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Mache Dir darum keine Sorge, sagte der Jüngere; sie scheint gefaßt zu sein.
Geh' um Gottes Willeu; ihre Ruhe scheint mir die Ruhe der Todten.
Der Arzt kam alsbald und sagte, man möge nur gleich den Priester rufen.
Am folgenden Morgen läuteten im Dorf die Sterbeglocken. Niemand war da, dernicht Catalina beweinte, der nicht ihre Seele Gott im Gebet empfohlen hätte.
An diesem Tage ward der schwarze Flor angelegt, den ich über dem Wappenschilddes „großen Hauses" sah.
(Schluß folzt.)
Zur Geschichte der Rose.
(Schluß.)
Bei einem Gastmahle, welches Kleopatra dem Antonius zu Ehren gab, war derFußboden der Speisezimmer eine Elle hoch mit Rosen bedeckt, über welche man, umsicher gehen zu können, Netze ausgespannt hatte.
Der berüchtigte Verres bediente sich einer Sänfte bei seinen Reisen, in welcher erauf einer mit Rosen ausgestopften Matratze lag; Rosenkränze umgaben seinen Kopf undHals, und ein mit diesen Blumen gefüllter Netzbeutel diente ihm zum fleißigen Riechen.
Bei diesem ungeheuren Verbrauch wurden denn auch zahllose Rosengärten in Italien ,ja förmliche Plantagen von ungemefscner Ausdehnung unterhalten. Der Rosenduft inden Straßen Roms war betäubend. Mit Bezug auf diese Ueberfülle rief Martial aus:„Sendet uns Korn, ihr Egypter, wir wollen euch Rosen dafür geben!"
Eine wichtige Rolle bei den Gastmälern spielte der Rosenpudding, über besten Zu-bereitung Apicius, dieser Kenner der Kochkunst, Folgendes anführt: „Man nimmtgereinigte Roscnblättcr, schneidet das Weiße am unteren Ende sorgfältig ab und zerstößtdann die Blätter in einem Mörser, unter fortwährendem Zugießen einer pikanten Sauce.Dann läßt man dieselbe durch ein Sieb laufen, nimmt das Gehirn von vier Kalbs»köpfen, dem die Haut abgezogen wird, streut ein Quentchen feingestoßenen Pfeffers darauf,zerstampft dies ebenfalls in einem Mörser und gießt fortwährend von dem oben genann-ten Safte hinzu. Herauf schlägt man 8 Eier aus, rührt sie mit anderthalb GläsernWein und einem Glase Sekt, fügt auch etwas Oel hinzu. Endlich bestreicht man dieForm, in welche die Mäste gethan wird, mit Oel und läßt sie backen. Der so bereitetePudding wird dann heiß aufgetragen."
Die Kreuzzüge brachten verschiedene, bis dahin in Europa noch unbekannte Rosen»arten nach Deutschland und Frankreich . So kam unter anderen die Damascencr-Roseum das Jahr 1100 nach der Provence . In des Mittelalters finsterer Zeit aber gingdie Roscnkultur gleich der aller anderen Blumen zu Grunde, wenn gleich Karl der Großeden Franken die Anpflanzung und Pflege der Rosen durch eine Verordnung an's Herzgelegt. Erst in der zweiten Hälfte des 16ten Jahrhunderts regte sich für die Rose einlebhafteres Interesse, namentlich waren es die Benediktiner -Mönche, welche sich um dieVerbreitung derselben verdient gemacht; wo nur ein Kloster dieses Ordens entstand, dablühte auch sehr bald ein Rosengarten. Und nun nimmt die Rose eine wichtige Stellein der Kirche wie in der Kunst ein. Es sei hier nur an diejenigen der heiligen Elisabethvon Thüringen und an die Todesrose im Stift zu Altenbcrg erinnert. Wer könntezählen, wie viele tausend „Rosenkränze" täglich gebetet werden zu Ehren der heiligenJungfrau!
Am Rosensonntage, in der römischen Kirche ein Name für den dritten Sonntag vorOstern, weihte der Papst eine goldene Rose, mit welcher er eine Kirche oder ein gekröntesHaupt beschenkte; wie beispielsweise noch im Jahre 1856 die Kaiserin Eugenie bei Gele-genheit der Taufe des „Kindes von Frankreich ."
Bei Taufen trug man früher in diesem Lande große mit Rosenwaster gefüllte