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Insel rettete. Er wurde von den Einwohnern gefangen genommen, mußte feine Kleidungmit einem Robbenfelle vertauschen, erhielt eine Keule und wurde „durch Beschluß derNation" nolens volens als Häuptling proklamier. Als solcher mußte er eines derschönsten Mädchen als seine Frau anerkennen, welches Unglück ihm sein spanisches Blutziemlich leicht ertragen ließ. Nachdem er sieben Jahre ganz glücklich gelebt hatte, starbseine Pescheräsc, und er mußte das gleiche Loos der Eingeborenen theilen, seine Seligein die allgemeine Begräbnißhöhle begleiten und letztere hinter sich schließen sehen. Baldwar das mitgegebene Brod und Wasser verbraucht. Leichenduft verpestete die Luft, undRatten und anderes Gethier fanden sich ein. Durch den Besuch dieser unliebenswürdigenGäste hatte der Spanier eine Oeffnung gefunden, die er mit aller Kraft der Verzweiflungerweiterte, und durch sie in's Freie gelangte. Er eilte auf eine Anhöhe, sah ein Schiff,zündete ein Feuer von Reisig an, und wurde auch vom Schiffe aus bemerkt, welchesein Boot aussetzte. Doch auch die Pescherähs hatten das Feuer gesehen, sie eilten herbeiund — sielen dem Spanier zu Füßen, der ihnen jetzt als Gottheit erschien, da noch nieein lebendig Begrabener wieder zum Vorschein gekommen war. Frohen Muthes eilte derGerettete ungehindert zum gelandeten Boot, während die Wilden zur Ebene zurückkehrten,um den übrigen Glaubensgenossen das „Wunder" mitzutheilen.
Bahnwärterloos
O Freund, werd' ja kein WärterAn einer Eisenbahn,
Denn dieses Loos ist härterAls jeder and're Plan.
Ein solcher steht da draußenUnd wartet früh und spatUnd hört er etwas sausen,
So stellt er sich gerat»'.
Viel bester geht's dem Schürer,Der wärmt sich doch die Hand,Am besten hat's der FührerBei seinem hohen Stand.
Nun ja, man kann's erwarten!Das Glück kommt nach und nach.Für jetzt blüht mir ein Garten,Kein Fleckchen liegt mir brach.
Man kann von ihm wohl sagenEr geh' nur auf den Pfiff,
Er salutirt die WagenUnd hat die Hand am Griff.
Da pfleg' ich manche StundeZu meinem ZeitvertreibDie Blumen der Rotunde,Ich und mein junges Weib.
Er muß telegraphirenUnd unter Eis und SchneeIm Winter schier erfrierenBeim Schaufeln auf der Höh'.
Und ich denk:
Da Pflanz' ich meine Rüben,Und Mancher fährt vorbei,
Und denkt sich, der da drübenVersteht doch Mancherlei.
He Du, bremse!
(Witzige Rache.) Von dem unlängst in Warschau verstorbenen praktischen ArzteDr. Le» weiß man in Krakau folgende Anekdote zu erzählen: I)r. Leo, der trotz unge-heurer Praxis kein Vermögen zusammenbringen konnte, leistete gegen entsprechendesHonorar einem der reichsten Warschauer Bankiers Gesellschaft auf einer Reise in's Aus-land. In jedem Hotel schrieb der auf seinen Reichthum stolze Gcldmann in's Melde-Buch: „Der Bankier T. aus Warschau mit seinem Arzte llr. Leo." Leo merkte dieseinige Male, schwieg, kam jedoch bei der nächsten Station dem Banquier zuvor, undschrieb in's Buch: „Dr. Leo aus Warschau mit seinem Bankier T."