennengelernt und sich innig an ihn angeschlossen, aber er war es, der trotz seiner Jugend,den Freund von manchen Thorheiten zurückhielt, obwohl es den Anschein hatte, als ober die verschwenderischen Neigungen Rosenberg's noch unterstütze.