der berühmteste Advokat der Ostseeprovinzen, denn die Sache wird natürlich, besondersin den höheren Kreisen, ungeheures Aufsehen erregen.
Ich werde mein Möglichstes thun, Herr Graf, sagte Rafinsky ruhig, ohne durch 'das geringste Zeichen zu verrathen, wie sehr sein Ehrgeiz durch diese glänzende Aussichtaufgestachelt worden. ^
Noch an demselben Tage fuhr der Advokat nach Bloomhaus. Er kam erst in ^spater Nachmittagsstunde an und ließ sogleich die Baronin in einer wichtigen Angelegen-heit um eine Audienz bitten. Trotzdem erschien statt der gnädigen Frau der Kammer-diener, der Nasinsky nach seinem Anliegen fragte.
Ich habe nothwendig mit der Frau Baronin selbst zu sprechen.
Lieber Herr, Sie können mir ruhig sagen, was Sie herbeiführt. Ich habe vonder Baronin den Auftrag alle geschäftlichen Angelegenheiten in ihrem Namen zu erledigen, stentgegnete Iwan, der seit vorgestern allen Fremden gegenüber mit ganz anderer Sicher-heit auftrat und hier nun ebenfalls den Herrn herauskehrte. Er hatte nicht mehr nöthigden unterwürfigen Diener zu spielen, seitdem seine gnädige Herrin rücksichtslos ihreGefühle preisgegeben.
Die Sache kann ich dennoch nur mit der Frau Baronin selbst besprechen, entgegnete ?Rafinsky mit solcher Entschiedenheit, daß Iwan davon wirklich eingeschüchtert wurde, undmit der Erklärung: er werde die gnädige Frau fragen, ob sie zu sprechen sei, sich entfernte.
Nach kurzer Zeit rauschte die Baronin in das Empfangszimmer, gefolgt von ihremtreuen Iwan, der jetzt nicht mehr von ihrer Seite wich. ^
Die schöne Frau schien ziemlich verdrießlich zu sein, denn sie entfaltete gegen denFremden nicht gleich ihre gewohnte Liebenswürdigkeit, sondern fragte nach einer flüchtigen »Verbeugung ziemlich kühl und herablassend: Was wünschen Sie, mein Herr? ^
Nasinsky war nicht der Mann, der sich so leicht außer Fassung bringen ließ. DerGraf hatte zwar Recht, die Baronin war eine höchst brillante Erscheinung, aber er warnicht gekommen, um eine Frauenschönheit zu bewundern, sondern um seinen juristischenScharfsinn zu entfalten.
Gestatten Sie mir, Frau Baronin, daß ich Platz nehme, denn unsere Angelegen-heit dürfte nicht so rasch erledigt sein, sagte der Advokat mit einer so überlegenen Miene-als habe er schon über diese Frau den Sieg gewonnen.
Wirklich wurde die Baronin durch die Haltung des Fremden ein wenig verblüfft.
Sie machte nur eine einladende Handbewegung und ließ sich dann selbst mit einer Miene,die auf eine sehr langweilige Auseinandersetzung gefaßt ist, im nächsten Sessel nieder.
Iwan zog sich ebenfalls einen Stuhl herbei, aber nur, um seine Arme darauf zu llehnen und in bequemer Haltung, dicht hinter der Baronin, die Eröffnungen des Advokatenabzuwarten.
Nasinsky nahm ohne Weiteres Ptatz und einen Blick auf den Kammerdienerwerfend, sagte er mit einiger Betonung: Meine Mittheilungen, Frau Baronin, hätte ichIhnen gern unter vier Augen gemacht.
Sie können ruhig sprechen, vor diesem Herrn habe ich keine Geheimnisse und siswandte sich küchelnd nach Iwan um und zeigte ihm ihr strahlendstes Antlitz. ^
Sie ist in der That frech, dachte der Advokat, laut entgegnete er jedoch nnt einer sleichten, höflichen Verbeugung: Wie Sie es wünschen, Frau Baronin.
Und was ist Ihr Begehr? Ich bitte, fassen Sie sich kurz. Ich habe wenig Zeit,'sagte sie mit allen Zeichen der Ungeduld.
Ich habe nur einige Fragen an Sie zu stellen, begann Nasinsky von Neuem, der ^absichtlich eine juristische Bedächtigkeit entfaltete und der sich den Anschein gab, als bereitsihm die Handhabung der französischen Sprache ganz besondere Schwierigkeiten, während jer derselben völlig mächtig war.
Fragen Sie! drängte die schöne Frau und nagte dabei ein wenig an ihrer Unterlippe»