Ausgabe 
28 (19.7.1868) 29
 
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Nr. 83

19. Juli 1868.

Angsburgee

on

Versuchs und überlreibs einmal,

Gleich ist die Welt von Dir entzückt;

Das Grenzenlose beißt genial,

WLr's auch nur grenzenlos verrückt.

Paul Heyse .

Clementi»«.

IV.

Die Sonne war im Begriff, hinter den das Thal beherrschenden Anhöhen nieder-jagchen.

. Es war der Vorabend des St. Antons-Festes, und ein außerordentliches Lebenwar in dem Dorfe, welchem unaufhörlich neue Fremdlinge zuströmten.

Unsere besondere Aufmerksamkeit verdient ein hübscher junger Mann, der auf einemstattlichen Rappen, die Büchse am Sattelbogen befestigt, vor des Bürgermeisters Woh-nung abstieg.

Die Glocken läuteten fröhlich zusammen, und nicht minder fröhlich ertönten dasTamburin auf dem Kirchplatze.

Tamburin und Glocken verkündeten das Fest des folgenden Tages.

Von Dilbäo und Portugaleta kamen die Landmädchcn in Menge mit Körben vollerMundvorräihe auf den Köpfen.

> Die Häuser des Dorfes glänzten blankgcschcuert, und fast in einem jeden siel einLamm als Festopfer.

Die Metzig des Ortes, in welcher sonst nur Sonntags eine Kuh geschlachtet wird,erlebte an diesem Tag den Opfertod von zwei der trefflichsten Mastochsen, die sich iu denfruchtbaren Ebenen des Durango ihrem Sterben zufütteru.

Verschiedene Häuser zeigten über der Thür den frischgcpftückten Zweig vom Erdbeer-baum, um den Anstich eines frischen Fasses Landwein anzuzeigen.

Eine Koppel von sechs Maulthieren war vor der Schenke des Dorfes angekommen,und hatte ein Dutzend Schläuche voll Schiller abgeladen, während sonst zu ihrer Ver-sorgung ein Paar Schläuche vollauf genügten.

Und um endlich den Ton des fröhlichen BildcS, das wir zeichnen, in Etwas hcrab-zustimmen, auch eine Menge Blinder, Lahmer und Krüppel schleppten sich dem Dorfezu, in der Hoffnung, deS folgenden Tags eine kleine Erndte zu halten auf Kosten derallgemeinen Mildthätigkeit.

Mitten in dem Glücke und der Freude, welche die baskischcn Wallfahrts -Fcsie beleben,betrübt man sich herzlich über das Schauspiel, welches dabei die Hunderte von Bettlerndarbieten. Wahrlich, ihr Geschrei bildet einen traurigen Gegensatz zu dem fröhliche»

- Geläute der Glocken, den lustigen Klängen des Tamburin und den Jubelrufen der Fcstbesucher.

, Und gibt es denn in diesem Land keine Möglichkeit einer Gesetzgebung, die diesem

^ traurigen Schauspiel ein Ende machen könntp? Sie sei, wie sie wolle: in den Herze»

dieser edlen Bergbewohner ist die Wohlthätigkeit so tief gewurzelt, daß keine menschliche»Gesetze sie abhalten können, dem Armen, der an ihrer Thüre klopft, den Schutz ihrer' Gastfreundschaft zu gewähren. Und wenn ihr ihnen sagt:ihr beobachtet die Gesetzedes Landes, indem ihr die Bettler zurückweiset." so antworten sie euch:Gottes Gesetz.

> erfüllen wir, indem wir sie aufnehmen."