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Krüge zur Kirche. Bei einer solchen Gelegenheit ließ eine Amme ihren Täufling zurErde fallen, und die Frau, welche das übliche Rosenwasser trug, goß dasselbe in ihremSchreck über den Knaben aus. Dieser Unfall wurde als eine glückliche Vorbedeutung fürdes Kindes Zukunft angesehen; und wirklich wurde dasselbe unter Heinrich II. der damalsangesehene Dichter Honsard (-f 1585), dessen Poesien eben deshalb in einen guten Geruchkamen, obwohl er nur ein äußerst mittelmäßiges Talent gewesen.
Das Rosenfest ist eine noch jetzt in einigen Gegenden Frankreichs und Deutschlands übliche Feier, deren Ursprung bis in das sechste Jahrhundert hinaufreichen soll. DieSage nennt den heiligen Medardus von Salency als Stifter des Festes, an welchem injedem Jahre (8. Juni) dem tugendhaftesten Mädchen des Ortes ein Preis von 25 Livrcsnebst einer Rosenkrone zu Theil wird. Damit diese Stiftung für ewige Zeiten bestehenkönne, opferte er eigens dafür zwölf Hufen Landes. Das erste Rosenmädchen soll dieSchwester des Heiligen selbst gewesen sein. Ein Gemälde in der Kirche zu Salencybehandelt diesen Gegenstand; doch ist es wahrscheinlicher, daß das Fest erst zur ZeitLudwig's XIH. gestiftet, und nur deßhalb mit dem Heiligen in Verbindung gebrachtworden ist, weil die Feier seines Festes in die blumenreichste Zeit des Jahres fällt. —Wenigstens rührt die silberne Schnalle, welche als Befestigung und Schmuck des Rosen-kranzes dient, von diesem Könige her.
Die Bedeutung der Rose in der mittelalterlichen Kunst, namentlich in der Architek-tur der germanischen Dome und Gerichtssäle, ist bekannt. In einigen Gegenden derSchweiz durfte der von einem Verbrechen Freigesprochene sich mit der „Unschulds-Rose"schmücken. Ebenso scheint der Gebrauch der Freimaurer , am Johannistage sich mitRosen zu schmücken, aus den Bauhütten des Mittelalters herzurühren. MerkwürdigerWeise trugen die Bürger von Solothurn ebenfalls am Johannistage, an welchem sie sichzur Wahl ihres ersten Magistrats - Mitgliedes versammelten, einen Rosenstrauß, wovondiese Zusammenkunft den Namen „Rosengarten" erhielt.
Als Sinnbild findet die Rose sich ferner in vielen alten Wappen vor; auchMartin Luther führte eine Rose im Siegel. Die blutigen Kämpfe der weißen undrothen Rose (1399 bis 1486), welchen die Häupter Hork und Lancaster um den Thronvon England führten, hatten ihren Namen bekanntlich deßhalb, weil jenes eine weiße,dieses eine rothe Rose im Schilde führte.
Auch auf den Beilen der Vchme befand sich das Bildniß eines Ritters mit einemRosensträuße in der Hand, und so oft ein Mitglied dieses furchtbaren Bundes eine Roseerblickte, mußte es sie küssen.
Der Ausdruck, Jemanden etwas „sub rosa^ sagen, rührt von dem Gebrauche deralten Griechen und auch unserer Vorfahren her, welche bei ihren Gastmählern, wie beiernsten Berathungen über das Wohl der Gemeinde oder des Landes mitten über derTafel an der Zimmerdecke einen Kranz aufhingen, in dessen Mitte eine natürliche oderkünstliche Rose schwebte, die als Zeichen der Verschwiegenheit galt. Geheim sollte bleiben,was unter Freunden beim frohen Mahle gesprochen wurde. — „Sie vertrauen mirunter den Rosen der Freundschaft ein Werk ihrer Einbildungskraft und ihres Herzensan." Wieland.
Von den verschiedenen Orden und Geheimbünden, die im sicbenzehnten und acht-zehnten Jahrhundert entstanden, und ihren Namen, so wie ihre Symbole von der Rosehernahmen, stehen die „Rosenkreuzer " oben an. Dieser von Andrea gestiftete Orden, dersich aus der Freimaurerei entwickelte, strebte angebliche Verbesserungen in Kirche unt>Staat an; er hatte ein Andreaskreuz nebst einer von Dornen umgebenen Rose mit derInschrift: „Lrux Oliristi oorona oiiristianorum^ zum Zeichen.
Der von dem Herzoge von Chartres im Jahre 1780 gestiftete Rosen-Orden wardagegen ein Sammelpunkt aller Pariser Wüstlinge und Courtisanen, wogegen in derPariser Gesellschaft „Rosati" Niemand Aufnahme fand, der nicht ein Gedicht zum Lobe
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