Ausgabe 
28 (23.8.1868) 34
 
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(Kräh enr ach e.) Vor einigen Tagen, erzählt Pfarrer in L. P., fand ich beieinem Spaziergange im Walde auf einer ungefähr 2Vr Klafter hohen Föhre ein Vogel-nest. Eine kindische Neugierdc, welche selbst den reiferen Mann selten verläßt, trieb michan, nachzusehen, ob und was in diesem Volgelneste enthalten ist. Ich hing meinenneuen, um baare zwei Gulden gekauften Strohhut auf eine nahe Eichcnstaude undkletterte die Föhre hinan. Kaum war ich zur Hälfte auf dem Baum, als mit einemgarstigen Gekrächze zwei Krähen angeflogen kamen und so schnell wie der Blitz um die Föhrekreisten. Die Krähen schloffen ihren Kreis immer enger, und als ich bemerkte, daß sieMiene machten, mir an den Kopf zu fliegen, brach ich einen kleinen Ast ab und setztemich in Vertheidigungszustand. Nun stießen beide Krähen auf meinen Strohhut untenauf der Staude. Nachdem ich nun unangefochten das Vogelnest, in welchem zwei jungeKrähen inWolle" lagen, besichtigt und meine Neugierde deßhalb gestillt hatte, stieg ich,oder sprang vielmehr mit einem Satze vom Baume herunter auf die Erde, welcher jäheSprung die alten Krähen von meinem Hute. verscheuchte. Sie flogen hoch auf undkreisten über die Krone der Föhre wieder weiter. Jetzt besah ich meinen Hut undo Schrecken! Im Deckel waren drei respektable Löcher eingehauen, und auf der Krämpe

lag doch das Letztere läßt sich nicht leicht beschreiben-es lag etwas Aehn-

liches auf der Hutkrämpe, wie es seinerseits dem Tobias in die Augen fiel, nur mehrmag es nach meiner Ansicht gewesen sein. Ich machte wie soll ich mich nur geschwindausdrücken? ich machte ein traurig-dummes oder ein dumm-trauriges Gesicht! ZweiGulden waren dahin! Moral: Laß' die armen Vögcl in Ruhe.

(I n st i n k t oder Klugheit?) Einer meiner Freunde machte folgendeBeobachtung: Die Ameisen fraßen ihm die Früchte seines Kirschbaumes weg. Um sieabzuhalten, beschmierte er den Stamm ringsum in der Breite eines Zolles mit demTabaksschmirgel, den er zu diesem Behufe gesammelt hatte. Die Ameisen, welche inSchaaren den Baum hinaufzogen, kehrten an dem übelriechenden, klebrigen Dinge um;die, welche von dem Baume zurückkehren wollten, wagten nicht, den Ring zu überschrei-ten, sondern kletterten wieder hinauf, und ließen sich von den Aesten zur Erde fallen.Der Baum war bafd von den zudringlichen Gästen befreit. Nach kurzer Zeit aber mar-schirten die Ameisen in Schaaren an dem Stamm hinauf. Jede trug in ihren Kiefernein Stückchen Erde , und mit äußerster Vorsicht wurde ein Bällchen neben das andere aufden Tabaksschmirgel gelegt und so nach und nach eine wahrhaft gepflasterte Straße her-gestellt, welche die Thierchen mit großer Emsigkeit befestigten und verbreiteten, bis ihrDurchmesser etwa einen halben Zoll betrug. Nun konnte ihre Colonne auf's Neue mitSicherheit den Baum besteigen, der bald mit Näschern bevölkert war. Wo ist nun, ge-genüber solchen Beobachtungen, die Grenze des Instinktes?

Frage: Was ist das Freieste am Menschen?

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Antwort: «zhzh savvH zig "fli pascissbuis hmv uvm uusai uusq "savvH

Charade.

(Zweisilbig )

Mein Erstes ist Täuschung, o halte es fernVom Zweiten, das Ganze umfängt es sonst gern.

Auflösung der Charade in Nr. 32:

Wildfang."

Druck, lSerlau und Rrdatttou LiS literarischeu Instituts von vr. M. Huttlrr.