Nr. S8.
12. Juli 1868.
Arrgsbirrger
So»ntaas-BIat
Nicht Alles ist an Eins gebunden,
Seid nur nicht mit euch selbst im Streit!
Mit Liebe endigt man, was man erfunden;
Was mau gelernt, mit Sicherheit.
Göth e.
Clementina.
III.
Bor etwa zwölf Jahren war es, als einst die Todtcnglocke des Dorfes ertönte, undwie jetzt ein schwarzer Flor das Wappenschild des „großen Hauses" umhüllte.
Während der größte Theil der Dorfbewohner eine Bahre begleiteten, welche sich be-reits dem Fricdhof näherte, suchten die im großen Hause Zurückgebliebenen die armeCatalina zu trösten, sie, die Wittwe geworden war mit fünf Kindern, deren ältestes13 Jahre, das jüngste ein paar Monden zählte.
Heilige Mutter Gottes! rief Catalina unter Thränenströmcn aus, habe Erbarmenmit meinen armen Kindern, die auf der weiten Welt keinen Schutz mehr haben außermir schwachem Weibe!
Catalina, sagte eine der Nachbarinnen zu ihr, ängstige Dich um Gottes willen nichtso maßlos. Schutzlos und verlassen wird dein Haus nicht bleiben. Denn hast Du auchnoch kleine Kinder, so wird Dein Miguel doch gar bald herangewachsen sein, und wenner bis jetzt glcichgiltig und muthwillig war- so wird er von nun an arbeitsam und ver-ständig sein, und Vaterstelle an seinen Geschwistern vertreten.
Nein, nein, das wird er nicht, klagte Catalina, das war eben der schwerste Kummer,unter dem gestern mein armer Jgnatio seine Seele dem Herrn empfahl.
Und Catalina, ihre Kinder und alle Anwesenden verdoppelten ihre Thränenund Klagen.
Da erhob sich Plötzlich Miguel, der, in einem Winkel des Zimmers zusammenge-kauert, geweint hatte, mit der Gebcrde eines Menschen, der einen endgiltigen, festen undunumstößlichen Entschluß gefaßt hat, trocknete seine Thränen mit dem Rücken der Hand,trat vor seine Mutter und rief kraftvoll und feierlich:
Mutter! meine Spiele und meine Sireiche sind zu Ende! Heute wird zum Mann,der gestern noch Knabe war. Meine Geschwister haben ihren Vater verloren, aber es istnoch ein Jemand da, so brav und arbeitsam und zärtlich, wie der Geschiedene. Jungbin ich noch, aber Gott wird mich stärken an Leib und Seele, um für Mutter und Ge-schwister Schutz und Trost zu sein.
Mit diesen Worten trat Miguel zu dem Fenster, aus dem man nach der Anhöhedes Friedhvfs sah, über dessen Schwelle vielleicht in diesem Augenblick der Sarg seinesVaters getragen ward. Er breitete die Arme nach der Gegend des Friedhofs aus,und rief:
Geliebter Vater, ruhe im Frieden im Schooßc Gottes, denn ich gelobe Dir bei demHeile meiner Seele, daß ich Mutter und Geschwister lieben und schützen will, wie Dusie gesiedet und gcschützet hast!
Catalina drückte ihren Sohn an das mütterliche Herz, und süße Thränen der Rüh-rung mischten sich unter die herben des Schmerzes.
Ich segne Dich, Herzcnssohn! rief sie aus. Möge Dir auch Gott seinen Segen