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Ich habe schon gesagt, daß Ihr Ohrim fic täuscht.
Wirklich?
Ich schwöre es.
O betrügen Sie mich nicht.
Himmel und Erde mögen lügen, bevor mein Wort sich als falsch erweist.
Gut denn. Kommen Sie bald wieder hicher.
Wie kann ich anders, da ich meine Seele hier laste?
Gehen Sie, Spötter!
Clcmentina, komm, es ist Zeit, sagte in diesem Augenblicke Catalina, welche in derThat ihre Tochter suchte, und ihrer gerade eben ansichtig wurde.
Dou Juanito drückte Clementina's Hand zum Abschied. Sie gab ihm eine schöneNelke, die sie zwischen den Lippen hielt, und um welche er sie schon vergeblich gebetenhatte, und eilte davon, um mit ihrer Mutter zu gehen. Don Juanito suchte den Bür-germeister auf, welcher, begleitet von den übrigen Gerichtsleuten, unter den Tamburin-Klängen eines fröhlichen Marsches den Fcstplatz verließ.
V.
Es war ein Jahr später.
Der Tag war ungemein heiß; denn der Juni ging seinem Ende zu.
Catalina und ihre Kinder gingen zu Tische in einem schönen und kühlen Speise-Zimmer, welches gegen Norden einen Balcon hatte, der von einer prachtvollen Reblanbtüberdacht war.
Auf dem Balcon saß Clcmentina und nähte.
Nun, Tochter, sagte Catalina, laß das Nähen und komm zum Esten.
Mutter, esset Ihr, ich habe keine Lust, erwiderte Clcmentina traurig, ohne ihrenPlatz zu verlassen.
Aber willst Du denn von der Lust leben, wie ein Hamulerc?
Was kann ich thun, Mutter, wenn ich keine Eßlust habe?
Liebe Mutter, sagte Miguel, so sehr und oft uns auch der Arzt versichern mag,daß die Schwester nicht eigentlich krank ist, ich glaube, daß sie es ist, und daß man einenandern Arzt holen sollte, sie zu besuchen.
Wir wollen sie nach Alonsotegui führen. (In diesem Orte lebt ein Arzt, Namen-Arregui, von dessen Leistungen man sich im westlichen Theile Biscaya's Wunder erzählt.)
Clcmentina hörte der Mutter und dem Bruder gleichzeitig zu.
Nun, Tochter, was sagst Du zu Deines Bruders Plan?
Ich mag nicht nach Alonsotegui gehen, denn es würde mich nur furchtsam undtraurig machen, durch jene Einöden am Ufer deS Cadagua hinzuziehen.
Aber für Dich ist ja Lust und Trauer einerlei. Das St. Antons-Fest letzthin warja äußerst fröhlich, und dennoch gab es kein Mittel, Dich zum Tanzen oder Lachenzu bringen.
Clementina's Augen füllten sich mit Thränen. Sie trocknete dieselben an ihrerNäherei, indem sie sich den Anschein gab, als neige fic das Gesicht, um mit ihren schönenweißen Zähnen den Faden abzubeißen.
Nun denn, Mutter, fuhr Miguel fort, wenn sie nicht nach Alonsotegui mag, fvwird es das Beste sein, sie nach Bilbäv zu führen.
Clcmentina fuhr zusammen, als ihr Bruder den Namen der „unbesiegten" Basken-Stadt aussprach, und ihre Augen glänzten vor Freude.
WaS sagst Du, Kind? Willst Du nach Bilbäo gehen?
Ja, Mutter, denn dort werde ich, wenn ich mich auch nicht erhole, wenigstens denOheim und die Seinigcn sehen, die mich so wohl mögen.
Nun, so höre. Als Euer Vater selig starb, gelobte ich der heiligen Jungfran, mit
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