hat, daß er, von den Karthagern verschont geblieben, in eine christliche Kirche um-gewandelt und, dem heiligen Gregorio delle Nape, Bischof zu Girgenti , geweiht, alssolche lange Zeit verwendet wurde. Doch kann man nicht bestimmt entscheiden, ob diesewie Ausbesserungen aussehenden lichtern Partien wirklich Gyps oder nur Neste des altenMarmorstucks sind, mit welchem die Griechen das rohe Material überzogen hatten. DerHaupteiugang liegt gegen Osten und steigt man auf vier, das Paviment inbegriffen auffünf alterthümlich-unbequemen Stufen hinan. Kein einziger Tempel Italiens kann eineähnlich gut erhaltene Zelle ausweisen; die sechs in jede der Wände gebrochenen Bogen-Oeffnungen dürfen jedoch den Beschauer nicht beirren, da sie aus viel späterer, der christ-lichen Zeit herstammen. Am Haupteingange sind selbst jenes Treppen erhalten, welche insechs Absätzen zu fünf Stufen auf das Tempelvach hinaufführten. Dieses war doppeltund bestand aus dem untern, flachen, die Säulen-Corridore oben deckenden, und einemspitz zulaufenden Theil, wie man dies noch an der Lage des Giebelfeldes erkennen kann.Das ganze Epistyl oder Architrav, jene mächtigen Balken, welche unmittelbar auf denSäulen ruhen, zur Längenverbindung des Ganzen dienen und die übrigen Theile desGebälkes tragen, ist in vortrefflichster Weise erhalten, so daß man sich kein vollständigeresBild der dorischen Architektonik wünschen kann.
Welch' merkwürdiges Gefühl überkömmt den Wanderer in diesen zweitausendjährigcnHallen! Der Gedanke, durch denselben Säulengang zu wandeln, denselben Boden, die-selben Steine zu betreten, auf denen Tausende von Hellenen ihre heitere Religion aus-übten, erzeugt in uns jene beste feierliche Stimmung, die sich durch allgemeines Ver-stummen kundgibt.
Grabesstille ringsumher! Kein Vogelgesang unterbricht die tiefe Ruhe. Unter unseine unendliche Zahl von Gräbern. Wie nichtig und vergänglich ist doch auch das Größte!Meer und Himmel, zwei unendliche Weiten, erblicken wir durch die Säulen. — Zwischenden Trümmern einstiger Größe prangt ein immerwährender Schmelz kräftig duftenderBlumen, zwischen dem Myrthenstrauch blühen große rothe Allien spanischer Ginster undHiacynthen. Jasmin und Rosmarin wechseln mit Fettkräutern und saftigen Lattich-stengeln. Die vielen Pflanzen, die man nur meist in Kübeln und Töpfen hinter Glas-fenstern zu sehen gewohnt ist, stehen hier froh und frisch unter freiem Himmel. UmSäulen-Fragmente schlingen sich schönfarbige Winden, die umgestürzten Steinblöcke be-decken große Malven und strauchartige Wolfsmilcharten. Um Disteln flattern bunteFalter, hohe Gräser bieten der reichen Jnsektenwelt sein geeignetes Versteck, auf denheißen Steinen sonnen sich grüne Lacerten, die jedoch im Nu in Trümmerhaufen ver-schwunden sind. Recht charakteristisch für diese todten Gefilde sind die antiken Acantus-blätter und die niedrigen Zwergpalmen mit ihren fingerförmig zertheilten Blättern.
Eine ganze Reihe von Tempeln schließt sich in diesen beiden an, so der ehemalsberühmteste aller Tempel Siciliens, der Tempel des olympischen Zeus, das Olympion,von dessen kolossaler Größe nur mehr der Plan zeugt; der durch die gigantischen Stein-blöcke und seine hochberühmte Broncesigur ausgezeichnete Herkulestempel; der großeThrümmerhaufe, genannt Castor und Polluxtempel, auf dessen malerischen Ueberrestender Zufall heute gerade zwei ganz gleichgcstaltete Esel weiden ließ und noch viele andersvon minderer Bedeutung. Nachdem ganze Werke diese Bau-Denkmäler ausführlich be-handeln, wäre es nicht möglich, an dieser Stelle auch nur eine ganz flüchtige Skizze vondenselben zu liefern.
Die Sciroccogluth war gewaltig und wir schmachteten nach Erquickung, Labungund Ruhe. So wurde denn bei der rücksichtslosen Gluth der afrikanischen Sonne dieRückfahrt ohne Debatte einstimmig beschlossen und glücklich ausgeführt.