Ausgabe 
28 (19.7.1868) 29
 
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Euch zu ihrem Altar in Begonna zu wallfahrten, wenn um ihrer Fürbitte willen, mirder Herr noch zehn Lebensjahre schenken würde, um Euch zu erziehen. Die zehn Jahrefind nächstens vorüber, und ich will mein Gelübde erfüllen. In 14 Tagen wird dasFest der Mutter GotteS von Begonna sein; auf diesen Tag wollen wir alle miteinandernach BilbLo gehen. Bei der Gelegenheit wollen wir einen vorzüglichen Arzt zu Ratheziehen, und Du kannst dann noch eine Zeit lang bei unsern Verwandten bleiben, umDich zu zerstreuen und zu erholen. Wie gefällt Dir mein Plan?

O wie sehr, liebe Mutter! erwiderte Clemcntina, die mit einem Male ihre frühereHeiterkeit wieder erlangte.

Sie war in der That zu bedauern. Ihr Gesicht, sonst so rosig, freudevoll undblühend, zeigte die Spur tiefer Leiden, deren eigentlichen Grund der bescheidene Dorsarzdvergeblich zu errathen suchte.

Aber um Gotteswillen, hatte Caialina oft zu ihm gesagt, können Sie mir denn garnicht sagen, was meiner Tochter fehlt, daß sie so aus den Kleidern fällt, und immervoll der Traurigkeit des Todes ist?

Der Arzt erwiderte, Clemcntina kränkle eben an einem Nervenleiden.

Ach, was diese Nervenleiden so heimtückisch sind!

Ja, in der That, höchst heimtückisch!

Aber gibt es denn gar kein Mittel dagegen?

Was kann man da sagen! Lindenblüthenthee, mäßige Bewegung und Zerstreuung,dieß ist Alles, was ich für Clemcntina empfehlen kann. Doch nein, ich irre mich; etwasAnderes wäre noch bester für sie. . .

Und was?

Heirathen.

Ja, da kommen Sie meinem Kinde eben recht. Es ist ja säst kein junger Mann«ehr im Dorfe, den sie nicht mit einem Korbe heimgeschickt hätte.

(Fortsetzung folgt.-

Das Barometer als Wetterglas.

Jeder, dem ein Barometer zur Beobachtung zu Gebote steht, fragt dasselbe umRath, wenn ihm daran gelegen ist, die bevorstehende Witterung zu erfahren. Es ge-schieht dirs mit Recht. Denn auf das Fallen des Barouieters folgt durchschnittlich Regen,dagegen auf das Steigen desselben in der Regel schönes Wetter. So wohl dies Jedembekannt ist, so misten doch Manche nicht., warum es so geschieht. Wir wollen suchen,die Sache zu erklären.

In unserem Klima sind zwei Windrichtungen vorherrschend, die Richtung vonNordost nach Südwest und jene von Südwcst nach Nordost. Der von Nordost kommendeLuststrom ist kalt, schwer und trocken, der von Südwest wehende dagegen warm,leicht und feucht. Haben wir Nordostwind, so wird darum das Barometer hoch stehen«nd der Himmel klar sein. Denn kalte Luft ist dichter und darum schwerer als warmeund in trockner Luft können sich keine Regenwolken bilden. Weht dagegen der Wind ausSüdwcst, so steht das Barometer tief und der Himuiel ist trüb; denn warme Luft istminder dicht und darum leichter als kalte und in feuchter Luft kann sich Regen bilden.Die durch den ganz unregelmäßigen Wechsel dieser Winde bedingten verschiedenen Baro-meterstände nennt man die unregelmäßigen Schwankungen des Barometers. Beieiniger Aufmerksamkeit auf den Gang des Barometers kann man aber auch leicht r c»gelmäßige Schwankungen untcrsäeidcn und zwar sowohl tägliche als jährliche, diebedingt sind durch das periodische Steigen und Sinken der Temperatur. Da Kälte dieLust verdichtet, also schwerer macht, Wärme dagegen sie ausdehnt und darum leichtermacht, so muß nicht nur im Winter daS Barometer im Allgemeinen höher stehen M