Bewohner.
Die Bewohner von Karlsbad lassen sich füglich in zwei Klassen theilen,nämlich g) in ständige Stadtbewohner, d) in unständige und Fremde, wozu namentlichdie Curgäste gehören. Man schätzt die ersteren z. Z. auf 14,000 und nimmt in derSommerssaison von der Letzter» eine Durchschnitts-Summe von 4—5000 an, sodaß dann eine Zahl von 18—19000 Seelen gegeben erscheint. Gehören erstere vor-herrschend dem deutschen Stamme an, so begreifen letztere eine gewaltige Variationvon Stämmen und Sprachen.
Abgesehen vom singulären Erscheinen von Chinesen, Japanesen, Afrikanern,Australiern und Südamerikanern, so sind da vor Allem die Völker des österreichischenKaiserstaates (Deutsche, Ungarn, Polen, Czechen und Slaven), dann Norddeutsche, Holländer und Niederländer , Engländer, Russen, Franzosen rc. mehr oder minder zahlreich ver-treten. Ueberaus zahlreich sind die Jsraeliten aus allen Ländern.
Die Haltung der städtischen Behörden gegen die Gäste ist eine würdige, einsichts-volle und noble; die der Bevölkerung (wie billig) eine wohlwollende, artige, gefällige undbereitwillige. — Gegen Diebe, Streuner und Bettler ist die Polizei sehr vigilant.
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Der Buchstabe 0 spielt hier eine ganz hervorragende Rolls, namentlich durch diezwei Worte: Cultus und Cur.
Die Bewohner der Stadt Karlsbad sind vorherrschend katholischer Religion;für den katholischen Cultus finden wir hier eine schöne, aber allbereits zu kleinePfarrkirche, dann noch etliche Kapellen.
Die katholische Seclsorge für Karlsbad und dessen Filialorte obliegt den HH. Geistlichen vom ritterlichen Orden der Kreuzherren mit dem rothen Stern. Zur Zeitfind dieß 1) der hochwürdige Herr Joseph Dobner, Pfarrer und Dekan, dann 2) derhochwürdige Herr I'. I. Zwittlinger und 3) der hochwürdige Herr I. Bergmann,beide letztere als Hilfsgeistliche oder Kapläne. Die dritte Kaplaneistelle ist unbesetzt.
Diese Herren, wie sie mit Eifer und Fleiß pastoriren, genießen auch allgemeineVerehrung. Eben denselben fällt auch ine Besorgung der religiösen Angelegenheiten derkatholischen Badegäste zu, und hier dürfte folgende Frage nicht so ganz unpassend erscheinen:
Da nämlich schon zweimal, im Jahre 1741 und im Jahre 1778 (durch Jesuiten )Missionen hier abgehalten worden sind, so frägt sich, ob es nicht auch in unserer Zeitangezeigt wäre, durch Männer, welche in scientifischer und praktischer Weise hiezu speciellsehr geeignet wären, gerade den vielen Fremden gegenüber, religiöse Vortrüge, (Confercnzen)nebst passendem Gottesdienste zu halten?
Gewiß können gegen dies Project verschiedene Bedenken und Hindernisse erhobenwerden, von denen auch nicht alle ganz bedeutungslos sind: aber es bleibt wieder dieFrage, ob diese Hindernisse nicht doch überwunden werden könnten und ob nicht dieGründe für ein solches Project sehr überwiegend sind?
Wir nehmen keinen Anstand, diese Frage zu bejahen, wünschen aber eventuell disAusführung dieses Projectes nicht durch Jesuiten , und zwar der Sache wegen und derJesuiten selbst wegen, sondern durch andere Geistliche. Viele Fremde, unter denen sichoft Fürsten, Grafen , Minister, Generäle, Gelehrte, Schriftsteller, Künstler, große Kauf-leute, Industrielle befinden, sammt den vielen mitanwesenden vornehmen Damen schenkenvielleicht aus Neugierde, langer Weile oder Kritisirsucht solchen Predigern des EvangeliumsBeachtung, und diese brachte schon sehr viel Segen.
Der dankenswerthen pastorellen Thätigkeit des Kreuzherren-Ordens in Karlsbad würde damit gewiß kein Abtrag geschehen. — Was aber diesen Orden anbelangt, so bestehtderselbe z. Z. nur in Oesterreich als ehrwürdiger Rest des einst sehr großartigengeistlich-ritterlichen Ordens. Es mag für viele Leser nicht ganz ohne Interesse sein,über diesen, bei uns wenig bekannten Orden, einige Notizen zu erhalten.
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