Ausgabe 
28 (5.4.1868) 14
 
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Doch kommt der Morgen hell und klarDann schwindet fort der Sterne Schaar;Man weiß dann nicht, wer wohl zuvorZu sich beschick der Brüder-Chor:

Wie droben cin's erbleicht, zur Stund'Ein Licht erlischt im Meeresgrund:Zuletzt ist nirgends eine SpurIm Meer von ihnen, im Azur.

Nicht also, Ludwig, zog Dein GlanzVorbei am Aug' des Bayerlands.

Nein, nein! Der Sonne glich Dein Licht,Die, fern auch, durch das Dunkel bricht:Denn wenn sie Abends geht zur Ruh',Und Nacht nun deckt die Erde zu,

Dann sendet Licht sie vom AzurIn Mond und Sternen auf die Flur.

Dein Sonnenglanz hat's Land erfreut,Hat es beglückt, hat es erneut.

Gebettet still in Grabes GrundDu ruhest nun zur letzten Stund:Die Werke doch, die Deine HandSchuf überall im Bayerland,

Die Segenspenden, die sie trugAllübcrallhin mild und klug.

Die Augen, die getrocknet hat

Die Rechte Dein durch Schutz und That,

Die Herzen denen Deine Mild'

Gleich Balsam stillt' die Schmerzen wild:Das, freu Dich! sind die Sterne traut,Die zeugen von der Sonne laut,

Die ihnen in der tiefsten NachtEin leuchtend Licht hat überbracht.

Drum wie aus Tempeln nah' und fern,Bon Dir erbaut dem höchsten Herrn,Sich schwinget, Weihrauchwolken gleich,Gebet empor an Liebe reich;

So auch aus tausend Herzen schlichtDer Bitte heißes Flehen bricht,

Zum Vaterhcrzeu, Vatcrsthron,

Daß herrlich werde Dir Dein Lohn.

Wenn Morgens auf der grünen AuEin Blümchen steht benetzt von Thau:Ein Sternlein wohl, man weiß sich Rath,Die Thräne hier vergossen hat".

Du Sonnenblume voller Glanz,

Du Sonne Selbst des Vaterlands!

Aus wie viel Sternen mag der QuellDer DankeS-Thränen brechen hell,

Aus wie viel Augen licht und klarSich schleichen still ein Thränenpaar,Als schönster Schmuck, als schönste ZierDas stille Grab benetzen Dir?

Wie zahllos sind, die Du beglückt,

Die Du beschirmt, die Du erquickt,

So mögen's auch die Thränen sein,

Die Dir befeuchten Deinen Schrein.

Kein Wunder, traun! wenn schmerzerfüllt,Von tiefstem Leid das Herz durchwühlt,Ein ganzes Volk umsteht das Grab,

In das Du, Ludwig! stiegst hinab:Ein Vaterherz in Dir ja schlug,

Voll Liebe brach's im letzten Zug;

Ein Vat eräug' so mild, so klarWard Dir im letzten Blicke starr.

Doch, Heil dir! treues Bayerland,

Daß dieser Fürst die Ruhe fandIn deiner Mitte, deinem Schooß':

Dem Himmel Dank für dieses Loos!Heil Dir auch, edles Königsherz IKein treuer Volk mit ticf'rem Schmerz'Könnt' Deines Grabes haben Acht,

An Deinem Sarge halten Wacht.

Vergessen Dein, das kann es nicht,

Du hcimgegang'nes Sonnenlicht!

Die Wunde brennt, der Schmerz ist wild,Zu tief gedrückt in's Herz Dein Bild.Wenn längst verstummt ist unser Mund,Dein treues Volk Dein Lob macht kund:So lange Sterne droben zich'n,

Die Herzen Dir in Lieb' erglüh'n.">

Du aber, edler Königsgeist,

Des Volk's, das Du geliebt zumeist,Gedenke betend; bet' für's LandAm Rhein - und Main- und Donaustrand»!Bet' innig warm, in Liebe fest:

Viel Wetter dräu'n von Ost und West,Vom rauhen Nord, vom warmen SüdEin Wetterleuchten flammend glüht."