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(Die Sonne als Feindin.) Ein französischer Militär, der sich in einerColonie am Senegal in Afrika befindet, schreibt von dort: In diesen heißen Länderngibt es etwas, das man im Norden zu lieben und zu verehren gelernt hat, gegen dasman hier aber bald eine unüberwindliche Abneigung fühlt, — die Sonne. Ach, ihrDichter, die ihr in Eueren Versen allen Preis über die Sonne der Tropen ausschüttet,während ihr die heimathliche ein bleiches Gestirn nennt, wenn Euch das Schicksal dochvcrurtheilte, nur eine Mittagsstunde unter den Strahlen der Sonne des Senegal zuverbringen! Die Begeisterung würde in Strömen von Schweiß von Euch weichen; Ihrwürdet einsehen, welche wahre Poesie in einem wolkengrauen Himmel und in einer Sonneliegt, in deren Strahlen Salat und Blondinen gedeihen. Am Senegal ist die Sonneder allgemeine Feind und die Aerzte erklären sie außerhalb des Gesetzes als den Ursprungund die Quelle aller Krankheiten. Sobald sie erscheint, schließt sich der Weiße in seinerdicht verschlossenen Wohnung ein, um dieselbe erst gegen Abend zu verlassen, und wennihn eine dringende Nothwendigkeit zwingt, auszugehen, so entzieht er seine Augen derHelle der Sonnenstrahlen durch dunkle grüne Brillengläser und seinen Rücken ihrer Glutunter dem Schatten eines großen Schirmes. Man muß den Glutofcn des Senegal auseigener Erfahrung kennen gelernt haben, um die Bedeutung der Worte würdigen zukönnen, die auf den meisten Thermometern stehen: Wärme am Senegal . Wenn mandurch diese „Wärme" erschöpft auf seinem Lager liegt, jeder Bewegung unfähig, selbstunfähig zu schlafen, dann erscheint Einem das ferne Vaterland wie ein glänzender Traumund man denkt an eine andere Welt, wo man Freunde hat, die so glücklich sind, Schnee-stocken vor ihren Fenstern tanzen zu sehen; wo es Leute gibt, die, um sich nicht zu er-kälten, Nenn Ausgehen wattirtc Ucberröckr anziehen müssen. Ach, wie oft habe ich ge-seufzt, wenn ich doch nur einmal frieren könnte, ich wollte dann gern sterben.
(Hartes Obst zu beliebiger Zeit reifen zu lassen.) Es gibt nichtselten kleine Handgriffe, die, obwohl anscheinend unbedeutend oder alltäglich, doch that-sächlich so nützlich und wichtig sind, daß sie eine größere, ja möglichst allgemeine Ver-breitung verdienen. Zu diesen darf jedenfalls das Nachstehende gezählt werden. Zu derMonatsschrift für Pomologie theilt Jemand die zufällige Beobachtung mit, daß sehrharte Kolmarbirnen, welche für gewöhnlich „erst nach Neujahr bis Ostern genießbar sind,"durch Einwickeln in Papier und Verpacken in Papierschnizel bereits nach 14 Tagen völligausgereift, mürbe und wohlschmeckend geworden. Er knüpft hieran den durch fernereVersuche bestätigten Hinweis, daß man durch dies Verfahren jederlei Obst in beliebigerFrist zur wohlschmeckenden Reife bringen könne. Es wurden Pfirsiche und St. Germain-Birnen, die vollkommen ausgewachsen, aber noch sehr hart waren, von je 14 zu 14 Tagenabgenommen, jede einzelne in weiches Papier gewickelt und in eine Commodc gepackt,und in der Frist von 10 —14 Tagen waren sie stets reif, weich und wohlschmeckender,als die später vom Baum genommenen. Durch dies Verfahren kann man vom Beginnder ersten Obstrcife bis zu Ostern hin stets frisches reifes Obst essen und der Vortheilist um so größer, da das Dauerobst hier nach Belieben allmählig zum Genuß gebrachtwerden kann, während es sonst doch gewöhnlich im Zeitraum von kaum drei Wochenalles auf einmal reif wird und meistens sehr schnell verzehrt werden muß, vorher abergewiß gar nicht zugänglich ist. Praktische Hausfrauen werden den Vortheil bald zuschätzen wissen.
Ein Schuljunge mußte seinem Vater aus der Zeitung vorlesen. Da kam er andie Worte: Frankfurt a. M. Das letztere Anhängsel machte ihn stutzig; er wußte nicht,was das heiße. Er besann sich aber nicht lange und las: „Frankfurt aus Mitleid."
Druck, verlas und Redaktion deS literarijcheu Institut- von Dr. M. Huttler.