Ich mußte meine Pflicht erfüllen; aber es gereicht mir dennoch zum ganz be-sonderen Vergnügen, daß ich nun nicht nöthig habe, Ihnen, Frau Baronin, als feind-licher Anwalt gegenüberzutreten, und die sonst so kalten, geschäftsmäßig dreinblickenden ^Augen des Advokaten ruhten jetzt voll aufrichtiger Bewunderung auf der schönen Frau.
Fühlte sich die Baronin doch davon geschmeichelt, oder wollte sie sich nur den An-schein geben, daß Sie es sei? Sie bückte sich um zu erröthen, und schlug wie ein junges ^Mädchen, beschämt die langen seidenen Wimpern nieder. p
Rasinsky empfahl sich, und als er von Bloomhaus schon einige Schritte entfernt iwar, glaubte er noch einen übermüthigen, lustigen Chanson zu hören, der aus den offenen -
Fenstern des Schlosses drang und gewiß von den Lippen der Baronin kam. Unwill- ?
kürlich zuckte ein boshaftes Lächeln um den Mund des Advokaten. — —
Am anderen Morgen fand sich der Graf bei Rasinsky ein, um sich bereits Be- !
scheid über den Erfolg von dessen Sendung zu holen. Mit großer Achtsamkeit hörte erauf den Bericht des Advokaten und nur zuweilen murmelte er ein zustimmendes: Vor-trefflich! denn er mußte gestehen, daß der Anwalt das Vertrauen zu seinem Scharfsinnund seiner Klugheit vollkommen gerechtfertigt hatte. Als nun Rasinsky die Abschriftenvorlegte und auf das Datum der beiden Zeugnisse ausdrücklich aufmerksam machte, riefder Graf lebhaft aus: Hier ist also ein dunkler Punkt, und die Sache wird mir immerverdächtiger, denn die schöne Wittwe hat uns stets in dem Glauben gelassen, als wennsie schon seit mehreren Jahren mit Bloomhaus verheirathet gewesen sei. >
Ich bin auch fest davon überzeugt, daß nicht Alles in Ordnung ist, meinte der ^Advokat. Das ganze Auftreten der Baronin war zu verdächtigend. i-
Halten Sie die Atteste wirklich für echt? k
Rasinsky zuckte mit den Achseln. Wie ich Ihnen schon sagte, durfte ich die Papierenicht berühren, sie machten freilich auf mich den Eindruck der Echtheit, aber einer ge- 8schickten Hand gelingt ja die Fälschung ganz anderer Dokumente. ,
Sie sind falsch und wir haben es mit Betrügern zu thun, das ist nunmehr gar !keine Frage! rief der Graf. Aber wie darüber sich Gewißheit schaffen? '
Ich habe zu diesem Behufe die Zeugnisse kopirt und mich bereits an die darin an- igeführten Behörden um sofortige genaue Auskunft gewandt. Da ist alles entschieden.
Hier sind schon die Briefe, die eben zur Post gehen sollten.
Daß ich in meiner Hast nicht daran gedacht habe? rief Vrückenburg und klopftesich mit den langen Fingern seiner Rechten vorwurfsvoll an die Stirn. Sie haben Recht, jdann muß der Betrug an den Tag kommen. !
Die Leute in Bloomhaus haben keinen sicheren Boden unter den Füßen, das ist !mir durch meinen gestrigen Besuch zur vollen Ueberzeugung geworden.
Ich sehe schon, daß ich die Sache mftnes Freundes in die besten Hände gelegt habe,entgeguete der Graf mit freudiger Anerkennung. Und selbst, wenn die Atteste sich alsecht erweisen sollten, liegt hier noch immer ein Verbrechen vor; diesen Gedanken werdeich nicht mehr los. — Drei Monate nach der in Paris stattgefundenen Hochzeit stirbtder Baron zu Neapel in einem Irrenhause. Dieser plötzliche Ausbruch des Wahnsinnsscheint mir sehr verdächtig. Kann nicht die saubere Baronin mit Hilfe ihres treuenIwan, durch List öder Gewalt ihren Gatten in ein Irrenhaus gebracht haben? Alsoschreiben Sie noch heut an die betreffenden Behörden und bitten Sie um ausführliche ^
Auskunft. Besonders wann und wie der Baron in das Irrenhaus geschafft worden,darüber müssen wir die genauesten Nachrichten erhalten. !
Der Advokat versprach sein Möglichstes zu thun und Brütkenburg gewahrte wohl, >daß der ehrgeizige junge Mann für diese höchst seltsame Angelegenheit das lebhaftesteInteresse an den Tag legte. Rasinsky wartete vielleicht mit größerer Ungeduld auf dieAuskunft der befragten Behörden, wie der Graf, denn sein Advokaten-Ehrgeiz war einmalaufgestachelt, und er sagte sich, daß er mit Einleitung eines solchen Betrugs-Prozeffesnicht nur viel Geld, sondern auch viel Ruhm ernten müsse. Dann konnte man seinem-' '