Ausgabe 
28 (19.7.1868) 29
 
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wkrde, wurde Derjenige, welcher den Ftlsm bezwingen wollte, durch ein gerechtes UrtheilGottes von dem Felsen Helena zu dem schrecklichen Richter-Stuhle gerufen und zwar: amL. Mai dem Namensfest des Nachfolgers Petrus . (PiuS.)

Bei dem Tode Pius Vlk.

Als Pius nach errung'ner Martyr-Krone,

Die Irdische vertauscht mit ew'ger Ehre,

Begrüßter, freudig ihn des Himmels Heere,

Und führten ihn bekränzt zu Gottes - Throne.

Und als er vor dem Vater stand und Sohne,

Sprach Gott zu ihm: Du hast durch That und LehreUnd Dulden mir gedient; darum gewähreIch jede Deiner Bitten Dir zum Lohne.

Und vor dem Thron des Lichts sank Pius nieder,

Verhüllt' sein Antlitz und erhob es wiederUnd sprach: Willst Du, o Herr, das erste BittenDes letzen Deiner Knechte jetzt erfüllen,

O 10 vergieb dem Mann*) durch besten WillenAuf Erden ich so viel für Dich gelitten.

*)Dieser eiserne Mann konnte selbst dem Eindrucke der im obigen Sonett so schön geschil-derten christlichen Milde und Liebe des edelsten PiuS nicht widerstehen, und nannte ihn aufSt. Helena un bon. ,I<iur «l, brave komme. O'etiiit vrsime», UI> »xneitu, Ull veriisblokomme <lo Kien" u. s. W.

Obwohl die Gänse in vorchristlichen Zeiten einigen Gottheiten, wie z. B. der Juno,geheiligt waren und bisweilen die Ehre hatten, dieser stolzesten Bewohnerin des Olympsvon Priesterhand geschlachtet zu werden; obwohl ferner von der Sage gemeldet wird, daßsie einst das Kapital gerettet und hicdurch bestimmend auf den Gang der Weltgeschichteeingewirkt hätten; obwohl endlich ihnen die Kiele zu verdanken sind, mit welchen von denheiligen Kirchenvätern an bis zu den großen Geistern des 19. Jahrhunderts so unendlichviel Weisheit zu Pergament und zu Papier gebracht worden ist, trotz allcdem sind dieGänse eine höchst untergeordnete, prosaisch und gering geachtete Thiersamilie, und wer diekleine Komödie:Das Gänschen von Buchenau", gesehen, der weiß zur Genüge, daßbesagtes Dimiuutivum nicht angewandt wird, um jungen Fräuleins ein Kompliment zumachen. Und dennoch können wir heute von zwei Gänsen ein durch zuverlässige Mit-theilung als wahr verbürgtes Geschichtchcn erzählen, das schier poetisch und rührend ist.Auf einem Hofe zu Troisdorf (Rheinproviuz) waren von einer früheren zahlreichen Schaarvon Gänsen zwei Exemplare, Männchen und Weibchen, übrig geblieben, denen man ausDankbarkeit für die von ihnen erzielte Nachkommenschaft mit löblicher Pietät das Gnadcnbppdzu Theil werden ließ. Das vielleicht gegen 20 Jahre mit einander alt gewordenePärchen empfand schon die Gebresten des Alters, und namentlich war die mit einemstattlichen Fettbäuchlein behaftete Gans in letzter Zeit nicht wohl mehr im Stande, alleinden nahen Teich zu erreichen. Da half ihr denn mit rührender Beflissenheit der treueLebensgefährte durch Aufmunterung, Ziehen und Schieben vorwärts, so gut es gehenwollte. Dieser Tage aber war Alles umsonst. Die Gans kam nicht mehr von derStelle, und nach vergeblichen Anstrengungen schmiegte sich das resignircndc Männchen an,legte zärtlich seinen Hals über den Rücken der geliebten Freundin und bcharrtc wohl eineStunde lang in dieser Haltung, die endlich auffiel und die Hofbewohner zum Nachsehenveranlaßte. Man fand das Männchen todt; es war ohne sichtbaren Todeskamps an derSeite der Gattin gestorben. Diese aber starb in gleich stiller Weise eine Stunde nachher.Der Fall ist für das Thierlebcn zu charakteristisch, als das wir ihn nicht Hütten mit-theilen sollen.