Ausgabe 
28 (2.8.1868) 31
 
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der Rose gemacht hatte. Erwähnung verdient noch der von einem Herrn v. Grosfinger (im Jahre 1784 gestiftete deutsche, und der von Brasiliens erstem Kaiser Dom Pedro l.,gegründete Roscn-Orden, der zu den anmuthigsten der Welt gehört.

Ueberhaupt fand man, als Kolumbus Amerika entdeckte, die Rose dort stchon vor.

Die Kaiser von Mexiko schmückten ihre Gärten damit, und in Peru erschienen dieSöhneder Sonne" bei gewissen öffentlichen Ceremonien mit einer Krone von Rosen. DiePeruaner nennen den Rosenstrauch denStrauch der Sonne."

Das kostbare Rosenöl, welches echt nur aus dem Morgenlande kommt, wird vonden Moschusrosen gewonnen, deren Blätter man in einem Gefäße den Sonnenstrahlenaussetzt. Die öligen Theile, welche oben schwimmen, werden mit einer Baumwolle ge-sammelt und sogleich wieder in kleine Fläschchen ausgedrückt, die hermetisch verschlossenbleiben. Das beste Oel ist citronengelb, fast durchsichtig und von einem Gehalte, daß,wenn man eine Nadelspitze hincintaucht und ein Taschentuch damit berührt, dasselbeMonate lang den stärksten Wohlgeruch behält. Dieses Oel bildet einen der wichtigstenHandelsartikel an den Küsten Syriens, Persiens und der Berberei, wo es, dem Gewichtenach, theurer als Gold ausgewogen wird. Kaschmir liefert das köstlichste, dann kommtdas persische und endlich das syrische Rosenöl. Auch die in der Bibel erwähnte Nardescheint mit diesem Oele verwandt zu sein, denn die Rose heißt auf arabisch Nard.

Gegenwärtig kennt die Wissenschaft gegen 3000 Arten und Abarten von Rosen.Unter den vielen prächtigen Rosengärten in Deutschland nehmen die in Witzlcben beiCharlottenburg und das prächtige Rosarium auf der Pfaueninsel bei Potsdam (umwelches sich der verstorbene Hofgärtncr Fintelmann so verdient gemacht) eine hervorra-gende Stelle ein.

Als der älteste bekannte wird der an der östlichen Wand des Doms in Hildesheim befindliche Roscnstock bezeichnet. Sein in der Krypte unter der Chornische wurzelnderStamm mißt beinahe einen Fuß im Durchmesser, während ein halbes Dutzend Zweigesich in einer Höhe von etwa fünfzehn Fuß an der grauen Mauer ausbreiten und Hun- ^derte von Blumen treiben. Der Bischof Hezilo ließ diesen Strauch, besten Alter aufein Tausend Jahre angegeben wird, mit seiner jetzigen Ueberdachung versehen.

Der größte Roscnstock dagegen, den die Welt kennt, ist die weiße Banksroseim Mariengarten zu Toulon . Diese Rose, zu Ehren der l!ady Banks so genannt, weichtvon den gewöhnlichen Rosen ab, denn ihre Blumen gleichen mehr denen der gefülltenKirsche. Kaum ein halbes Jahrhundert alt, bedecken seine sechs Aeste, unter denen derstärkste 14 Zoll im Umfange mißt, eine Mauer von 75 Fuß Breite und 18 Fuß Höhe;der Stamm hat am unteren Ende 2 Fuß 8 Zoll im Umfange. Die Banksrosc blühtvon Mitte April bis Mitte Mai und soll dann mit mehr als 50,000 Blumen aufeinmal geschmückt sein.

Zauberisch wird der Anblick geschildert, den diese herrliche Pflanze gewährt, undmit Recht gebührt ihr wohl der Preis, dieRosenkönigin" genannt zu werden!

Wenden wir uns schließlich den Dichtern der Rose zu, von Confucius und Anakreo«an, der sie iu seiner 51sten Ode gefeiert:

Nebst dem kronzgeschmücktcn LenzeSing ich dich, o holde Rose rc

so gebührt der Preis einem deutschen Sänger, Ernst Schulze , der dieKönigin derBlumen" in unerreichbarer Weise verherrlicht hat in seinerbezaubcrten Rose."

(Ein Heiliger wider Willen.) Bei den Pescherähs, den Bewohnern derInseln an der südlichen Spitze Amerika's , herrscht die eigenthümliche Sitte, daß, sobaldder Mann stirbt, die Frau ihm in's Grab folgen muß und umgekehrt. Dieses Schicksaltraf im vorigen Jahre einen Spanier, der sich von einem gescheiterten Schiff auf die