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(Die Strickmaschine.) Die neue Welt, welche uns bereits die Nähmaschineerfand, bereitet ein neues Geschenk für uns vor in Gestalt der Strickmaschine. Bis jetzt hatman nur solche Strickmaschinen gekannt, wclcke ein ganz gleichmäßiges, röhrenförmiges Gewebezu liefern vermochten. Die neue amerikanische Strickmaschine von Lambs dagegen ist nichtrund, sondern langgestreckt und arbeitet auf beiden Seiten. Bei der vollen Breite enthält sieauf einer Seite 50 Nadeln; aus beiden Seiten zusammen können also durch jede Kurbelum-drehung 100 Schlingen gemacht werden. Rechnet man auf jede Kurbelumdrehung eine Secunde,so ergibtdi es für eine Minute 6000 Scklingen. Dadurch wird es begreiflich, daß man mitdieser Maschine an einem Tag 36 Paar Strümpfe anfertigen kann, während die Haudstrickerin,wenn sie noch so fleißig und noch so geübt ist, täglich nicht zwei Paare fertig bringt. Außerdemkann man je nach Bedarf fest oder locker stricken. Die Maschine nimmt wenig Raum einund wird an den Tisch angeschraubt. Man kann mit der Maschine ab- und zunehmen, denKeil, die Ferse, das Bein, den Rand des Strumpfes machen. Ebenso lasten sich gerippte, wolkigeund durchbrochene Gewebe jeder Art mit der Maschine herstellen und auf diese Weise Shawls,Decken, Besätze, Kinderkleider, Handschuhe und Anderes mit Leichtigkeit anfertigen. Währenddes letzten Breslauer Maschinenmarktes arbeitete die Maschine eine Menge derartiger Gegen-stände zu großer Freude und Bewunderung der Damen, welche in der Regel dicht gedrängtum diese unscheinbare Maschine standen und den reichsten Beifall spendeten. Die L am b s'scheStrickmaschine kostet 160 fl. Silber, bei Baarbezahlung IILV^fl. Die hiesige Unternehmungs-lust wird sich gewiß die Gelegenheit nicht entgehen lasten, dem Augsburger Publikum dieseinteressante Maschine bald vorzuführen.
(Vielfache Verwendbarkeit des Petroleums.) Das Petroleum, mitdem man Jahrhunderte lang, als es noch unter dem Namen Steinöl oder Naphta in denHaudel kam, nichts Rechtes anzufangen wußte, gewinnt immer größere Wichtigkeit, undzwar schätzt man es nicht nur als Brennmaterial, sondern auch in der übrigen Hauswirth-schaft, in der Landwirthschaft und selbst in der Heilkunde spielt es seine Rolle. Den um-fassendsten Gebrauch macht man jetzt von seiner eminenten Wirksamkeit gegen alles kleineUngeziefer, das durch directe Berührung mit der Flüssigkeit immer sofort, durch die bloßeAusdünstung theilweise ebenfalls getödtet, andernfalls doch vertrieben wird. Gärtner, Thier-züchter und Thierärzte verwenden das Patrolenm schon häufig zur Vertilgung pflanzlicherund thierischer Schmarotzer; gegen das häßliche Uebel, das von einer in der menschlichenHaut nistenden Milbe herrührt, die Krätze, steht es allen anderen Mitteln voran. Hierauffußend, hat die ärztliche Praxis jetzt auch begonnen, den Stoff gegen innere Quälgeister,Eingeweidewürmer nämlich, in Anwendung zu bringen, und zwar ebenfalls mit gutem undraschem Erfolg. Man gibt zu diesem Zweck Klystiere mit einer Evulsion von Petroleum,einen halben Eßlöffel voll, einem Eigelb und warmem Wasser; die Behandlung wird ohneBeschwerde ver- tragen. Wahrscheinlich wird nun das Mittel, um im Verdanuugskanalgründlich, z. B. auch mit dem Bandwurm aufzuräumen, bald auch innerlich gegeben werden.Pariser Aerzte haben sich der Probe unterzogen und gefunden, daß der Stoff für den Körperunschädlich und nur durch seinen Geschmack widerwärtig ist. Dem läßt sich aber abhelfen,indem mau ihu in bekannter Weise in Gelatinekapsel eingeschlossen verordnet.
Charade.
(Aus einem Paar zwcifilbiger Wörtern.)
Ist auch das Erste streng verpönt,
So wirds doch unverschämt getriebenVon Solchen, die daran gewöhnt,
Gerade dieß am meisten lieben.
Ist noch so weise und gerechtDas Zweite, und sohin zu schätzen,
So wird es doch erbärmlich schlecht,Sobald wir's hin zum Ersten setzen.
Denn seh'n wir's diesem beigesetzt,
So kann es Ekel nnr erregen,
Weil voll chicmit ein Mensch uns schwätzt,Der sich auf's Erste muß verlegen.
Auflösung der Charade in Nro . 30:
Weinstein.
Druck, Derlaa und Skedaltion drS Ittnartstheu Institut« von vr. M. Huttlrr,