Piraten-HäuptlingS Stimme, „fang das Schlepptau, das wir Dir hinüberschicken, nimmes doppelt, berühre aber Niemand im Boote, bleibe auf Deinem Schiffe, und thue, waSDir besohlen wird?'
Da hat man keine Lust, Fuß an Bord zu seyen, dachte Wullier, dankte für dieGyade, die Brigg in's Schlepptau zu nehmen, sprach im Vorübergehen seinen Leutenunter Deck Muth und Ruhe zu, schloß den Luckdeckcl, und schickte sich an, die Befehledes Piraten zu erfüllen.
Der Wind war schwach, dennoch frisch genug für die Schcbeke, die sich trotz ihrereingehöhltcn und zum Theile gestrichenen Segel immer, etwas weiter entfernte, und cSdadurch möglich machte, daß Wullier Zeit und Gelegenheit fand, dem Steuermann Mutheinzusprechen, den Kapitän der Brigg durch die Mannschaft von Allem in Kenntniß zusetzen und so mit Sorgfalt und Klugheit seinen Plan ausführen zu können; das großeSegel war thcilwcisc aufgcgcit, die Marscgel ebenfalls, die Bramsegel nur flatterten un-ordentlich um die Tope der Stangen, wurden aber durch die Brassen in die Richtungdes Windes gebracht. Ein Boot wurde ausgeworfen, nm das Schlepptau unter dieBrigg zu bringen, woselbst angelangt, es mit der größten Vorsicht an die eisernenTreppenklammcrn befestigt und von Wullier mühsam bis an's Vvrdcrtheil gebracht wurde.Dort angebunden, wurde es bald von der Schcbeke straff angespannt. Da sie nunwieder alle ihre Segel dem Winde ausgesetzt hatten, wandle die Brigg und brachte sieschnell in ihr Fahrwasser.
(Fortsetzung folgt.)
König Ludwig S. und der Jude Ephraim.
Ein Jude, Namens Ephraim, erschien eines Tages bei König Ludwig I. , um ihmeinen geschnittenen kostbaren Stein von seltenem Werthe zu verkaufen, er hatte das Kleinodererbt, und konnte für denselben keinen Käufer finden, denn derselbe hatte den Werthvon einigen tausend Gulden.
Dem Könige gefiel das Kleinod sehr, er zahlte die verlangte Summe und derJude verließ ganz glücklich den Palast. Eines Tages erschien ein berühmter englischerArchäolog am Hofe des Königs, dieser ließ den geschnittenen Stein demselben zur Ansichtvorlegen. Der König nannte den Preis, um welchen er den Schatz an sich gebracht. —„Ich hätte," sagte der Kenner, „den zehnfachen Werth namhaft gemacht." Der Königwar hierüber erstaunt, und als von anderer Seite ihm das bestätigt wurde, ließ derKönig den Juden herbeirufen, um ihm den vollen Werth auszahlen zu lasten. Ephraimweigerte sich, das Geld anzunehmen. „Der Handel ist geschlossen, das geht nichr," sagteer, „im entgegengesetzten Falle hätte ich Euercr Majestät auch kein Geld zurückgezahlt."
„So Hütte ich Sie geklagt und dazu gezwungen," sagte der König.
„Majestät hätten den Prozeß sicher verloren, denn der Handel ist geschloffen."
„Ich kann mir von keinem meiner Unterthanen etwas schenken lasten," sagte stolzder König.
„Und ich nehme auch von Niemanden ein Geschenk an, selbst wenn es mein Königwäre," sagte der Jude.
„Und wenn ich Ihnen einen Orden gäbe," versetzte Ludwig.
„Majestät, ich würde ihn nicht annehmen, denn ich habe ihn durch nichts verdient."
„Sie sind der ehrlichste nnd uneigennützigste Mensch, der mir je vorgekommen ist."
„Das verdient keine Auszeichnung, das ist nur meine Pflicht."
Der König reichte dem ehrlichen Ephraim die Hand und sprach: „Seien Siemein Freund, ich bitte Sie um Ihre Freundschaft," und schloß den alten Mann gerührtin seine Arme. Ephraim ward der Freund des Fürsten , obgleich er nur wenig besaß,erbat er sich doch nie eine Gunstbczeugung. Der König war bestrebt, sich seinem Freunde