läßt sich zu jeder Schandthat mißbrauchen, spielt aber auch am ehesten die Verrätherin,sobald sie von dem Geliebten betrogen wird.
Ganz unser Fall, bemerkte der Advokat, nun doch etwas überrascht, daß der Grafso genau das Richtige getroffen hatte, und er erzählte ihm, aus welche Weise er zuseiner Wissenschaft gekommen sei.
Der Graf nickte zustimmend mit dem Kopfe. Er empfand einen heimlichen Triumph,daß seine Auseinandersetzung durch den Bericht Rasinsky's bestätigt wurde, und er fragtejetzt lebhaft; Was gedenken Sie nun zu thun?
Ich werde die Sache sogleich bei Gericht anhängig machen und auf Verhaftungdes sauberen Paares antragen.
Gut, sagte Brückenburg, und ich hätte nur dabei den einen Wunsch, daß die Ge-schichte so geheim wie möglich betrieben würde, damit der Schlag die Leutchen um sounerwarteter träfe; denn ich fürchte, daß sie uns sonst im letzten Augenblick noch ent-schlüpfen.
Ich werde dafür sorgen, versicherte Rasinsky und der Graf wußte, daß er sich ausden Advokaten verlassen konnte.
VII.
Die plötzliche Verhaftung der Baronin Vloomhaus und ihres Kammerdienerserregte in den weitesten Kreisen das ungeheuerste Aufsehen. Anfangs wollte man dieNachricht gar nicht glauben; — die schöne, geistreiche, viel umschwärmte Wittwe eineBetrügerin — das war ja unmöglich! bis endlich nähere Mittheilungen über den Grunddieser Maßregel in die Oeffentlichkeit drangen und die dunklen Gerüchte bestätigten, diein Umlauf gesetzt worden.
Als die Gerichtsbeamten in Vloomhaus erschienen, um die Französin zu verhaften,spielte sie anfangs die Empörte und mit wahrhaft königlicher Haltung verbat sie sich diesfreche, unerhörte Eindringen. Mit der steigenden Erkenntniß, daß sich diese Barbarendoch nicht einschüchtern ließen, änderte sie plötzlich ihr Benehmen. Sie verlegte sich auf'sBitten und beschwor unter heißen Thränen und mit wahrhaft rührender Geberde dieBeamten, ihr wenigstens die Freiheit zu lassen, sie sei völlig unschuldig und als auchdieses Mittel bei den rauhen Männern nicht verfing, schlug die weiche gebrochene Stim-mung wieder um und sie überschüttete die Schergen des Gerichts mit den heftigstenVorwürfen und Anklagen und schließlich wollte sie nur der rohen Gewalt weichen. Unterwildem, verzweifeltem Geschrei wurde sie in den mitgebrachten Wagen geschleppt und in'sGefängniß abgeführt.'
Ruhiger fand sich Iwan um sein Schicksal. Er suchte zwar anfangs gegen seineVerhaftung ebenfalls sehr lebhaft zu protestiren; aber als man darauf gar nicht hörte,und ihn ohne Weiteres mit Stricken band und ziemlich unsanft vorwärts stieß, schien erzu ahnen, daß vorläufig doch jeder Widerstand gegen die rohe Gewalt unnütz sei; ermurmelte nur zwischen den zusammengepreßten Zähnen: Ah, diese Schlange! und indemGedanken au diese heimtückische Italienerin ballte er unwillkürlich die Fäuste, denn erglaubte ganz bestimmt, daß dieser Schlag nur von ihr kommen müsse. Darum nahm erauch seine Verhaftung ziemlich leicht. Er hoffte doch, dem Netz noch einmal zu ent-schlüpfen, das ihn: jetzt über das Haupt geworfen worden.
Bei ihrer ersten Vernehmung zeigte sich die Französin äußerst schwierig. Mitunerhörter Zungenfertigkeit betheuerte sie ihre Unschuld und der Untersuchungsrichter ließruhig diesen Nedeguß über sich ergehen. Wenn er auch leidlich französisch verstand, hatteer doch zu seiner Bequemlichkeit einen Dolmetscher herbeigezogen. Als die schöne Frauendlich mit einer theatralischen Geberde, ganz erschöpft auf die harte Bank zurücksank,ließ erst der Beamte durch den Dolmetscher die nöthigen Fragen stellen. Die Angeklagteschnellte sogleich wieder empor und vertheidigte von Neuem ihre Unschuld.
Sagen sie ihr, wandte sich der Richter zu dem Dolmetscher, daß sie visrundzwanzig