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Wann hat Ihre Vermählung mit dem Herrn Baron Bloomhaus stattgefunden undseit mann sind Sie Wittwe?
Mein Herr! Was berechtigt Sie, solche zudringliche Fragen zu stellen!? rief dieBaronin empört und wollte von ihrem Sessel aufspringen; aber Iwan mochte ihr einberuhigendes Wort zugeflüstert haben, denn sie blieb nach einer heftigen Bewegung sitzen.
Ich komme als Bevollmächtigter des Baron Bloomhaus-Nosenberg, der als nächsterAgnat ein vollgiltiges Recht darauf hat, diese näheren Informationen einzuziehen.
Die Baronin stieß ein höhnisches Lachen aus und flüsterte ihrem Kammerdienerleise etwas zu, dann sagte sie laut: Ah, das ist vortrefflich! Der Herr Baron ist alsosolchen Freundes, wie des Grafen Brückenburg vollkommen würdig. Ich muß gestehen,das sind ganz bewundernswürdige Edelleute! und sie lachte von Neuem.
? Rasinsky ließ sich durch die spöttische Heiterkeit der schönen Frau nicht außerFassung bringen und er ffuhr in trockenem Geschäftstone fort: es ist freilich nur eineeinfache Förmlichkeit; aber das Gesetz schreibt vor, daß Derjenige, der irgend einen Besitzantreten will, auch sein Recht darauf nachweisen muß und in diesem Falle möchte ichSie bitten, mir das Zeugniß über ihre mit dem Herrrn Baron eingegangene Ehe unddann den Todtenschein des Baron Bloomhaus vorzulegen.
Und weiter bedürfen Sie nichts, mein Herr? fragte die Baronin mit geringschätzigerMiene, ohne den Advokaten noch eines . Blickes zu würdigen. Lieber Iwan, wandte siesich zu dem Kammerdiener, willst Du so gut sein und diese Papiere Herbeibringen, damitder Wunsch des Herrn befriedigt wird.
^ , Iwan flüsterte ihr wieder ganz leise ein paar Worte zu, und entfernte sich dann.
Die schöne Wittwe machte also aus ihrem Verhältniß zu ihrem Bedienten nichtmehr das mindeste Hehl. Einer solchen Person gegenüber hielt sich Rasinsky ebenfallsjeder Rücksicht überhoben. Er lehnte sich bequemer im Lehnsessel zurück und betrachtetehinter seiner goldenen Brille mit aufmerksamen, scharfen Augen die Baronin, die in vor-nehmer Haltung dasaß, und anscheinend den Advokaten keines Blickes würdigte, währendsie doch verstohlen den Ausdruck seines glatten, eiskalten Gesichtes zu studiren suchte.
Der Graf hat Recht, es ist eine Schauspielerin, dachte Rasinsky und ein Lächelnglitt dabei um seine Lippen, das der Baronin nicht entging, denn sie fragte plötzlich:Es bereitet Ihnen wohl ein großes Vergnügen, eine arme schutzlose Frau zu beleidigen?und ihre Stimme hatte dabei einen rührenden Klang.
Ah, jetzt beginnt sie die verfolgte Unschuld zu spielen! sagte sich der Advokat,aber er entgegnete ohne allen Sarkasmus: Sie verkennen mich, Frau Baronin. AlsAdvokat habe ich nur meine Pflicht zu thun.
Müssen sie nicht selbst gestehen, daß die Zumuthung, die mir mein Vetter plötzlichstellt, etwas sehr Demüthigendes hat? Alle Welt und Baron Rosenbcrg zuerst hat michals rechtmäßige Erbin von Bloomhaus anerkannt und jetzt hält es der Baron nichtunter seiner Würde, sich erst durch Dokumente überzeugen zu lassen, daß ich wirklich dieWittwe seines Vetters bin. Zum Glück kann ich mit den gütigsten Papieren anfwartcn.Iwan wird sie sogleich bringen.
Die Baronin hatte so rasch und lebhaft gesprochen, daß Rasinsky jetzt erst zuWorte kam. Es ist dies eine bloße Förmlichkeit, die damals vergessen worden und diejetzt mein Klient als nächster Agnat nachholt, weil er dies der ganzen Familie schuldig ist.
Sagen Sie lieber, es ist ein Ausfluß kleinlicher Rache! warf die Wittwe hastigein. Der Baron kann es mir nicht vergeben, daß mir alle aristokratischen Vorurthcilsfremd sind und daß ich einem einfachen, schlichten Menschen, dessen Treue ich erprobt,mein Herz geschenkt habe.
Der Advokat erkannte recht gut, daß all' diese Reden darauf hinausliefen, seinegünstige Meinung zu wecken und dies steigerte nur seinen Verdacht. Er entgegnete deshalbnichts, sondern machte nur eine nichtssagende Handbewegung.
Auch die Baronin schwieg jetzt; sie nagte nur ein wenig an ihrer Unterlippe. Da