Ausgabe 
28 (8.3.1868) 10
 
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als GöNttcr zu bezeugen, er erfuhr, daß Ephraim ein bigotter Jude sei, und ließ beidem Oberrabbi in Fürth die Anfrage stellen, welches die höchste Auszeichnung undWürde sei, welche einem frommen Juden, als solchen, zu Theil werden kann. DieAntwort lautete ganz kurz:Das Oberrabbinat." In Folge dieses Gutachtens er-nannte der König Herrn Ephraim zum Honorar-Obcr-Rabbi . Das Diplom ward demJuden zugestellt. Mit Angst und Entsetzen las Ephraim seine Ernennung, denn er warein im Talmud gänzlich unbewanderter Mann, und die Auszeichnung würde ihn nurdem Höhne Preis gegeben haben. In später Nacht eilte Ephraim zum König, um die-sen zu bestimmen, die Ernennung rückgängig zu machen, ehe dieselbe offiziell bekanntgemacht würde. Mit schwerem Herzen mußte der König nachgeben.Das ist," sagteder König,der erste Mensch, der mir auf meinem Lebenswege begegnet ist, dem selbstein König nichts zu gewähren vermag. Ephraim ist ein antiker Charakter."

(König Ludwig und der Trunkenbold.) Eines Tages schritt KönigLudwig I. durch die Straßen Münchens , da begegnete ihm ein Mädchen, dessen traurigeMiene ihm auffiel. Das Mädchen war von wundervoller Schönheit und der Ausdruckdes Kummers verschönerte dessen Antlitz. Der König redete das Kind an und fragtenach der Ursache seiner Traurigkeit. Das Kind blickte in die großen hellen Augen desihm unbekannten Mannes und faßte sogleich Vertrauen Es erzählte, daß der Vater,ein Trunkenbold, die Mutter mißhandelt habe, die Mutter sei in Folge dessen krank,zudem fehle es an Allem im Hause. Der König ließ sich von dem Kinde in das HauSseiner Eltern geleiten, er sah mit eigenen Augen, daß das Kind nur zu wahr gesprochen;er ließ den Vater herbeirufen. Dieser, ein trotziger Mann, kam mit störrischer Mieneherbei, sah und erkannte den König und sank zerknirscht vor Reue auf die Knie. DerKönig machte dem Manne Vorstellungen, und um seiner Besserung gewiß zu sein, nahmer ihn in seine Dienste. Der Mann ward ein treuer, verläßlicher Diener, dem derKönig blindlings vertrauen konnte. Mit Stolz stellte er nach Jahren einmal diesenMenschen dem Czaren vor, mit den Worten:Diese Seele habe ich vor dem Verfallegerettet." Noch vor wenigen Jahren lebte der treue Georg, dessen Tochter gegenwärtigin München unter glücklichen Verhältnissen verheirathet ist.

(Eine große Seele.) Ein Greis an Jahren, besaß König Ludwig I. dieRüstigkeit und frische Kraft eines Jünglings, seine Lebensweise war eine höchst einfacheund regelmäßige. Wohl trafen sein Haupt manche schwere Schicksalsschläge, hoffnungs-reiche Kinder und Enkel sah er vor sich in's Grab wanken, sein Herz blutete, doch seineSeele blieb von den Stürmen ungebrochen. Als er den Tod des Königs Max II. er-fuhr, trat er an das offene Fenster und blickte zu dem wolkcnbedeckten Himmel empor,den ein Blitz durchzuckte und während der Donner rollte, murmelte er mit Thränen inden Augen:Mein Sohn! wie dieser Blitz, so schwand Dein Leben." Währ.nd derRegen in Strömen sich ergoß, wandelte er sodann in seinen Gedanken versunken unterden Trümmern des alten Rom, und als er in seine Villa zurückkehrte, war sein Gemüthberuhigter und er schlief ruhig ein. Als König Ludwig den Tod seiner heißgeliebten Toch-ter, der Erzherzogin Hildegarde erfuhr, rief er, des eigenen Wehes vergessend:Barm-herziger Gott! tröste die verwaisten, armen Kinder." Mit thränenden Augen brach erdie Blumen, die den Sarg der früh Heimgegangenen zu schmücken bestimmt waren.

Ueber die Beschaffenheit der Sonne haben sich die Ansichten bedeutendgeändert, wenn. man die Jetztzeit mit einer nun längst vergangenen Zeit vergleicht.Früher dachte man sich den Sonnenkörper von einer Lichtsphäre umgeben, während er