Ausgabe 
(20.10.1880) 32
 
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Der Kapitän fleht, wüthet und droht; die Mannschaft schwelgt im Gefühle be-friedigter Rache; aber es genügt ihr nicht mehr, aus Haß gegen einen verabscheutenVorgesetzten Schiff und Leben zu verlieren. Sie will mehr, sie lechzt nach Blut und dringtin drohender Haltung zum Hinterdeck.

Du mußt sterben, Hyäne!" zischt es in sein Ohr,sterben mit uns, aber Duzuerst und mit Dir Deine Spione."

Zu Hilfe, meine Herren Offiziere, zu Hilfe! Ich gelobe Ihnen meine Fürsprache,Beförderung, Orden" die Angst erstickt seine Stimme aber die Offiziere verhaltensich schweigend wie bisher; nur der erste Offizier begibt sich in das Zwischendeck hinunter.Der Kapitän glaubt, er wolle Waffen holen; ein schwacher Hoffnungsschimmer leuchtetauf dem verzerrten Gesicht, doch vergebens harrt er der Rückkehr. Die Sturzseen über-fluthen inzwischen das Deck, der Ozean heult und das Schiff erzittert unter den heftigenStößen der gebrochenen Masten gegen Bug und Seite. Mit diesen Schrecken mischtsich der Angstschrei von Menschen; es sind dies die Spione des Kapitäns. Die Mann-schaft hat sich ihrer bemächtigt, ihnen die Kleider vom Leibe gerissen und peitscht sie er-barmungslos. Blutgieriger Wahnsinn leuchtet aus den Augen der Matrosen, die Offiziereschauen gleichgiltig der furchtbaren Vergeltung zu; der Kapitän bricht in die Kniee undfleht um Gnade. In diesem Augenblick öffnet der erste Offizier die Thür zur Pulver-kammer; ein Blitz und Donner wie von hundert Gewittern und das Schiff fliegt zerschelltin die Lüfte Opfer und Henker werden von den Wellen verschlungen.

Die ist vorüber, der Sturm schweigt, die aufgeregten Wogen glätten sich unddie Sonne sendet wieder friedlich ihre leuchtenden Strahlen zum blauen Ozean hernieder.Eine Stunde später passirt ein amerikanisches Schiff die Stelle, wo das Grausige sichvollzogen. Auf einer gebrochenen Spiere treibt der einzig Ueberlebende der erschütterndenKatastrophe; es ist ein Schiffsjunge, halbtodt und mit schweren Brandwunden bedeckt.Er erzählte den Zusammenhang, aber am anderen Tage war auch er seinen Leiden erlegen.

M i s e e l l e rr.

(Die kluge Hausfrau.) Köchin:Ist es nicht schrecklich, Madame, was jetztdie Eier klein sind?" Dame:Ja, das wird wohl an den Bauersfrauen liegen, dielassen die Hennen nicht lange genug darauf sitzen und nehmen die Eier schon weg, ehesie ordentlich groß geworden sind."

Ein Jude und ein Christ begleiteten ihre abreisenden Söhne zum Postwagen.Handle immer recht!" waren die Abschiedsworte des Christen.Ja wohl meinSohn, handle immer recht," rief der Jude seinem Sprößling nach.

Aus denSpniherbsibrätterr»."

Wenn hniadocglühl die Sonne,

Steht der Mond schon über'm Thal,lind den Abglanz ihrer WonneGießt er aus im feuchten Strahl.

Also bleibt im tiefsten HerzenVon versnnk'nem großem GlückTröstlich für die Nacht der SchmerzenUns ein Widerschein zurück.

Meine Sonne schied für immer,

Meine Liebe schön und jung;

Laß mich ruh'n in deinem Schimmer,

Sanfter Mond, Erinnerung.

_ E. Geibel .

Auflösung des Bnchstabenrebus in Nr. 30:Das Ausland"

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg. Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von vr. M. Huttlcr.