Ausgabe 
(15.9.1880) 22
 
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Mgslmrger Postzeitimg.

Nr. 22. Mittwoch, 15. September ^1880.

Wenn alle Welt den Armen läßtUnd wenn kein Herz ihm bliebe,

Am ew'gen Himmel stehst Dn fest,

Stern heiliger Mutterliebe.

Im mer^.an n.

Der Herr Daran.

Novelle von Ludwig Habicht .

(Fortsetzung.)

Nicht möglich! rief Brückenburg ganz betroffen. Tischen Sie mir nicht ein Märchenstuf? Eine Fürstin sollte diesen Burschen gehcirathet haben! Dieser Gedanke alleinschien den Grafen zu beschäftigen und aus der Fassung zu bringen.

Es ist eine Thatsache. Iwan hat als Baron Bloomhaus eine italienische Fürstinheimgeführt, die noch dazu ein kolossales Vermögen besessen hat.

Das ist unerhört! schaltete Brückenburg ganz entrüstet ein.

Er hat dann große Reisen gemacht! fuhr Nasinsky ruhig fort. Zuletzt in Paris ein ungeheuer verschwenderisches leichtsinniges Leben geführt, seine Frau völlig vernach-lässigt, die schließlich Verdacht geschöpft, sie könne es wohl mit einem Abenteurer zu thunhaben und, um allen unliebsamen Erörterungen aus dein Wege zu gehen, hat er einfachseine Frau vergiften lassen.

Unglaublich! dieser nichtswürdige Bursche! rief der Graf mit sittlicher Entrüstung aus.

Nicht genug damit! Der schlaue Patron hat einen Todtengräber bestochen und innächtlicher Weile die Leiche seiner Gattin mit einer anderen vertauschen lassen, um vorjeder Entdeckung seines Verbrechens sicher zu sein, und als er wirklich des Giftmordesangeklagt wurde, kam er auf diese Weise noch einmal aus der Schlinge.

Und Sie erzählen mir keinen Roman, lieber Rasinsky? fragte der Graf äußerstlebhaft.

Ich würde mich nicht erdreisten, Ihnen solche Phantasiegebilde zu liefern, ent-gegnen der Advokat mit seinem ruhigen, kühlen Lächeln. Es sind einfache, nüchterneFakta, die ich Ihnen vorgetragen habe.

Und wie sind Sie zu dieser Wissenschaft gekommen? forschte Brückenburg eifrigweiter.

Ein günstiger Zufall hat mir eine sehr wichtige Zeugin zugeführt, Hie an derfurchtbaren Tragödie mit bctheiligt ist.

Eine ehemalige Geliebte des Schurken, nicht wahr? fragte der Graf hastig.

Sie haben es getroffen Herr Graf, antwortete Rasinsky, der jetzt kaum ein Lächelnunterdrücken konnte. Wo es sich um Frauenzimmer-Angelegenheiten handelte, da ent-wickelte fein Auftraggeber einen ungewöhnlichen Scharfsinn.

Das war gar nicht schwer zu errathen. Ein Mädchen, das leidenschaftlich liebt,