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Wozu? rief die Baronin hastig. Ich glaube nicht, daß Sie zu dieser Forderungein Recht haben und sie warf dabei einen fragenden Blick auf ihren Kammerdiener.
Das glaube ich ebenfalls nicht bemerkte Iwan und griff schon nach den Papieren,um sie wieder zusammenzufalten.
(Fortsetzung folgt.)
Ein Gedenkblatt an Karlsbad.
Der Berg, auf dem ich stehe,
Das That, in das ich sehe.
Der Wald so frisch und grün —
Wie ist das Alles schön!
Wer wollt' sich da nicht neigen,
Nicht vor dem Schöpfer beugen,
Der Alles dies erschufDurch seiner Allmacht Ruf!
DaS Spielrad der Zeit, in beständigem Umschwünge begriffen, hat in neuerer Zeitdie böhmischen Bäder so empfohlen, daß sie die Zielpunkte von Hunderttausendengeworden sind, welche dort theils Heilung verschiedener Krankheiten, theils Erquickungund Unterhaltung suchen oder auch durch andere geschäftliche Interessen dahin' geleitetwerden.
Unter diesen Bädern steht Karlsbad obenan, welches im Sommer 1877 20,000Curgäste gehabt hat, im August 1880 bereits 23,000 zählte und im Laufe der Saisondiese Zahl wohl noch bedeutend erhöht sehen wird.
Es ist nun über die böhmischen Bäder und speciell über Karlsbad schon so Vielesgeschrieben worden, daß es erklecken dürfte. Weil indeß Jeder, der den Rsgi, die Zug-spitze, Rom oder Jerusalem gesehen, von demselben Gegenstände ein anderes Bild mit-bringt, so mag es wenigstens verantwortet werden können, wenn wieder ein Anderer,der in Karlsbad gewesen, für solche die dort waren, etwelche Nückerinnerungen oderfür Andere einige neue Mittheilungen bietet.
Aber in welcher Art und Gestalt soll dieses „Gedenkblatt" sich einführen?Etwa in streng gelehrter Weise, wobei man mit der Geologie und Hydrologie, incl. deralten Controversen vom Neptunismus und Plutonismus zu beginnen, daran dann diebetreffenden physikalischen, geographischen, naturhistorischen, anthropologischen, politischen,historischen, religiösen, socialen, medicinalen, gewerblichen und statistischen Punkte strengsystematisch anzureihen Hütte?
Es wäre dagegen wohl nichts einzuwenden; indeß so weit will sich dieses Ge-denkblatt nicht versteigen, es räth vielmehr dem Leser etliche Bilder von Karlsbad zur Hand zu nehmen und wollen wir Angesichts derselben hier lediglich in alpha-betischer Reihenfolge etliche Buchstaben von den ersten und letztendes Alphabets als Ordnungscom missäre (wie folgt) auftreten lassen.
Allgemeine Anschauung.
Wir steigen in Gedanken auf die „Franzens-Höhe" bei Karlsbad und benutzendiesen glücklichen Standpunkt, ein wenig abw ärts und aufwärts, hin- und herzublicken.
Ohne die Gedanken Anderer beeinträchtigen zu wollen, glaube ich meine Gefühlean dieser Stelle also kundgeben zu dürfen:
„Der Berg auf dem ich stehe u. s. f. w. o."
In einem schönen, von der Tepl durchströmten Thals, umschlossen von waldreichenHöhen, mit oft malerischen Fels-Gebilden, in sehr günstiger Lage, sehen wir da Karls-bad , welches wenn auch z. Z. noch nicht die Größe, so doch das Zeug zu einer großenStadt hat und ihr immer mehr cntgegenreift. Der Gesammtanblick der Stadt ist, von jederSeite besehen, sehr interessant. Die beachtenswerthesten Gebäude benennen wir unten,