Ausgabe 
28 (16.2.1868) 7
 
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Nr. V.

16. Februar 1868.

Augsburger

Und wenn was umzuthun wäre,

Das würde wobt auch gethan.

Ich frage dich bei Wort und Ehre,

Wo fangen wir's an?

Gvthe

Rache und Liebe.

XI.

(Schluß dieses Kapitels.)

Der junge Beamte war den verschiedenen Gemüthsbewegungen der Creolin aufmerk-sam gefolgt, und sagte dann mit erheuchelter Theilnahme:Ich begreife, wie peinliches Ihnen ist, eine solche Angabe zu machen, aber Sie sind es sich und der ganzenGesellschaft schuldig."

Ich habe Nichts anzugeben, mein Herr."

Wie, es wäre nicht wahr, daß Sie die Gemahlin des Grafen von Vöri-court sind?"

Nein, mein Herr."

Wissen Sie denn, gnädige Frau, wohin die öffentliche Meinung gehen wird, wennman erfährt, daß Sie eine gesetzliche Verbindung läugnen?"

Die junge Frau zuckte gleichgültig die Achseln.

Man wird sagen, daß dann andere Beziehungen vorhanden gewesensein müssen!"

Eine solche Voraussetzung ist eine Niederträchtigkeit."

Sie werden damit Niemand überzeugen, wenn Sie jetzt aus übertriebener Groß-muth Ihre Rechte nicht bekennen, opfern Sie Ihren Ruf."

Luch schien sichtlich ergriffen.

Was beschließen Sie?" drängte der Beamte.

Ein furchtbarer Kampf ging in ihrer Brust vor. Soll sie dem Manne, der sieverrathen, auch noch ihren Ruf zum Opfer bringen!?

Ich erwarte eine Antwort," wiederholte der Beamte.

Ich habe Ihnen keine zu geben; in wenigen Tagen verlasse ich Frankreich ."

Da Sie auf Ihrem Schweigen beharren, so muß ich annehmen, daß Sie wirklichkeine Rechte haben, und Sie im Interesse der Familie Vericourt bitten, diese Gerüchteförmlich zu widerlegen."

Sie scheinen sich der Ehre der Familie Vsricourt allzusehr anzunehmen," sagteLuch mit bitterem Unwillen,überlasten Sie es ihr selbst, mich zu belangen."

Die Zuversicht, mit der die Fremde sprach, bestärkte den Anwalt in seiner Meinung,daß sie den Grafen nur schonen wolle. Er machte sie daher noch einmal auf das Ge-fährliche dieser Sophismen aufmerksam, aber Luch cntgcgncte:Wenn ich des Rathes.bedarf, so suche ich ihn bei solchen, die Alter und Erfahrung haben, aber ich verschmäheaufgedrungene Rathschläge."

Mit diesen Worten erhob sie sich und machte eine leichte Verbeugung, so daß derEtaatsanwalt die Unterredung als beendigt ansehen mußte.Ich sehe, daß ich Sie