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ungewöhnlichen Scharfsinn die volle Anerkennung nicht länger versagen. Von Paris trafrasch die Nachricht ein, — die Echtheit des Trauzeugnisses wurde bestätigt. Für denehrgeizigen Advokaten war dies anfangs ein harter Schlag. Nun schien die Sachs desBaron Rosenberg verloren.
Rasinsky versank in tiefes Grübeln, als er die Auskunft erhalten hatte. An derstattgefundenen Trauung des Barons Bloomhaus mit Fräulein Combelaine war alsonicht mehr zu zweifeln! aber konnte hier nicht dennoch ein Betrug stattgefunden haben!Wie, wenn ein Anderer die Rolle des Barons, der vielleicht damals schon geisteskrankgewesen — gespielt hätte? — Dieser Gedanke blitzte plötzlich durch den Kopf desAdvokaten und je mehr er über den plötzlich in ihm aufgestiegenen Verdacht nachsann,je mehr schien er an Stärke Zu gewinnen. Der Betrug war kühn, aber nicht unmöglich.Iwan hatte seinen Herrn auf allen Reisen begleitet, ihm war es leicht gewesen, denBaron weiter zu spielen, nachdem Bloomhaus plötzlich geisteskrank und in einem Irren-hause untergebracht worden. Wie er die Baronin und ihren Kammerdiener beurtheilte,erschien ihm die Sache nicht ganz so unwahrscheinlich und der Graf, dem er seine Ge-danken anvertraute, stimmte ihm sogleich lebhaft zu.
> Mit Ungeduld wartete man auf eine Antwort aus Neapel ; sie kam noch immernicht und der Graf, den diese lange Zögerung verdroß, wandte sich nunmehr selbst anden russischen Gesandten, um in dieser Angelegenheit zu vermitteln und eine rasche Nach-richt zu erzwingen; aber auch jetzt vergingen viele Wochen und ein Bescheid traf nicht ein.
V.
Durch die Bekenntnisse des Todtengräbers hatte Enrichetta wenigstens so viel er-reicht, daß die französischen Behörden eine genaue Untersuchung des merkwürdigen Falleseinleiteten und die Angaben des Mannes sollten sich völlig bestätigen. Jetzt erst wurdedie Leiche der Fürstin ausgegraben und die herbeigezogene Italienerin bekundete mitgroßer Zuversicht, daß dies wirklich der Körper der unglücklichen Frau sei. Sie erkannteihre Herrin an dem blonden, kostbaren Haar und zum Ueberfluß wurde nun erst derTrauring an ihrem Finger näher in Augenschein genommen, der vollends den letztenZweifel beseitigte.
Man hatte bei der damaligen Sektion auf diese Dinge gar nicht geachtet, weil jadas Grab ganz genau als das der Baronin Bloomhaus bezeichnet worden.
Nach einer sorgfältigen und mühsamen Untersuchung gaben die Sachverständigenihr Guthaben dahin ab, daß wirklich noch einige Spuren eines höchst gefährlichen undfurchtbaren Giftes in dem Körper der Fürstin zu finden seien.
Eine Verhaftung des Barons wurde nunmehr verfügt, aber der Mann befand sichnicht mehr in dem Bereich französischer Gerichte und ein hinter ihm erlassener Steckbriefhatte nicht den mindesten Erfolg, um so weniger, als die Behörden jenes Landes nichtgerade den höchsten Eifer entwickelten, des fremden Verbrechers habhaft zu werden. Richteinmal die Italienerin nahm man in Haft, sie wurde unter dem Vormunde, daß mandie Untersuchung gegen sie und den Baron nur zugleich einleiten könne, bald wiederentlassen. Jedenfalls wollte man sich nicht ohne die dringendste Veranlassung eine lang-wierige und beschwerliche Arbeit aufbürden.
Desto eifriger verfolgte nun Enrichetta ihr Ziel und ihre Rachepläne. Der fran-zösische Steckbrief bot ihr wenigstens eine Handhabe, um die Flüchtlinge leichter zu ent-decken. Auf Grund desselben mußte ihr jede Behörde mindestens über das Ehepaarbereitwillige Auskunft ertheilen. Wirklich gelang es ihr dadurch die Spur der Neu-vermählten zu finden; aber Enrichetta mochte sich noch so hartnäckig an die Versen dieservon ihr tödtlich gehaßten Menschen heften, sie kam immer wieder zu spät und mußte,dann zu ihrer bitteren Enttäuschung hören, daß Baron Bloomhaus bereits vor Wochen,oft auch mw vor wenigen Tagen abgereist sei.