Ausgabe 
28 (8.3.1868) 10
 
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(Ein fataler Mißgriff.) Bärcnschinken sind zjvar ein beliebter und wirklichvortrefflicher Bissen, dennoch dürfte es selten vorgekommen sein, daß Jemand, der sich inden Besitz eines Schweines und dessen Schinken zu setzen bemüht ist, dafür einen Bären nicht etwa anbindet sondern wirklich antrifft und erfaßt. Doch selbst in unsererZeit ist die Romantik nicht erstürben, das zeigt folgende, ergötzliche und wirkliche wahreGeschichte. Ende Januar d. I. wurde in Schwebt a. O. bei Berlin zwei große, starkeTanz-Bären herumgeführt, die auf der Tour nach Angcrmündc ihre Gcschicklichkeit imTanzen auf der Straße zeigten. Gegen Abend zog die Truppe weiter, um in demDorfe Flehmsdorf an der Chaussee nach Angermünde zu übernachten. Der dortigeGastwirth verweigerte jedoch den fremden Gästen mit ihrer unheimlichen Begleitung einUnterkommen, unter dem Vorgeben, daß er nur einen Schweinstall habe, der von einemMastschwein besetzt sei und deßhalb die Bären nicht placiren könne. Auf Requisitionder Ortspolizei mußte der Gastwirth jedoch wider Willen Unterkommen schaffen, und esblieb ihm deßhalb nichts Anderes übrig, als das fette Schwein auf die eine Nacht auSdem Stalle zu entfernen und denselben den Bären einzuräumen An dem Vormittagedesselben Tages war beim Gastwirthe ein Händler gewesen, welcher um das fette Schweingehandelt hatte; der Handel war indeß nicht zum Abschlüsse gediehen. Dieser Händlerfand es nun bequemer, sich das Schwein in der Nacht, und zwar ohne Geld zu holen.Zu dem Zwecke kam er mit einem Wagen, den er von der Seite des Weges an dasGehöft des Gastwirthes gebracht hatte, und erbrach in Gemeinschaft mit einem Gehilfenden Stall, um das fette Schwein schnell und in aller Stille fortzuschaffen. In dernächtlichen Finsterniß tappte der Schwcincdieb im Stalle umher, aber, Iwiribils ciiotu,er erfaßte die rauhen Füße des einen Bären, ehe er jedoch seinen Irrthum einsah, hatteihn dieser, über diese nächtliche Störung erbittert, bereits mit seinen Tatzen erfaßt undfing an, ihn auf das Schrecklichste zu zerfleischen. Auf des Ertappten und seines Ge-fährten Geschrei gelang es dem herbeieilenden Gastwirthe, noch ehe Schlimmeres geschehenwar, die Besitzer des Bären zu rufen und den Dieb aus den Klauen desselben zu retten.Derselbe ist namentlich an Gesicht und Brust schrecklich zerkratzt, so daß er, wenn er auchdas Augenlicht behalten sollte, jedenfalls sein Lebenlang gekennzeichnet bleibt.

Jemandem, der nicht einmal seinen Namen schreiben konnte, wurde einst ein Schrift-stück zur Unterschrift vorgelegt. Als er zu seiner Beschämung seine Unkenntniß einge-stand, sagte ein Spaßvogel:Das können Sie bald lernen; machen Sie nur eine Nullund ein Kreuz (OX)!"

Charade

(Viersilbig.)

Ist das Erste stark und breit.

Wird mit großer LeichtigkeitOdne viel und lang zu rasten,

Uns auch zentnerschwere LastenJener bringe» stundenweit,

Der, wenn ihm das Zweite gilt,

Kaum sich sehr geschmeichelt fühlt.

Läßt sich dieser darauf ein,

Rechts uud jinks sich so zu drehen,

Wie's die Leute gerne sehen,

Wird er bald das Ganze sein.

Auflösung der Charade in Nro . 8:

Todtenczräber ."

Druck, B-rla» und Reduktion d«s lileratischrn Instituts von vr. M. Huttlii.