Ausgabe 
28 (19.7.1868) 29
 
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Und warum das?

Ich werde nicht zum Tanze gehen, wenn Sie nicht kommen.

O, wie falsch sind die Männer!

Ich bin es nicht.

So weit waren Clementina und der Fremde in ihrem Zwiegespräch gekommen, alsdie Leute anfingen, die Kirche zu verlassen. Der Fremdling beeilte sich, beizufügen:

Und wenn Sie zum Tanze kommen, werde ich das Glück haben, mit Ihnenzu tanzen?

Das Glück wird auf meiner Seite sein, antwortete Clementina treuherzig, und zogsich vom Balcon zurück.

Viele der Fremden waren heute Gäste am Mittagstische des Majoratsherrn. DasMahl ging zu Ende; Fröhlichkeit strahlte auf allen Gesichtern. Nur Catalina und ihreKinder gedachten mit Wehmuth früherer Zeiten, wo der Geschiedene, der jetzt auf demnahen, vom Speisezimmer aus zu erblickenden Friedhof in ewigem Schlummer ruhte, aufdem Platze saß, den jetzt sein Sohn Miguel einnehmen mußte.

Unter den Gästen war mehr als Einer, der gesehen hatte, wie der Fremde Clemen-tina das Weihwasser bot. Sie war daher der Gegenstand mancher unschuldigen Scherze,welche sie gleichwohl nicht anhören konnte, ohne verwirrt und voll Beschämung die Augenzu Boden zu senken.

Wer ist denn dieser Fremdling? fragte ein Bruder des verstorbenen Ignatio, einBürger von Bilbäo, der sich unter den Gästen befand.

Ich weiß es nicht, erwiderte Miguel. Er ist im Haus des Bürgermeisters abge-stiegen, und man nennt ihn Don Juanito.

Ich frage darum, setzte der von Bilbao hinzu, weil ich mich zu erinnern glaube,daß ich ihn in unserer Stadt mehrmals mit einer Dame gesehen habe.

Mit einer jungen? fragte Clementina.

Jungen und hübschen, antwortete ihr Oheim; und das Gespräch wendete sich einemandern Gegenstände zu, nachdem Clementina's Frage noch einige scherzhafte, wiewohlgutmüthige und wohlwollende Bemerkungen hervorgerufen hatte.

Clementina wurde immer nachdenklicher und trauriger. Der Abend kam heran; ausdem Kirchplatz ertönte bereits ohne Unterlaß das Tamburin, man tanzte, was mankonnte, Leben und Eifer waren außerordentlich.

Auch Clementina tanzte mit Don Juanito, dem Fremdling.

Zwischen den einzelnen Tänzen unterhielten sie sich mit einander. Wir wissen nicht,was der Fremde zu Clementina sagte; gewiß ist nur, daß sie erröthend die Augenniederschlug, in welchen gleichwohl der Strahl der Freude funkelte.

Schon dämmerte es; Leben und Lust auf dem Tanzplatze erreichten ihren Gipfel.

Da läutete die Glocke zum Gebet. Das Tamburin schwieg, der Tanz hielt inne;die Männer nahmen ihre Mützen ab, und sie wie die Frauen unbeweglich und schwei-gend, beteten ihr Ave Maria.

Die Lustbarkeit des Tages war zu Ende. Die Festbesucher zerstreuten sich nachallen Richtungen, unter frohen Liedern und betäubenden Jauchzern.

Die Mutter wird mich wohl schon suchen, sagte Clementina zu Juanito, im Be-griff, von ihm Abschied zu nehmen.

Werden Sie beständig und treu bleiben? fragte der Fremde.

Sie werden es weniger sein, als ich.

Ich? bis zum Tode.

Ja, bis Sie mir den Rücken gewendet haben. Aus den Augen, aus dem Sinn,wie das Sprichwort sagt.

Clementina, Ihr Zweifel an meinem Wort beleidigt mich.

So wie mein Oheim Sie wieder mit der junger, schönen Dame siebt, sagt er mir Alles.