Ausgabe 
(11.9.1880) 21
 
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,paziercn gehe, und der Laubfrosch grün wie das Laub, unter dem er sich berge, ja dasChamäleon nehme gar immer die Farbe des Gegenstandes an, auf dem es sich ebenbefinde. Da nun das steierische Land durchweg grün und grau ist, (grau die Felsen,grün Feld und Wald), so ist es klar, daß nur durch solche Anpassung grauer Loden mitgrünem Aufputz die Leibklejdung des Steirers geworden sein könne. Ich überlasse diesedarwinistischen Ideen dem Professor der Zoologie an der Grazer Universität zu weitererBegründung und Ausarbeitung.

Zu der Nationaltracht des Steirers gehört selbstverständlich auch der Stutzen. DerSteirer ist geborner Gemsjäger. Die Berge vollGamserln" stehen ja vor seiner Thür,von seinem Fenster aus kann er die lieben Thierchen aus den Klippen ihre hohe Voltigemachen sehen. Seine Weltgeschichte ist eine Chronik der großen und kleinen Jagden umEisenerz, seine Geographie enthält nur die verschiedenen Standplätze an den Wänden derSeemäuer", desKaiserschildes", desHochkogels" u. dgl. So entstehen die Wildererund ihre ganze blutige Kriegsgeschichte. Denn das Jagdgesetz ist streng und mancheJagdherren üben sogar ihr eigenes Jagdrecht aus ganz nach Willkür und fühlen sich,sobald es die Jagd gilt, in voller mittelaltlicher Gcwaltherrlichkeit. Ein Fürst, der inder eisernen Gegend Jagden hat, gab vor nicht langer Zeit ein großes Treibjagen, zudem er eine Menge Kavaliere geladen hatte. Viele Gemsen wurden dabei auf die Deckegebracht, aber auch zwei Wilderer, die den Treibern in die Hände gefallen waren unddie der Fürst als sein eigener Jagdgerichtsherr zu mehrerer Unterhaltung seiner Gästevor ihren Augen halbtodt prügeln ließ. Derselbe Fürst wußte voriges Jahr dem Schwur-gerichte zu Locben in echt feudaler Weise seine gründliche Verachtung auszudrücken. SeineJäger hatten zwei Männer betreten, welche allem Vermuthen nach darauf aus waren,mit ihren Stöcken drei Wilderern, die man unterhalb erblickt hatte, Wild zuzutreiben.Die Jäger wollten sie anhalten, sie wehrten sich und flohen zuletzt und einer der ver-folgenden Jäger schlug mit seinem Bergstöcke dem Einen die Hirnschale entzwei. DieSache kam vor's Schwurgericht, welches den Jäger schuldig sprach. Als das Verdikt

gefüllt war, trat nun ein dritter fürstlicher Jäger, der nur als Zeuge vorgeladen worden,

hervor und sagte:Ich bin von Seiner Durchlaucht meinem Herrn beauftragt, in dem

Falle, als unser Jäger verurtheilt werden sollte, den hohen Gerichtshof um die Zurück-

gabe des Bergstockes zu ersuchen, mit dem die That geschehen ist, da Seine Durchlauchtden Stock in seiner Waffensammlung als werthes Andenken aufzubewahren gedenkt."Ob das Gericht seinem Begehren willfahrte, weiß ich nicht, in der ganzen Gegend aberwar die Entrüstung groß über den Affront, der dem Schwurgerichte dadurch zugefügtworden.

Selbstverständlich wimmelt es in diesen Bergen und Thälern von großen undkleinen Jagdhäusern und Jagdschlössern. Der Kaiser hat in Steiermark eine Mengesolcher Absteigequartiere; ein Jagdschloß steht in Neuburg , ein hübsches Jagdhaus inMürzsteg , in Eisenerz sieht man im Orte selbst ein großes zweistöckiges Jagdhaus desMonarchen, in der nahen Nadmer (neucstens ein Lieblingsgehege Sr. Majestät) ist einsehr ansehnliches Schlößchen im bekannten Styl, hcllrothe Ziegel und hellbraunes Holz-werk, aufgeführt worden, in der abgelegenen See-Au hinter dem Leopoldstciner See be-findet sich ein kleines, einfaches Jagdhaus, in dem der Kaiser schon zu Sechsen über-nachtet hat, denn in der Nähe, auf den schroffen Abstürzen derSeemäuer" hat er seinenStand. Sogar auf demRadmer-Hals" oben, auf der Paßhöhe, welche aus der Ramsauin die Radmer hinüberführt, fand ich im Walde eine große kaiserliche Blockhütte sammtNebengebäude, ganz hinterwäldlerisch anzusehen, mit bodenfesten Tischen und Bänken ein-fachster Konstruktion im Freien, gerade zu waidmännischem Imbiß tauglich. Von Luxusoder gar kaiserlicher Pracht ist in allen diesen Bauten nichts wahrzunehmen; die Begriffedes Malerischen, Romantischen, welche man wohl an der Hand Walter Scott'scher undGeorges Sand 'scher Romane an fürstliche Jagdschlösser im Hochlande knüpft, treffen hiernicht zu. Ländliche Eleganz höchstens und ein bescheidenes Maß an Bequemlichkeit; oft