Nr. 1L
15. März 1868
Augsbnrger
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Ohne Seelenruhe wird nichts Großes. Wo kleine Leiden-schaften an den Menschen zerren, kann er nur abgebrochenekleine Dinge thun. Selbst wo starke Leidenschaft großeDinge bewirkt, ist eine Art von Stille in der Seele.
F H. Jacobi.
Dem Gedächtnis; König Max SL. von Bayern .
-j- 10. März 1864.
In dumpfen- Schlägen dröhnt es noch vom ThurmDem Volke kündend, was es jüngst verlorUnd noch umhüllt der schwarze Trauerflor
Des Baycrnlandes ruhmbedeckt' Panier-
Da hebt schon wieder sich, inmitten Blumenzier'
Ein Katafalk, und von dem hohen ChorDes Doms erbraust der Orgel FeiertonZum ke-guii-m für König Max, den SohnDes greisen Vaters, Den des Schicksals SturmZur Gruft der großen Ahnen jüngst beriefUnd Der, wie Max, für uns zu früh entschlief.
Zwei Särge mehr in diesem dunklen RaumUnd von zwei rühm- und thatenreichm Leben,
Von Gott zur Wohlfahrt uns'res Land's gegeben.
Zwei todte Herzen und — ein Hcrrschertraum!
Der Sarkophag umschließt die theure Hülle,
In Der ein Baterhcrz dem Volk' geschlagenDas, bis man Es zu Grabe hat getragenBemüht war, Seine Sendung zu erfüllenUnd Das wir stets in tiefem Schmerz beklagen.
Ja — um zwei Fürsten weint Bavaria heuteUnd um zwei Herzen, nun des Todes Beute!
Nach Maxens Gruft, der Stadt am IsarstrandeWorin der König schläft den TodesschlummerIn der Er ausruht von der Krone Kummer,
Wallfahrtet heut' im Geist das Bayernland.
Die Thräne fließt — ein schuldiger Tribut —
Ihm, Der so viel des Großen that hienicdenDem Seiner Kinder Wohl Sein höchstes Glück,
Und Der mit Seinem Volke hielt den Frieden.
Nun ruht sie aus die todte Königshand,
Die voll des Segens, durch ein großes LebenDem Land sein Glück, dem Volk sein Recht gegeben.